Schlechte Beziehungen zu El Dschasira
US-Regierung ist verärgert über arabische Irak-Berichterstattung

„Die amerikanischen Soldaten haben einfach wild in der Gegend herumgeschossen“, ruft der schnauzbärtiger Iraker aus Falludscha wütend und fuchtelt mit der Faust drohend vor der Kamera des arabischen Fernsehsenders El Dschasira herum. Washington reagiert auf diese Art der Berichterstattung genervt.

dpa KAIRO. Beim Konkurrenzsender El Arabija wird der ehemalige irakische Informationsminister und oberste „US-Beschimpfer“, Mohammed Sajjid el Sahhaf, derweil höflich zu seinen Kriegserlebnissen befragt. Am Ende des Interviews klopfen sich Reporter und Ex-Minister gegenseitig freundschaftlich auf die Schulter. In Washington, wo die fast täglich eintreffenden Meldungen über den Tod amerikanischer Soldaten im Irak langsam zum Problem werden, reagiert man allergisch auf diese Art der Berichterstattung.

Der stellvertretende US-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz kritisierte am Sonntag nach einer Irak-Reise die beiden Sender in einem Interview mit dem US-Kanal Fox TV wegen „falscher und für unsere Truppen gefährlicher Berichterstattung“. Mit ihren Meldungen und Reportagen schürten die Journalisten der beiden TV-Stationen den Hass auf die US-Soldaten im Irak, erklärte er. „Diese Medien tragen eine Verantwortung, dies ist kein Spiel, ... wir können das nicht akzeptieren“, meinte Wolfowitz. Mitverantwortlich seien auch die Regierungen der Länder, in denen die Medien ihren Sitz hätten. Man habe inzwischen mit der Regierung von Katar, dem Sitz von El Dschasira, gesprochen. „Die Antworten waren nicht zufriedenstellend“, sagte der stellvertretende Verteidigungsminister. Der Nachrichtenkanal El Arabija hat seinen Sitz zwar in Dubai, ist aber im Besitz saudischer Investoren.

Auch Bush nutzt El Dschasira

Dass die Beziehung Washingtons zu El Dschasira, dessen Internet-Seite inzwischen zur meistbesuchten Website der arabischen Welt aufgestiegen ist, extrem schlecht ist, überrascht nicht. Mit Live-Berichten aus dem Krieg in Afghanistan, Tonband-Botschaften von Osama bin Laden und grausigen Bildern vom amerikanisch-britischen Angriff auf den Irak hat der vom katarischen Herrscherhaus gegründete Sender bereits mehrfach den Ärger Washingtons auf sich gezogen. Doch ernsthafte politische Konsequenzen können die Amerikaner dem Golfstaat kaum androhen. Schließlich hat sich Katar neben Kuwait im Irak-Krieg so kooperativ gezeigt, wie kein anderes Land der Region. Vom der katarischen Wüste aus steuerten die Amerikaner unter dem Kommando General Tommy Franks ihre Truppen.

Was die Angelegenheit weiter verkompliziert ist die Tatsache, dass die Regierung von US-Präsident George W. Bush gerade El Dschasira und El Arabija wegen ihrer hohen Einschaltquoten gerne nutzt, um den arabischen Zuschauern die eigene Sicht der Welt zu präsentieren. Bushs Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice ließ sich von El Dschasira ebenso interviewen wie Außenminister Colin Powell.

Auch US-Sender arbeiten nicht immer fehlerfrei

Für viele arabische Medienbeobachter ist die Kritik der Amerikaner ohnehin nichts weiter als ein Versuch, eine neutrale Berichterstattung über die Lage im Irak zu verhindern. „Wir teilen die Meinung von Herrn Wolfowitz keineswegs“, sagt etwa Hosam Zakki, Chef des Pressebüros der Arabischen Liga in Kairo. „Im Gegenteil: Die arabischen Satelliten-Kanäle geben sich alle Mühe, objektiv aus dem Irak zu berichten“, fügt er hinzu. Es sei unmöglich, von arabischen Reportern zu verlangen, „die Besatzungs-Situation und die fehlende Sicherheit im Irak positiv darzustellen“. Sicher schieße der eine oder andere Reporter gelegentlich ein wenig über das Ziel hinaus, aber schließlich sei auch die Berichterstattung der US-Sender nicht immer fehlerfrei.

Für die meisten arabischen Zuschauer ist es ohnehin keine politische Entscheidung, auf welchem Kanal sie den Konflikt im Irak verfolgen. „El Dschasira und El Arabija haben einfach die meisten Reporter im Land, so dass man überall hautnah dabei ist“, meint Umm Iman, eine Putzfrau aus Kairo. Sie hat sich in der vergangenen Woche auf El Dschasira auch mit Spannung die Ausstrahlung der Bilder von den Leichen der beiden Söhne von Saddam Hussein, Kusai und Udai, angesehen.

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