Schröder beim EU-Gipfel
Abschied mit Seitenhieb

Es war sein letzter großer Auftritt bei der EU. Doch der Empfang zum Gipfel auf Schloss Hampton Court entpuppte sich für Gerhard Schröder als Enttäuschung. Für den scheidenden Kanzler veranstaltete Gastgeber Tony Blair keinen großen Bahnhof mehr. Schröder revangierte sich mit einer heftigen Attacke gegen Brüssel.

HB HAMPTON COURT. Gerhard Schröder kam mit leichter Verspätung zu seinem letzten EU-Gipfel. Er stieg um 10.33 Uhr vor der malerischen Kulisse von Schloss Hampton Court bei London aus einer Limousine. Zwei Mal winkte er kurz in die Kameras. Es folgte ein knappes Händeschütteln mit dem britischen EU-Botschafter, dann war der scheidende Kanzler in den dunklen Gewölbegängen entschwunden. Premier Tony Blair, der zuvor alle anderen Gipfel-Teilnehmer persönlich empfangen hatte, konnte als Gastgeber die restliche Gipfelrunde nicht länger warten lassen.

So etwas wie Wehmut verspürte der Kanzler bei seinem letzten großen außenpolitischen Auftritt überhaupt nicht - sagte er zumindest. Dabei hatte er sich bei seinem letzten Auftritt vor den EU-Kollegen sicherlich etwas mehr Aufmerksamkeit gewünscht. Doch in Brüssel ist man offenbar bereits auf Angela Merkel eingestimmt. Schließlich war auch den Regierungschefs in Hampton Court bekannt, dass Schröder nur an der langen Leine kam. Merkel hatte ihm zuvor das Versprechen abgenommen, dass er keine Verabredungen mehr trifft, die die künftige große Koalition in ihrer Handlungsfreiheit beeinträchtigen würden. Das betrifft vor allem die Verhandlungen über die EU-Finanzplanungen 2007 bis 2013.

Überraschend gab Schröder den Gipfelteilnehnern dennoch deutliche Worte mit auf den Weg. Mit einer ungewohnt klaren Attacke auf Brüssel warf er der EU-Kommission vor, sie überdehne die europäischen Kompetenzen. Auffallend war, dass Schröder nicht als abgewählter Kanzler, sondern in Hampton Court ausdrücklich auch für die neue Bundesregierung sprach.

Vehement warb der Kanzler in der Runde der Gipfelteilnehmer für seine Vorstellungen von einem sozialen Europa. Die EU müsse mehr sein als nur ein großer Markt. Soviel Engagement für Europa gab es bei Schröder zu Beginn seiner Kanzlerschaft vor sieben Jahren noch nicht. Aus dem Jahr 1998 sind ganz andere Schröder-Sprüche in Erinnerung geblieben. Damals war der Euro für ihn noch eine „kränkelnde Frühgeburt“. Auch beklagte der Kanzler damals: „Die Hälfte der Gelder, die in Europa verbraten werden, zahlen die Deutschen.“

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