International
Schmutziger US-Wahlkampf geht weiter

Der demokratische Kandidat John Kerry hat im US-Wahlkampf seinen republikanischen Gegnern vorgeworfen, mit Zweifeln an seinen Vietnam-Verdiensten einen wachsenden Zuspruch der Wähler zu sabotieren.

HB WASHINGTON. Für die einen ist Senator John Kerry der Kriegsheld, der in Vietnam noch unter Beschuss Kameraden aus gefährlichen Gewässern fischt. Für andere ist der demokratische Präsidentschaftskandidat ein übler Aufschneider, der nicht von feindliche Schüssen, sondern durch eigene Unachtsamkeit beim Schießen verletzt wurde. Die Vorgänge 1968/69 in Vietnam rücken derzeit in den Mittelpunkt der US-Wahlkampfs, der ein besonders schmutziger zu werden droht. Daran scheinen beide Lager ihren Anteil zu haben.

Sowohl Kerry als auch Präsident George W. Bush, die sich in den politischen Sachfragen ohnehin nicht gravierend unterscheiden, setzen auf „weiche“ Faktoren: auf Glaubwürdigkeit, Führungsstärke, Erfahrung und Sympathie - der Wahlkampf zielt vor allem auf Emotionen. „Wie glaubwürdig ist Kerry wirklich“, wird scheinheilig in den Werbespots von Bush gefragt. Die Republikaner werden nicht müde, Kerry als unberechenbaren „flip-flopper“ und „Ultra-Liberalen“ darzustellen - was im konservativen Amerika fast so viel wie „Linksradikaler“ bedeutet. „Sie nehmen mich persönlich ins Visier“, klagte Kerry bitter.

Beide Lager setzen auf Negativwerbung. „Die Menschen sagen zwar, sie würden politische Schlammschlachten hassen, aber Untersuchungen zeigen, dass der Dreck kleben bleibt“, beschreibt der demokratische Wahlkampfexperte Steve McMahon in der „New York Times“ die Attraktivität von Negativ-Werbung. „Die Menschen lieben den Kampf, (...) bei Themen wie Staatshaushalt schalten sie ab“, so der Republikaner Roger Stone.

Besonders in den Werbespots der Republikaner geht es darum, Kerry herabzusetzen. Und da er immer wieder mit seiner Kriegszeit in Vietnam punktet - während sich Bush als Pilot der Nationalgarde vom Kriegsdienst fern halten konnte - zielen die Konservativen auf eben diese Zeit. „Kerry hat im Zusammenhang mit seinen Taten in Vietnam gelogen“, behaupten Veteranen in privat finanzierten Fernsehspots. Andere springen Kerry öffentlich bei und bestätigen seine Heldentaten. Geld für Kampagnen ist zuhauf da - während neue Gesetze die Wahlkampfgelder der Parteien strikt regeln, können Wählerinitiativen frei - und mit enormen Summen - agieren.

Medien wie die „Washington Post“ versuchen nun mit umfangreichen Dokumentationen die Wahrheit über Kerrys Vietnam-Vergangenheit herauszubekommen - und stoßen zuweilen auch auf Ungereimtheiten. Beispielsweise gibt es keinen Beleg dafür, dass Kerry, wie er behauptet, illegal in Kambodscha eingesetzt worden war.

Auch Kerrys Wahlkampf sucht nicht den offenen argumentativen Schlagabtausch über den Irak-Krieg, die marode Gesundheits- und Sozialversicherung oder die fragwürdigen Maßnahmen der USA für die innere Sicherheit. In Kerrys Wahlkampf wird immer wieder unterstellt, Bush habe mit Lügen das Land in den Irak-Krieg getrieben - doch dafür gibt es laut der unabhängigen US-Untersuchungsausschüsse keine Hinweise. Und auf vielen Wegen nutzt die Kerry-Kampagne das beliebte „Bush-bashing“, das Einschlagen auf Bush wegen seiner angeblichen intellektuellen Schlichtheit und Abhängigkeit von Konzernen und Milliardären. Dagegen lässt sich genau so schwer argumentieren, wie über Kampfszenen in einem Krieg vor über 30 Jahren.

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