„Schlechte Nachricht für die Weltwirtschaft“
Ausbau des Panamakanals gestoppt

Der Streit um die Mehrkosten für den Ausbau des Panamakanals eskaliert. Das Bau-Konsortium hat die Arbeiten vorerst eingestellt – jede Verzögerung ist eine schlechte Nachricht für die Wirtschaft.
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MadridDer Streit um die Mehrkosten für den Ausbau des Panamakanals ist am Mittwoch eskaliert: Das Konsortium GUPC um den spanischen Baukonzern Sacyr habe seine Drohung wahrgemacht und die Arbeiten eingestellt, teilte der Chef der Kanalbehörde, Jorge Quijano, in Panama-Stadt mit. Sacyr warf den panamaischen Behörden vor, die Verhandlungen abgebrochen zu haben, bestritt aber den Abbruch der Bauarbeiten an dem Großprojekt.

Sacyr erklärte am Mittwoch, der Abbruch der Verhandlungen durch die Kanalbehörde gefährde die Verbreiterung des Kanals sowie 10.000 Arbeitsplätze. Am Abend sage der Sacyr-Chef Manuel Marique aber dem spanischen Radiosender Cadena Ser, die Verhandlungen würden fortgesetzt. Die Kanalbehörde habe das vorerst letzte Angebot abgelehnt, doch habe der Konzern der Behörde schriftlich die Fortsetzung der Verhandlungen angeboten.

„Wir haben dem Kanal ein letztes Angebot vorgelegt, und ich denke, sie werden uns antworten“, sagte Marique. Für einen möglich Abbruch der Arbeiten gebe es „kein konkretes Datum“: „Das hängt von der Antwort ab.“ Der EU-Industriekommissar Antonio Tajani, der in dem Streit vermittelt hatte, sprach angesichts der weiteren Eskalation des Streits von einer „schlechten Nachricht für die Weltwirtschaft“.

Der 1914 eröffnete Panama-Kanal verbindet Pazifik und Atlantik und macht auf diese Weise für Schiffe den teuren und schwierigen Weg um das Kap Hoorn an der Südspitze Amerikas überflüssig. Das Konsortium GUPC verbreitert den Kanal derzeit, um größeren Containerfrachtern die Durchfahrt zu ermöglichen. Die panamaische Kanalbehörde und das Konsortium streiten sich um die auf 1,6 Milliarden Dollar (1,2 Milliarden Euro) veranschlagten Mehrkosten für das ursprünglich 3,2 Milliarden Dollar teure Projekt.

GUPC schlägt vor, dass beide Seiten sich die Mehrkosten zunächst teilen, bis die Bauarbeiten beendet sind. Anschließend könnte der Fall vor ein internationales Schiedsgericht gehen. Laut Sacyr könnte sich die Fertigstellung des Projekts um drei bis fünf Jahre verzögern, wenn es nicht zu einer Einigung kommt. Sacyr betonte, das Konsortium suche weiterhin nach einer Lösung, um das Projekt im kommenden Jahr zu vollenden. Die Arbeiten sollten eigentlich bis zum 100. Geburtstag in diesem Jahr abgeschlossen sein.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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