Schröder sieht keine formale Anerkennung Zyperns
Bittere Pille Zypern verdirbt Türken gründlich die Freude

Wer angenommen hatte, die Türken würden nach der EU-Einladung zu Beitrittsverhandlungen Freudentänze aufführen, sah sich gründlich getäuscht. Der Preis dafür sei zu hoch, wurde Kritik an allen Ecken und Enden am Zugeständnis von Ministerpräsident Erdogan laut.

HB BRÜSSEL/ISTANBUL. Außenminister Abdullah Gül lief mit hochrotem Kopf an den Journalisten im Hotel Conrad vorbei, in dem sich die türkische Verhandlungsdelegation für die zwei Tage des Brüsseler Gipfels einquartiert hatte. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan, der mit einem „Sesam-Öffne-Dich“ die Tore der EU für die Türkei aufsperren und damit seine politische Karriere krönen will, entrang sich ein: „Möge es für unser Land gut ausgehen.“

Mehr als 40 Jahre hatte die Türkei diesem Tag entgegengefiebert: Endlich ein festes Datum für Verhandlungen mit dem ausdrücklichen Ziel einer Vollmitgliedschaft. Und dann das! Die bittere Pille, die die 25 EU-Staats- und Regierungschef mit ihrem Beharren auf einer Anerkennung der „griechischen“ Republik Zypern Ankara verabreichten, verdarb den Türken gründlich die Freude. Das mit dieser Klausel versehene „historische Angebot“ der EU sei in Wirklichkeit eine „historische Abfuhr“, erregte sich ein türkischer Journalist im Brüsseler Konferenzzentrum.

Doch ein Erdogan wirft die Flinte so schnell nichts ins Korn. „Sie werden es nicht riskieren, für 500 000 griechische Zyprer die Türkei und 70 Millionen Menschen abzuweisen“, ermunterte Erdogan seine enttäuschten Truppen, bevor er am grauen, regnerischen Morgen des zweiten Gipfeltages in Brüssel auf Biegen und Brechen weiterverhandelte. Die türkische Opposition forderte Erdogan ohne Umschweife auf, die Gespräche in Brüssel zu beenden und das Verhandlungsangebot der EU zurückzuweisen. Die Bedingungen seien hart und unfair, meldete sich der Vorsitzende der Republikanischen Volkspartei (CHP), Deniz Baykal, in Ankara zu Wort: „Wenn wir Zypern anerkennen, werden wir alles verlieren.“

Die Empörung der Türken über die aus EU-Sicht glasklare Selbstverständlichkeit, dass die Türkei alle am Verhandlungstisch vertretenen EU-Mitglieder, also auch die Republik Zypern, anerkennen müsse, machte sich am Freitag auch in der türkischen Presse Luft: „Die griechischen Zyprer haben Nein zur Wiedervereinigung gesagt. Dennoch bestehen die EU-Führer darauf, dass wir sie mit der Anerkennung bis zum 3. Oktober belohnen“, schrieb die Zeitung „Aksam“. Die von der Türkei gezogene „rote Linie“ sei Klar übertreten worden. „Kalte Dusche für Ankara.“

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