Schnelle Eingreiftruppe: Die Feuerwehr der Nato

Schnelle Eingreiftruppe
Die Feuerwehr der Nato

Die Nato will flexibler werden – und zwar mit der schnellen Eingreiftruppe. Innerhalb weniger Tage sollen die Soldaten die baltischen Staaten im Ernstfall verteidigen – gegen Russland. Doch die Allianz hat ein Problem.
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DüsseldorfSchnelle Eingreiftruppe, häufigere Übungsmanöver und Militärparaden mit Drohpotential: In der Ukraine-Krise lässt die Nato die Muskeln spielen. Das zumindest werfen Kritiker dem Verteidigungsbündnis häufig vor.
Doch nicht erst seit der Ukraine-Krise bringt sich der Westen gegen eine mögliche Bedrohung durch Russland in Stellung. Doch seitdem umso symbolträchtiger.

Kremlchef Wladimir Putin hatte zuletzt in einem Dokumentarfilm, von dem das russische Staatsfernsehen Passagen ausstrahlte, zugegeben, den Befehl zum Einmarsch auf die nun annektierte Krim gegeben zu haben. Bei einem Treffen mit Sicherheitsberatern in der Nacht zum 23. Februar 2014 gab er zu, gesagt zu haben: „Wir müssen beginnen, die Krim zurück zu Russland zu holen.“

Die Antwort darauf der Nato: einen neuer Aktionsplan, der Readiness Action Plan (RAP). Details zur Umsetzung verkünden am Mittwoch Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg und Oberbefehlshaber Philip Breedlove im belgischen Mons. Zeitgleich will der Weltwährungsfonds (IWF) über die Vergabe weiterer Hilfskredite an die Ukraine in Höhe von 17,5 Milliarden Dollar (16,3 Milliarden Euro) entscheiden. Die Gelder waren dem hochverschuldeten Land bereits Mitte Februar in Aussicht gestellt worden.

Solche Pläne wie zum RAP hat die Nato schon länger in der Schublade. Schon 2010, also mehr als drei Jahre vor dem Kriegsbeginn im Donbass, entwickelte die Nato einen Verteidigungsplan für Polen und das Baltikum im Fall eines russischen Angriffs. Bekannt wurde die Operation „Eagle Guardian“ seinerzeit durch die Veröffentlichung amerikanischer Botschaftsdepeschen auf der Enthüllungsplattform WikiLeaks, die sogenannte „Cablegate-Affäre“.

Innerhalb weniger Tage sollen plangemäß neun Nato-Divisionen à 10.000 Mann verfügbar sein, um Polen, Lettland, Estland und Litauen im Ernstfall zu verteidigen. Normalerweise dauert das mehrere Monate. Für Russland schon damals eine Provokation.

Das wusste auch die damalige US-Außenministerin Hillary Clinton, die sich in einer der veröffentlichten Depeschen an die Nato darum für eine Geheimhaltung des Plans aussprach: „Eine öffentliche Diskussion des Notfallplans würde wahrscheinlich zu unnötigen Spannungen zwischen der Nato und Russland führen.“

Kaum zehn Monate später wurde der Plan durch Cablegate dann doch öffentlich. Galt Moskau dem Bündnis damals noch als „Partner für den Frieden“, so ist die Situation heute bestenfalls angespannt.

Mit dem Beginn der Kampfhandlungen in der Ostukraine hat die Nato ihr Engagement in Europa verstärkt – etwa durch Übungsflüge der taktischen Luftstreitkräfte. Die Nato sei seit März 2013 zu fast täglichen Überwachungseinsätzen übergegangen, teilt Nato-Medienoffizier Dylan White dem Handelsblatt (Online-Ausgabe) mit. Mehr als 400 Mal seien seitdem AWACS-Radarflieger vom Nato-Flugplatz Geilenkirchen in Richtung Osten gestartet. „Vor März 2014 haben wir zwar regelmäßig, aber eher vereinzelt Überwachungsflüge über Polen und Bulgarien durchgeführt“, sagte er.

Russische Medien, wie die staatliche kontrollierte Nachrichtenagentur Sputnik, berichten, dass die Zahl der Nato-Aufklärungsflüge von 2013 bis 2014 um das Siebenfache gestiegen ist. Die Zahl der Übungsflüge hätten sich demnach in diesem Zeitraum auf 3000 verdoppelt.

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  • Sie haben beide Recht. Zwei Anmerkungen habe ich aber doch:
    1. Wir werden nicht verkauft. Wir werden verschenkt.
    2. Die Urteilsfähigkeit unserer sog. Politiker ist nicht reduziert. Sie ist nicht vorhanden.
    Und hoffentlich gibt´s im Baltikum auch genügend KiTA-Plätze, denn ohne diese kann die Bundeswehr nicht eingesetzt werden.

  • @Fr. Trauen, Sie haben in allen Grundzügen recht. Leider spinnt die NATO nicht, sondern der der nach dem Kalten Krieg schon beendigt geglaubte US-Wirtschaftsfeldzug gegen die Russen geht weiter, wohl kalkuliert wie der IRAK-Krieg. Auf unsere Kosten versteht sich. Leider haben wir heute keinen Schröder als Kanzler, der es tatsächlich wagt, unsere Interessen zu vertreten, sondern Speichellecker der US-Oligarchen, die uns verkaufen für ein Butterbrot. Und wenn denn tatsächlich die militärischen "Übungs-" (meint Bedroh-) Pläne von NATO und russischer Armee sich unglücklicherweise überkreuzen, wie in dem Artikel angedeutet, dann werden sie es bei uns tun, nicht in der USA. Was wir von der menschenverachtenden US-Politik gelernt haben sollten ist, dass für diese Planer auch das für uns undenkbare denkbar ist. Das haben sie genügend oft bewiesen. Stoppt also die Kriegstreiber in der NATO BEVOR ES ZU SPÄT IST.

  • Die NATO spinnt! Sie lässt sich unter US-Dominanz dafür einspannen, die US-Dollar-Hegemonie zu verteidigen, einer Weltleitwährung, die die besten Zeiten hinter sich hat! Die herausgefordert wird durch die Verteidigungsanstrengungen von Russland und China gegen westliche Finanzkriege (SWIFT, etc.). Die Europäer haben nicht begriffen, dass es nicht ihre Aufgabe ist, für den Dollar und die damit verbundenen Privilegien der Amerikaner zu sterben. Aber wenn man nur von US-Think Tanks "beraten" und gehirngewaschen wird, dann ist die Urteilsfähigkeit dramatisch reduziert!

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