Schröder nimmt an Staatsbegräbnis teil, Chirac wohl nicht
Tanz auf dem diplomatischen Drahtseil

Die Trauerfeierlichkeiten für den verstorbenen Ex-Präsidenten der USA, Ronald Reagan, drohen nicht nur den Zeitplan des G8-Gipfels auf Sea Island (US-Bundesstaat Georgia) durcheinander zu bringen. Sie werfen auch ein Schlaglicht auf die trotz aller Beteuerungen und Gesten nach wie vor heiklen Beziehungen zwischen den USA und ihren kritischen Verbündeten - insbesondere Deutschland und Frankreich.

HB SAVANNAH/SEA ISLAND. Am Freitag, einen Tag nach Abschluss des Gipfels bietet sich den Staats- und Regierungschefs der führenden sechs Industriestaaten neben den USA und Russland die Chance, beim Festakt zum ersten Staatsbegräbnis in den USA seit über 30 Jahren - damals starb Ex-Präsident Lyndan B. Johnson - teilzunehmen. Dafür aber müssten die politischen Spitzen einen Tag länger in den USA bleiben.

Bundeskanzler Schröder entschloss sich am Montagabend, in den USA zu bleiben und nach Washington zu reisen. Deutsche Diplomaten durften sich freuen, wird doch diese Geste in den USA nicht unbeachtet bleiben - und für die deutsch-amerikanischen Beziehungen gibt es ihrer Einschätzung nach Handlungsbedarf. Jüngste Umfragen zeigen, dass nicht nur das Ansehen der USA in Deutschland seit dem Irakkrieg enorm gelitten hat, sondern dass auch die US-Bürger skeptisch gegenüber dem Verbündeten geworden sind. Die Zahl der Amerikaner, die in den Deutschen enge Freunde sehen, sank seit 2002 von 83 auf inzwischen 50 %. Schröders Verbleiben in den USA zu Ehren Reagans wird, so hoffen Diplomaten, einen Imagegewinn für Deutschland bringen.

Was aber wird nun Frankreichs Präsident Jaques Chirac tun? Diese Frage stellen sich Delegationen und Journalisten in Savannah. Frankreichs Ansehen in den USA ist besonders ramponiert. Reist Chirac ab, so wird spekuliert, würde das von der ohnehin nicht sehr Frankreich-freundlichen Öffentlichkeit in den USA sensibel registriert. Am Montagabend sah nun alles danach aus: Eine Teilnahme Chiracs an den Trauerfeierlichkeiten sei „eher unwahrscheinlich“, so ein Elysée-Sprecher. In Savannah schossen am Montag unter den 2500 Journalisten und den Delegationen die Gerüchte ins Kraut. Was werden die anderen Staats- und Regierungschef tun?

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