Schüsse auf Polizisten
Obama kritisiert jüngste Angriffe in Ferguson

Lange wurde die Polizei in Ferguson kritisiert, zu hart gegen Demonstranten durchzugreifen. Statt Entspannung gibt es neue Dramatik: Unbekannte schießen scharf auf Beamte. Obama kritisiert die Gewalt über Twitter.
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FergusonNach den Schüssen auf zwei Polizisten herrscht in der US-Stadt Ferguson (Missouri) Hochspannung. Auch am Donnerstagabend (Ortszeit) werden wieder Demonstrationen erwartet. Wie der TV-Sender CNN berichtet, ist der in die Kritik geratene örtlichen Polizei aber das Zepter aus der Hand genommen worden. Stattdessen übernehme jetzt die übergeordnete Behörde aus St. Louis County sowie die Missouri Highway Patrol die Verantwortung.

Die beiden angeschossenen Polizeibeamten konnten unterdessen das Krankenhaus verlassen. Sie waren bei den Unruhen in der Nacht zum Donnerstag von Unbekannten aus einem Hinterhalt angeschossen worden. Die Suche nach Tätern und möglichen Hintermännern geht weiter.

Die beiden 32 und 41 Jahre alten Polizisten waren im Kopf und in der Schulter getroffen worden. Nach bisherigen Erkenntnissen kamen die Schüsse nicht aus der Menge der etwa 150 Demonstranten, sondern aus größerer Entfernung. Spezialeinheiten der Polizei untersuchten nahe gelegene Häuser, aus denen der oder die Täter die Schüsse abgefeuert haben könnten.

Justizminister Eric Holder äußerte sich ungewöhnlich scharf: Er nannte den Täter einen „verdammten Dreckskerl“. Normalerweise äußern sich hohe Politiker nicht in einer solchen Sprache. Ziel des Schützen sei es gewesen, die Menschen in der Stadt zu spalten und gegeneinander aufzubringen.

Auch Präsident Barack Obama schaltete sich ein. Er twitterte: „Gewalt gegen unsere Polizei ist nicht hinnehmbar.“

Auch die Familie des im Sommer von einem Polizisten in Ferguson erschossenen schwarzen Jugendlichen Michael Brown meldete sich zu Wort. „Wir lehnen jede Art von Gewalt gegen Strafverfolger ab“, teilte der Anwalt der Familie mit. Einzelne Unruhestifter versuchten, die gewaltfreie Protestbewegung zu Fall zu bringen.

Die Unruhen waren nur Stunden nach der Rücktrittsankündigung des Polizeichefs von Ferguson, Thomas Jackson, ausgebrochen. Er nahm nach massiver Kritik den Hut. Das Justizministerium wirft seiner Polizeitruppe vor, Afroamerikaner jahrelang aus rassistischen Gründen diskriminiert zu haben.

Polizeichef Jackson war nach den Todesschüssen eines Polizisten auf Brown schwer in die Kritik geraten. Die Tat löste landesweite Empörung und in Ferguson Unruhen aus. Weil seine Polizisten teilweise mit massiver Gewalt gegen Demonstranten vorgingen, geriet Jackson zusätzlich in die Kritik. Für weiteren Unmut sorgte, dass Browns Todesschütze Darren Wilson nicht angeklagt wurde.

Das Justizministerium befand, Polizisten gingen häufig mit unverhältnismäßiger Gewalt gegen Schwarze vor, hielten diese ohne ersichtlichen Grund an und verfolgten sie wegen Bagatelldelikten. Außerdem würden Schwarze übermäßig häufig mit Geldstrafen belegt - mit dem Ziel, die Kassen der Stadt aufzufüllen.

Seit den Unruhen im vergangenen Sommer haben in Ferguson bereits mehrere Verantwortliche in der Stadt ihre Ämter abgegeben, darunter zuletzt der Verwaltungschef. Demonstranten forderten zudem, dass auch Bürgermeister James Knowles seinen Hut nimmt. Kritiker fordern zudem, dass die gesamte Polizei des Vorortes von St. Louis aufgelöst wird.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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