Schröder-Besuch in den USA
Die "Ich muss es machen"-Reise

Bundeskanzler Schröder steht vor einer schwierigen Reise in die Vereinigten Staaten. Zu Präsident Bush gibt es allenfalls ein gutes Arbeitsverhältnis, der Sitz im Sicherheitsrat entzweit beide Seiten. Doch der Kanzler hat keine Wahl.

HB WASHINGTON. Die Neokonservativen sind wie immer besonders unverblümt. Die Befürworter des Irak-Krieges in den USA, Australien oder Großbritannien seien alle wiedergewählt worden, die Gegner des Waffengangs in Frankreich und Deutschland stünden nun politisch fast am Abgrund, frohlockt Ex-Präsidentenberater David Frum.

Mit Kanzler Gerhard Schröder komme an diesem Montag ein innenpolitisch angeschlagener Kriegskritiker nach Washington, der „nicht mal eine lahme Ente, sondern eine tote Ente ist“, lästert Deutschland-Experte Stephen Szabo von der Johns Hopkins Universität.

Selbst deutsche Diplomaten meinen, dass es „eine verdammt schwere Reise“ für den Kanzler wird. Denn zum Präsidenten George W. Bush gebe es „im besten Fall ein gutes Arbeitsverhältnis.“ Zudem habe Washington vor kurzem dem großen Wunsch Schröders nach einem Platz im UN-Sicherheitsrat eine deutliche Absage erteilt.

Zwar beschwichtigte sogar Außenministerin Condoleezza Rice telefonisch am Vorabend der brüsken US-Erklärung Berlin, „um deutlich zu machen, dass das alles nicht gegen Deutschland gerichtet ist.“ Aber „natürlich haben das einige fast wie eine Ohrfeige empfunden“, sagte ein Diplomat.

Der Kommentator im rechten TV-Sender „Fox News“ brachte es wohl auf den Nenner, was manche in der US-Regierung denken: „Manchmal fragt man sich, ob Europäer ganz dicht im Kopf sind“, räsoniert Moderator John Gibson - und meinte vor allem die Deutschen. Washington sei gegen einen deutschen Sitz im Weltsicherheitsrat, weil Deutschland nur „rein technisch“ ein „Freund“ sei. „Ausgerechnet unsere Regierung, die von deutschen Politikern vor dem Irak-Krieg „übel herumgetreten“ wurde, soll für eine Mitgliedschaft Berlins „im exklusivsten Klub der Welt sein?“, fragte er empört. „Da müsste man ja Lederhosen rauchen“ um zu vergessen, wie „brutal und bösartig die Deutschen vor dem (Irak-) Krieg waren.“

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