Schleppende Verfolgung von NS-Verbrechen in Italien
Schily gedenkt der Opfer eines Nazi-Massakers in Italien

Bei einer Gedenkfeier für die Opfer eines der schlimmsten Nazi-Massaker in Italien hat Bundesinnenminister Otto Schliy mangelnden Widerstand der Deutschen kritisioert. In Sant'Anna di Stazzema waren vor 60 Jahren 560 Menschen durch SS-Angehörige getötet haben.

HB SANT'ANNA DI STAZZEMA. „Es waren zu wenige, viel zu wenige, die aktiven Widerstand geleistet haben“, sagte Schily am Donnerstag. „Es war die Zeit der Feigheit und der Gewissenlosigkeit in Deutschland.“ Schily ist der erste deutsche Regierungspolitiker, der in Sant'Anna der Opfer gedachte.

Zudem verurteilte er, dass die Justiz viel zu spät gegen die Verantwortlichen für das Blutbad vorgehe. „Dass erst nach 60 Jahren die Aussicht auf eine gerichtliche Aufarbeitung dieses Massenmordes besteht, gehört zu den deprimierenden Erfahrungen der Überlebenden des Massakers.“ Schily nannte das Verbrechen „blanken, brutalen Massenmord“. An der Gedenkfeier nahmen auch Angehörige der Opfer sowie sein Amtskollege Giuseppe Pisanu teil.

Am 12. August 1944 hatten rund 400 Angehörige der 16. SS- Panzergrenadier-Division auf dem Rückzug nach Aussagen von Augenzeugen in dem Ort in einem Partisanengebiet ihre Opfer zusammengetrieben und erschossen. Andere seien mit Handgranaten umgebracht worden. Unter den Toten waren viele Frauen und über 100 Kinder. „Es wurde überall getötet, in den Häusern, in den Ställen, auch auf dem Kirchplatz“, berichtete ein Augenzeuge. Später übergossen die Soldaten die Leichen mit Benzin und verbrannten sie.

„Es war die Zeit der schlimmsten Selbsterniedrigung Deutschlands, das sich in die Hand von satanischen Verbrechern begeben hatte“, meinte Schily. Er fügte hinzu: „Es war die Zeit, in der die Nazi- Verbrecher überall willige Helfer fanden, leider auch in Italien.“ Schily erinnerte zwar ausdrücklich an die Namen deutscher Widerstandskämpfer im Dritten Reich, es seien aber zu wenige gewesen.

Pisanu betonte, es sei ein Zeichen von „großem Mut, moralischer Stärke und demokratischer Kultur, ... den dunkelsten Momenten der eigenen Geschichte ins Gesicht sehen zu können.“ Er verwies aber auch auf den italienischen Faschismus.

Kürzlich begann vor dem Militärgericht in La Spezia ein Prozess gegen mehrere ehemalige SS-Offiziere der Einheit von Sant'Anna. Da nach deutschem Recht deutsche Staatsbürger nicht ausgeliefert werden, müssen die Angeklagten nicht vor den Richtern erscheinen. Jahrzehntelang hatten die italienische Justiz die Verbrechen nicht oder nur schleppend verfolgt. Auch in Deutschland sind mittlerweile Ermittlungen angelaufen.

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