Schüsse auf UN-Inspektoren
Deutschland will in Syrien nicht länger zuschauen

Ungewöhnlich deutlich hat sich Berlin gegen das Assad-Regime in Stellung gebracht. Der Giftgasangriff dürfe nicht folgenlos bleiben, sagt Merkel. Droht Deutschland nun, in eine Militäraktion verwickelt zu werden?
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BerlinDer vermutete Giftgasangriff des syrischen Regimes auf Vororte der Hauptstadt Damaskus muss Bundeskanzlerin Angela Merkel zufolge geahndet werden. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte am Montag in Berlin: „Es handelt sich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit um einen Giftgasangriff. Er darf nicht folgenlos bleiben.“ Zu einem möglichen militärischen Eingreifen des Westens und einer deutschen Beteiligung daran äußerte er sich nicht näher.

Inzwischen haben die Chemiewaffen-Inspekteure die Ortschaft Moadhamijat al-Scham im Umland von Damaskus besucht. Dort sollen am vergangenen Mittwoch Menschen bei einem Giftgas-Angriff ums Leben gekommen sein. Revolutionsaktivisten veröffentlichten Videoaufnahmen, die das Team in einer Behelfsklinik zeigen. Die Experten der Vereinten Nationen waren während ihrer Fahrt von Damaskus in das Gebiet beschossen worden. Ein Sprecher der Vereinten Nationen betonte, es sei aber niemand verletzt worden.

Die Entwicklung in Syrien drückte die Stimmung am Aktienmarkt. Nach einem freundlichen Auftakt drehte der deutsche Leitindex rasch ins Minus und stand gegen Mittag 0,24 Prozent tiefer bei 8396 Punkten.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) sieht die internationale Gemeinschaft in der Pflicht zu handeln, falls der mutmaßliche Einsatz von Giftgas in Syrien bewiesen wird. Wenn die Verwendung „von chemischen Massenvernichtungswaffen“ bestätigt werde, „muss die Weltgemeinschaft handeln“, sagte Westerwelle auf der Botschafterkonferenz im Auswärtigen Amt in Berlin. „Dann wird Deutschland zu denjenigen gehören, die Konsequenzen für richtig halten“, kündigte der FDP-Politiker an. „Hierzu stehen wir in enger Abstimmung mit den Vereinten Nationen und unseren Verbündeten.“ Konkreter wurde auch Westerwelle nicht.

Seibert sagte: „Wir wollen alles, was wir können, dazu beitragen, damit es eine politische Lösung gibt.“ Er erklärte zugleich: „An diesem Ort ist ein entsetzliches Verbrechen an Männern, Frauen und Kindern verübt worden.“ Die Chemiewaffenkonvention verlange, dass es darauf eine sehr deutliche Antwort gebe. Die Uno-Inspekteure sollten allerletzte Gewissheit schaffen. Merkel telefonierte laut Seibert am Sonntag mit dem französischen Staatspräsidenten François Hollande und dem britischen Regierungschef David Cameron über eine klare internationale und möglichst geschlossene Reaktion.

Uno-Experten schauen sich nun den Ort an, wo am Mittwoch mutmaßlich Nervengas eingesetzt wurde. Dabei kamen nach Angaben der Organisation Ärzte ohne Grenzen Hunderte Menschen, darunter viele Kinder, ums Leben. Regierung und Rebellen beschuldigen sich gegenseitig. Seibert sagte, für eine Unschuld der Regierung Assads gebe es keine Anhaltspunkte. Nachrichtendiensten zufolge sei zu einem derart großflächigen Einsatz von Chemiewaffen nur sein Regime in der Lage. „Aber wir werden alle Indizien prüfen und hoffen, dass tatsächlich die Mission der UN-Inspektoren uns in der Beurteilung des Sachverhalts ein wenig weiterbringt.“

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Kommentare zu " Schüsse auf UN-Inspektoren: Deutschland will in Syrien nicht länger zuschauen"

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  • @brandstifter-sind-unterwegs
    Genau das behaupte ich schon seit fast 2 Jahren und wie ich sehe bin ich mit der Meinung nicht alleine.

  • O-Ton Systemverbrecher Seibert
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    Seibert sagte, für eine Unschuld der Regierung Assads gebe es keine Anhaltspunkte.
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    Achso.

    Wir haben jetzt die Schuldvermutung, nicht mehr die Unschuldsvermutung.

    Das ist anscheinend die Vorstellung des Systemverbrechers Seibert von einem Rechtsstaat.

    +++

    O-Ton Systemverbrecher Seibert
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    Nachrichtendiensten zufolge sei zu einem derart großflächigen Einsatz von Chemiewaffen nur sein Regime in der Lage.
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    Selten so gelacht.

    Dieselben Geheimdienste haben den Terroristen das Giftgas über Saudiarabien doch zur Verfügung gestellt und die Sache eingefädelt.

    Jeder Geheimdienst kann ein paar Mörsergranaten mit Gifgas befüllen und nach Saudiarabien oder in den Irak verfrachten, um sie dort an die Terroristen zu übergeben.

    Das hat eben etwas gedauert.

    Aber seit den militärischen Erfolgen der syrischen Armee gegen die Terrorristen MUSSTEN die Imperialisten einen Vorfall inszenieren um eine Vorwand für einen Angriffskrieg zu haben.

    ...

    Kein Krieg mit Deutschland!

    Sytemverbrecher abwählen!

    NPD!

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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