Schröder sieht nach dem Irak-Streit Vorteile für die eigene Wirtschaft
Riad umgarnt deutsche Firmen

Die Konfrontation mit den USA in der Irak-Debatte hat deutschen Unternehmen das Amerika-Geschäft erschwert, doch dafür soll es nun im Nahen und Mittleren Osten besser laufen. „Die klare Position der Bundesregierung in internationalen Fragen ist, ohne jetzt auf Einzelheiten einzugehen, schon hilfreich für die Gespräche“, sagte Bundeskanzler Gerhard Schröder bei seinem Besuch in Saudi-Arabien am Montag.

law/HB DÜSSELDORF. Riad wolle deutsche Unternehmen bei Handel und wirtschaftlicher Zusammenarbeit bevorzugen. „Mich hat gefreut, dass der Kronprinz (Abdullah) von einer wichtigen und auch bevorzugten Zusammenarbeit gesprochen hat“, sagte Schröder.

Der erste Erfolg zeigte sich am Rande der Reise. Die Deutsche Bank darf nach Angaben der saudiarabischen Regierung eine Niederlassung in dem arabischen Land eröffnen. Ein entsprechender Antrag sei positiv beschieden worden, sagte der saudiarabische Finanzminister Ibrahim Abdel Asis el Assaf am Montag vor einem Treffen von deutschen und saudischen Geschäftsleuten mit Schröder.

Offiziell gebe es zwar keinen direkten Zusammenhang mit der Vergabe von Regierungsaufträgen an deutsche Unternehmen, „aber es gibt keinen Zweifel, dass es sicherlich hilft, wenn die Öffentlichkeit findet, dass es bestimmte Regierungen gibt, die sinnvolle Dinge getan haben“, sagte der Chef der saudi-arabischen Investitionsbehörde, Abdullah bin Faisal. „Wenn etwas sehr gut, sehr solide ist, dann sagen wir, es ist deutsch. Das sollte ein gutes Marketinginstrument sein.“ Selbst den Aufruf Schröders, verstärkt in Ostdeutschland zu investieren, nannte der Behördenchef „interessant“. Auch bei sinkenden Wachstumsraten sei Saudi-Arabien der größte Markt in Nahost, und es spiele zunehmend Qualität eine Rolle.

Der Anteil der Region am gesamten Deutschen Außenhandel ist zwar relativ gering, doch wächst der Export überdurchschnittlich stark. Für den Nahen und Mittleren Osten erwartet der Deutsche Industrie- und Handelskammertag in seiner am Montag veröffentlichten Prognose ein Plus von 6,8 Prozent für das laufende Jahr, weltweit sind es nur 2 Prozent. Im kommenden Jahr sollen es in Nahost sogar 10,7 (weltweit: 4,8) Prozent mehr werden. Dagegen sinken laut Prognose die Exporte nach Nordamerika (USA, Kanada und Mexiko) in diesem Jahr um 5 Prozent; erst im kommenden Jahr sollen sie nach zwei Minusjahren wieder um 7,7 Prozent klettern. Diese Berg- und Talfahrt ist zwar in erster Linie eine Folge der Währungsschwankungen, doch nennt Holger Börner, Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels, in diesem Zusammenhang auch Verstimmungen über die Irak-Politik. „In diesem Jahr kommen wir in den USA auf keinen grünen Zweig mehr“, sagte Börner am Montag. Auch nach Meinung von Siemens-Chef Heinrich von Pierer, der Schröder begleitet, haben deutsche Unternehmen nun große Chancen in Saudi-Arabien.

Bislang waren die USA der wichtigste Handelspartner des Landes. Im vergangenen Jahr bezog Saudi-Arabien aus Deutschland Waren im Wert von 3,4 Mrd. Euro, ein Plus von 14 %. Damit lag das Land auf der Rangliste der wichtigsten Abnehmer aber nur auf Platz 34. Die deutschen Einfuhren aus Saudi-Arabien 2002 gar um 12 % auf 0,8 Mrd. Euro, drei Viertel davon waren Erdöl und Erdgas. Schröder wird bei seiner Nahost-Reise von einer hochkarätigen Wirtschaftsdelegation begleitet, neben von Pierer sind unter anderem TUI-Vorstandschef Michael Frenzel, der Co-Chef des Airbus-Herstellers EADS, Rainer Hertrich, der Deutschlandchef des Technologiekonzerns ABB, Bernhard Jucker, sowie Rheinmetall-Vorstandschef Klaus Eberhardt dabei. Schröder kündigte bereits jetzt an, dass Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement im kommenden Jahr mit einer großen Wirtschaftsdelegation nach Saudi-Arabien reisen werde.

Quelle: Handelsblatt

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