Schlechtester Start seit 1998
Japaner verlieren Vertrauen in Aso

Japans neuer Premier Taro Aso steht nach nur zwei Wochen im Amt bereits mit dem Rücken zur Wand. Kritiker werfen ihm vor, er agiere in der Finanzkrise hilflos und zögere die ursprünglich geplanten Neuwahlen hinaus. Der Rüffel scheint zu wirken: Nach einer Meinungsumfrage stimmen nur noch gut 40 Prozent der Japaner Asos politischem Kurs zu.

TOKIO. Die globale Wirtschaftskrise lässt auch die japanischen Kennzahlen schlecht aussehen, und die Wähler reagieren immer unzufriedener. Nur noch 40 Prozent der Bevölkerung unterstützen gemäß einer Meinungsumfrage der Tageszeitung "Asahi" die Politik ihres Premiers Taro Aso. Das entspricht einem Minus von sieben Prozentpunkten seit Amtsantritt - obwohl Aso keine Chance hatte, eigene Akzente zu setzen.

Einen so schlechten Start hatte keiner seiner fünf Vorgänger seit 1998. Aso reagiert, indem er die Neuwahlen verschiebt, die bereits als ausgemacht galten. "Unsere erste Sorge gilt erst mal der Wirtschaft", sagte er am Montag in Tokio. Oberste Priorität sei, einen Nachtragshaushalt zur Finanzierung eines Konjunkturpakets durchs Parlament zu bringen.

Damit ist der große Plan zur Rettung der Liberaldemokratischen Partei (LDP) in Gefahr. Nach mehr als 50 Jahren als Regierungspartei hat die LDP grundsätzlich Probleme, sich an der Macht zu halten. Ein Trick sollte über das Umfragetief hinweghelfen: Wenn Aso als neues Gesicht sofort Neuwahlen abhielte, könnte er der Opposition ein Schnippchen schlagen, so das Kalkül.

Doch das ging wegen der Wirtschaftskrise nicht auf. Zwar war das weltweite Finanzdebakel für die Japaner bis vergangene Woche noch ganz weit weg. Doch dann hagelte es schlechte Nachrichten: Die Arbeitslosenquote kletterte auf ein Fünfjahreshoch, während Geschäftsklima und Verbrauchervertrauen auf Tiefstände fielen. Die Außenhandelsbilanz verzeichnete im August erstmals seit 26 Jahren ein Minus.

Die Großindustrie korrigierte in rascher Folge ihre Gewinnerwartungen nach unten, Immobilienfirmen meldeten reihenweise Insolvenz an. Der Mittelstand leidet bereits messbar unter einer Kreditklemme: Denn Japans mittelgroße Banken scheuen nach schlechten Erfahrungen mit einer Bankenkrise in den 90er-Jahren derzeit jedes Risiko. Zugleich weiten sich innenpolitische Skandale aus, beispielsweise um Millionen verschwundener Einträge in der Rentendatenbank.

Das Volk gibt der LDP die Schuld für die Misere. Die Regierungspartei hat selbst eine Umfrage unter 300 000 Wählern in Auftrag gegeben, die ernüchternde Ergebnisse brachte: Bei Neuwahlen würde die LDP fast jeden Dritten ihrer Sitze im Parlament einbüßen. Die Regierungskoalition wäre ihre derzeit komfortable Mehrheit auf einen Schlag los.

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