Schockwelle überrollt Frankreich
Chaos-Tage fordern erstes Todesopfer

Die Krawalle in Frankreich haben die nächste Eskalationsstufe erreicht: Ein 60-jähriger Franzose hat den Versuch, sein Haus vor Schaden zu bewahren, mit dem Leben bezahlt. In Frankreich wächst nach der Nachricht vom ersten Todesopfer in Folge der Unruhen die Angst. Das Wort vom „Bürgerkrieg“ macht immer öfter die Runde. Die Polizeigewerkschaftz fordert bereits den Einsatz des Militärs.

HB PARIS. Wie das Innenministerium am Montag mitteilte, erlag ein Mann, der am vergangenen Freitagabend in Stains bei Paris von den Randalierern verprügelt wurde und danach in ein tiefes Koma gefallen war, seinen Verletzungen. Jean-Jacques Le Chenadec hatte zusammen mit einem Nachbarn verhindern wollen, dass vor seinem Haus Müllcontainer in Brand gesteckt werden. Er wurde dabei von einem vermummten Jugendlichen mit der Faust angegriffen und erlitt eine schwere Hirnblutung, wie die Polizei mitteilte. Sein Nachbar wurde am Hals schwer verletzt.

„Zwei Männer wollten von uns wissen, worüber wir redeten“, berichtete der Nachbar. Als sie angaben, über ihre Autos gesprochen zu haben, die sie offensichtlich vor Brandstiftung bewahren wollten, „bekam Jean-Jacques einen Faustschlag und fiel hinten rüber“. Der Angriff dieser „vermummten Feiglinge“ sei vorsätzlich gewesen.

Ungeachtet eines Regierungsaufrufs zur Rückkehr zu Ruhe und Ordnung verschärften sich die Krawalle am Montag in der elften Nacht in Folge. Die Welle erfasste immer mehr Städte im ganzen Land wie Toulouse, Marseille, Rennes, Rouen, Straßburg, Nizza und Le Havre. Insgesamt seien 270 Gemeinden in ganz Frankreich betroffen, teilte die Polizei mit. 36 Sicherheitskräfte wurden verletzt. 1408 Autos gingen in Flammen auf. 395 Menschen wurden festgenommen.

Fotostrecke: Unruhen in Frankreich

Augenzeugen berichteten von bürgerkriegsähnlichen Szenen. Landesweit steckten Randalierer auch Kirchen, Schulen und eine Kindertagesstätte in Brand, wie die Polizei bilanzierte. „Wir erleben eine Art Schockwelle, die sich im Land ausbreitet“, sagte der Generaldirektor der nationalen Polizei, Michel Gaudin. Die Randalierer seien „fast militärisch organisiert“ und richteten ihre Angriffe „eindeutig gegen staatliche Einrichtungen und Institutionen“. In Evry bei Paris entdeckte die Polizei in einem Lagerraum direkt unterhalb eines Polizeibüros etwa 100 Molotow-Cocktails, von denen die Hälfte „bereit zum Einsatz“ waren.

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