Schluss mit der Uran-Anreicherung
Iran lenkt im Atomstreit ein

Am Sonntag hat der Iran die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) in einem Brief über das Einfrieren seiner Urananreicherung als Teil einer Übereinkunft mit der Europäischen Union (EU) informiert.

HB WIEN/TEHERAN/WASHINGTON. Damit hat die Führung in Teheran im Streit um das iranische Atom-Programm eingelenkt. Wie westliche Diplomaten am Sonntag in Wien bestätigten, habe die iranische Regierung sich offiziell zur Aussetzung der Uran-Anreicherung bereit erklärt. Die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) sei schriftlich über diesen Schritt informiert worden, hieß es.

„Wir haben der Aussetzung der Urananreicherung zugestimmt“, sagte der iranische Chefunterhändler für Atomfragen, Hassan Rowhani, dem iranischen Nachrichtendienst Mehr am Sonntag. Ein entsprechendes Schreiben sei an die IAEO in Wien geschickt worden. Der vollständige Text werde an diesem Montag gleichzeitig in Teheran und Wien veröffentlicht, sagte Rowhani.

Zuvor hatte Teheran am Abend die Botschafter Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens davon unterrichtet, dass es einem entsprechenden Abkommen mit der EU zustimme. Zusätzlich seien auch Vereinbarungen über eine Zusammenarbeit in Sicherheitsfragen getroffen worden, erklärte der iranische Chefunterhändler ohne Angaben von Einzelheiten.

Der Entschluss Teherans wird voraussichtlich verhindern, dass die IAEO auf einer entscheidenden Sitzung am 25. November in Wien Iran wegen seiner angeblichen Atompläne vor den Weltsicherheitsrat bringt.

In Wien wird erwartet, dass IAEO-Generaldirektor Mohammed el Baradei die Zustimmung Teherans in seinen Iran-Bericht aufnimmt, der an diesem Montag den Mitgliedstaaten des Gouverneursrats der Atombehörde zugestellt wird. Der Rat hatte Mitte September Iran in einer Resolution zum Verzicht auf die Urananreicherung aufgefordert, mit der nicht nur Brennstoff für Atomkraftwerke, sondern auch Atombomben hergestellt werden könnten. Teheran bestreitet Vorwürfe, insbesondere durch die USA, wonach es heimlich an der Entwicklung von Atomwaffen arbeite.

Die US-Regierung äußerte sich zunächst nicht zur iranischen Position. Eine Sprecherin sagte lediglich, das Weiße Haus habe von dem angeblichen iranischen Einlenken gehört und sehe einer detaillierten Unterrichtung durch die Europäer erwartungsvoll entgegen. Bereits in der vergangenen Woche hatte US-Außenamtssprecher Richard Boucher erklärt, es komme nicht auf das an, was Teheran sage, sondern wie es sich in der Praxis verhalte. Das gelte zum Beispiel für die Frage, inwieweit der Iran bereit sei, Inspektionen zuzulassen.

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