Schlüsselindustrien Peking investiert Billion in Wachstumsbranchen

Die chinesische Regierung treibt den Umbau ihres Wirtschaftsmodells von starker Exportorientierung zu mehr Binnennachfrage konsequent voran. Peking will im Rahmen des nächsten Fünfjahresplans ab 2011 umgerechnet mehr als eine Billionen Euro ausgeben - und tritt zugleich aus Angst vor Überhitzung auf die Kreditbremse.
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China will die Binnennachfrage beleben. Quelle: dpa

China will die Binnennachfrage beleben.

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PEKING. Die chinesische Regierung treibt den Umbau ihres Wirtschaftsmodells von starker Exportorientierung zu mehr Binnennachfrage konsequent voran. Peking will im Rahmen des nächsten Fünfjahresplans ab 2011 bis zu 1,2 Billionen Euro ausgeben, um eine Reihe von Schlüsselindustrien gezielt zu päppeln. Die Investitionen sollten helfen, die Ausfuhrabhängigkeit zu überwinden und ausgeglichener zu wirtschaften, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Statt reine Auftragsproduktion zu betreiben, sollen die Unternehmen des Landes mehr selbst entwickeln.

Chinas Führung hat dem rasant wachsenden Schwellenland zudem eine straffere Geldpolitik verordnet und tritt damit auf die Konjunkturbremse. Die Umkehr von der bisher relativ lockeren Geldpolitik könnte den Weg ebnen für weitere Zinserhöhungen und eine strengere Kontrolle der Kreditvergabe. Damit muss sich die Welt darauf einstellen, dass das Zugpferd der globalen Wirtschaft aus Sorge vor Überhitzung gezügelt wird. Wie ein ranghoher Regierungsberater am Freitag mitteilte, wird das Wachstumstempo bei der Kreditvergabe 2011 gedrosselt. Damit sollen Preisblasen am boomenden Aktien- und Immobilienmarkt vermieden und die Inflation in Schach gehalten werden.

Die Wirtschaftsplaner in Peking wollen demnach sieben technikorientierte Branchen fördern, denen sie besonders gute Zukunftsaussichten zutrauen. In der Kommunistischen Partei besteht bereits Konsens, dass der 12. Fünfjahresplan von 2011 bis 2016 mehr Nachhaltigkeit, mehr Binnennachfrage und eine ausgeglichenere Verteilung der Einkommen bringen soll. "Die Vorschläge für den 12. Fünfjahresplan konzentrieren sich mehr auf langfristige Sicherung des Wachstums", fasst Ökonom Tomo Kinoshita vom Finanzhaus Nomura zusammen. Kinoshita erwartet daher für die kommenden zwei Jahre weiter hohe Investitionen und hohen Konsum.

Peking will nun den Umbau der Wirtschaft konkret anschieben- mit viel Geld. Den Quellen zufolge denkt die Regierung darüber nach, jährlich bis zu 300 Milliarden Dollar zu investieren. Im Fokus stünden erneuerbare Energien, Biotechnik, IT, saubere Industrie, moderne Werkstoffe, Elektroautos sowie Umwelttechnik. Das deckt sich mit dem, was bisher über den Fünfjahresplan bekannt ist. "Wir sind fest entschlossen, eine ressourcensparende und umweltfreundliche Gesellschaft aufzubauen", sagte Premier Wen Jiabao im November in Peking.

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4 Kommentare zu "Schlüsselindustrien: Peking investiert Billion in Wachstumsbranchen"

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  • China – das Land der Gegensätze.
    Auf der einen Seite stehen jeden Tag unzählige neue Millionäre auf, die, nebenbei bemerkt, nicht unerheblich an unserem derzeitigem Wirtschaftsboom mitwirken, durch Prestigeobjekte Made in Germany auf 4 Rädern, auf der anderen Seite leben die Millionen der Wanderarbeiter, die jeden Tag immer mehr werden, weil sie auch einen Teil des Kuchens abbekommen wollen, am Abgrund. Ohne Sozialversicherung, ohne irgendwelche Rechte, reine Arbeitstiere für 20 Euro und nicht selten 400 Stunden im Monat. Moderne Sklaverei, was die Europäer und Amerikaner schon hinter sich haben, auch in Kolonien ausgelagert, um sich Wohlstand (sogar mit Waffengewalt) anzueignen und Millionen dafür elendig krepieren.

    Die Chinesen haben also nur von uns kopiert, was auch die westlichen Schurkenstaaten zu Wohlstand verhalf, von dem sie heute noch partizipieren.
    Sie brauchen aber nur 50 Jahre, für das die Europäer ein paar Jahrhunderte benötigten. Sehr lernfähig.

    Durch den bisherigen Export sind die Chinesen in der Lage, sich die Produktionsanlagen Made in Germany einzukaufen, mit denen die Exportartikel und später die dringend benötigten Artikel für den binnenmarkt hergestellt werden. Grundvoraussetzung für den Aufbau eines binnenmarktes. Und der ist gigantisch.
    Eigentlich müssten die Chinesen jetzt überhaupt nichts mehr exportieren, sie sind autark. Ein Drittel der Landbevölkerung hat keine Elektrizität. Die bevölkerung benötigt all das, was Europa nach 1945 auch benötigte – einfach alles. Der binnenmarkt ist so gigantisch, dass es für die nächsten 50 Jahre keine Arbeitslosen mehr geben wird. Das ist ein wirkliches Perpetuum-Mobile. Und im Gegensatz dazu müssen sich die westlichen industriestaaten neu erfinden, weil sie kein Geschäftsmodell mehr haben. Ein gesättigter Markt und eine ungünstige Demografie.

  • ich frage mich nur wie lange das System "Zuckerbrot und Peitsche"noch funktioniert.Den den Landbevölkerung wird sich auf Dauer von der "Roten Qlique"nicht mehr verarschen lassen. Milliadäre und hungernde Landbevölkerung haben bisher schon jedes Land an die Grenzen des zusammenlebens strapaziert.

  • Hört sich alles toll an, Fakt ist aber die inflation liegt inzwischen bei 10% und schon vor 5 Jahren hat die chinesische Regierung angekündigt mehr für den binnenmarkt zu tun. Jedoch ist der Konsum am Anteil als biP kontinuierlich von 45% im Jahr 2000 auf 34% im Jahr 2009 zurückgegangen und der größte Teil des Wachstums (2009 fast 90%) hängt von Kapitalinvestitionen ab, die zum großen Teil in Sektoren investiert, die schon massive Überkapzitäten haben. Allein in den letzten 17 Monten wurden Kredite in Höhe von $2,1 billione vergeben.

    Langsam aber rückt der Crash, bzw. eine deutliche, länger Schwächephase der chineischen Wirtschaft mit geringen Wachstumsraten näher.
    http://finance.fortune.cnn.com/2010/11/17/chanos-vs-china/

  • ich ziehe meinen Hut vor der Lernfähigkeit der Chinesen. Statt Waren zu exportieren und dafür nur minderwertige Schuldscheine mit Leistungsversprechen zu erhalten, lieber mit der Produktionskraft die eigene bevölkerung zufriedenzustellen.
    ist ganz das Gegenteil von unseren (Teflon-) Regierungen: Lieber exportieren, meinen sie, und das Geld noch mitschicken damit die Empfänger die Waren überhaupt bezahlen können (1.,2.,3. usw. Rettungsschirm). Macht doch lieber mal auch hier die bevölkerung zufriedener als immer weiter Löhne zu drücken:
    http://www.querschuesse.de/einzelhandel-jubelt/

    Gruß, tomtom

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