Schröder fliegt in die Wüste
Libyen will Entschädigung für Minen

Libyen erwartet von Deutschland Entschädigungszahlungen für die auf seinem Boden vergrabenen Minen aus dem Zweiten Weltkrieg. Dies hat Revolutionsführer Mummar el Gaddafi am Donnerstagabend bei einem Treffen mit Bundeskanzler Gerhard Schröder in Tripolis gefordert.

HB TRIPOLIS. Gaddafi wies darauf hin, dass durch die Minen, die beim Rückzug des Afrika-Corps unter Generalfeldmarschall Erwin Rommel in der Wüste gelegt wurden, bis heute viele Menschen zu Schaden kommen. Wie aus Regierungskreisen verlautete, wies der Kanzler diese Forderungen zurück. Man dürfe angesichts der angestrebten Normalisierung zwischen beiden Länder jetzt nicht in die Vergangenheit schauen, sagte Schröder.

Der Kanzler lud Gaddafi bei dem dreistündigen Treffen in einem Zelt „zu einem geeigneten Zeitpunkt“ zu einem Besuch nach Deutschland ein. Gaddafi nahm die Einladung an. Bei dem Gespräch ging es auch um internationale Themen. Der libysche Führer lobte ausdrücklich die Rolle Deutschlands und Frankreichs im Irakkonflikt. Wie verlautete, griff er die USA wegen ihres Irak-Kurses und ihrer Rolle im Nahostkonflikt zwischen Palästinensern und Israel scharf an. Der Kanzler wies die pauschalen Vorwürfe gegen Washington zurück und wandte sich auch gegen Versuche, Europa und die arabischen Länder sollten gemeinsam eine Gegenkraft gegen die USA bilden.

Unterdessen hat Bundeskanzler Gerhard Schröder seinen Libyen-Besuch fortgesetzt. Von Tripolis aus flog er am Morgen in die Wüste. Rund 1 000 Kilometer südöstlich der Hauptstadt wollte er eine neue Ölproduktion des deutschen Unternehmens Wintershall in Betrieb nehmen. Die BASF-Tochter ist eine der führenden ausländischen Ölproduzenten in dem nordafrikanischen Land. Die Firma hat bislang 1,2 Mrd. € für die Ölsuche investiert.

Am Nachmittag will Schröder in Tripolis zu einem weiteren Treffen mit Revolutionsführer Muammar el Gaddafi zusammenkommen. Bei einem ersten Treffen am Donnerstagabend hatte Gaddafi von Deutschland Entschädigungszahlungen für Minen verlangt, die im Zweiten Weltkrieg vom Afrika-Corps in der Wüste vergraben worden waren. Zu Begründung erklärte der libysche Führer, durch die Explosion würden auch heute noch immer wieder Menschen verletzt. Schröder lehnte finanzielle Leistungen jedoch strikt ab, sagte aber eine Prüfung zu, wie Libyen bei diesem Problem geholfen werden könne. Er lud Gaddafi auch zu einem Besuch nach Berlin ein. Dieser nahm das Angebot an. Am Freitagnachmittag fliegt der Kanzler zu zweitägigen Gesprächen nach Algerien weiter.

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