Schulden gegen Krise
IWF gibt Obama Freifahrtschein

Der Internationale Währungsfonds gibt einen schwachen Ausblick für die US-Wirtschaft und warnt vor allzu drastischem Sparen. US-Präsident Obama solle lieber mehr Schulden machen, lautet die Empfehlung.
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WashingtonEs sind Zahlen, die jede Vorstellungskraft sprengen. 15.800 Milliarden Dollar hoch ist der Schuldenberg, der sich über den USA auftürmt. Das sind 50.000 Dollar pro Bürger, vom Säugling bis zum Greis, oder 140.000 Dollar pro Steuerzahler. Die Schulden sind schon höher als die gesamte jährliche Wirtschaftsleistung, und es wird nicht besser: 3,5 Milliarden Dollar geben die Amerikaner mehr aus, als sie einnehmen. Jeden Tag.

Die USA, angeführt von Präsident Barack Obama und begleitet von einer Phalanx namhafter Ökonomen, werden dieser Tage nicht müde, die Europäer zu weitgehenden Schritten gegen deren Schuldenkrise zu ermahnen. Mehr Geld gegen die Krise, also mehr Schulden gegen die Schuldenkrise, lautet das Mantra. Dabei sitzen die Amerikaner auf einer mindestens ebenso gefährlichen Zeitbombe.

Bill Gross, Mitgründer des weltgrößten Anleihehändlers Pimco, warnte vor ein paar Tagen in einem Horrorszenario davor, dass die Staatschulden innerhalb der kommenden fünf Jahre auf das Achtfache der jährlichen Wirtschaftsleistung steigen könnten. „Und wir blicken auf die Griechen herab?“, fragte Gross.

Die Amerikaner stehen vor demselben Problem wie die Europäer: Einerseits muss der gigantische Schuldenberg abgetragen und eisern gespart werden. Anderseits gilt es, das Wachstum nicht abzuwürgen und die Wirtschaftskrisen des Westens nicht noch zu verschlimmern. Was also tun?

Ratschläge bekam Obama am Dienstag vom Internationalen Währungsfonds (IWF). Deren Chefin Christine Lagarde forderte, es zumindest kurzfristig mit dem Sparen nicht zu übertreiben. Die USA sollten eine „zu starke Haushaltskonsolidierung vermeiden“ und jederzeit bereit sein, die Schuldenobergrenze abermals zu erhöhen, sagte Lagarde nur 500 Meter vom Weißen Haus entfernt in der IWF-Zentrale. „Eine kurzfristige Unterstützung der wirtschaftlichen Erholung ist entscheidend“.  Zur „Mitte des Jahrzehnts“ aber, so die Französin, sollte die zerstrittene Politik einen klaren Weg gefunden haben, die Verschuldungsquote zu stabilisieren – durch höhere Staatseinnahmen und geringere Ausgaben.

In seinem jährlichen Bericht zur wirtschaftlichen Lage der USA hatte der IWF zuvor vor den Folgen des so genannten „Fiscal Cliffs“ zum Ende dieses Jahres gewarnt. Dann treten laut Gesetz automatische Budgetkürzungen in Kraft, gleichzeitig laufen die von der Bush-Regierung beschlossenen Steuererleichterungen aus. „Es ist sehr wichtig, die Unsicherheiten zu beseitigen“, schrieben die IWF-Autoren. 

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Hohe Risiken für das US-Wachstum

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  • Da haben sie ihr Glaubensbekenntnis abgeliefert, schön und teilweise auch verständlich.
    Ändert aber nichts am Leistungsbilanzdefizit, der indiskutablen Haushaltslage, der verkommenen Infrastruktur, der Deindustrialisierung und der gewaltigen Kluft zwischen Arm und Reich. Wie "innovativ", "demokratisch" und "marktwirtschatlich" die USA sind hat exemplarisch der Tanker-Deal oder auch der "Dreamliner" bewiesen. Ein veraltetes Produkt "Made in America" wurde gegen den Willen der Air Force gewählt, das günstigere Flugzeug dem leistungsfähigeren vorgezogen. Ubrigens: der Preis ist seit Abschluß um eine Milliarde gestiegen (und damit der propagierte Preisvorteil weg) und immer noch nichts lieferbar.

  • @kognitiver

    Obama, bist Du es?

  • Dieser dümmlich, naive Artikel ist gerade das Richtige für das hier kommentierende simpel gestrickte Bildungsprekariat. Die Situation in den USA sind eben völlig anders als in Europa, die USA sind ein im Geiste einiges Land, wettbewerbs/leistungsfähiger und innovativer als jedes Europäische, politisch, technologisch, kulturell und fast in jeder anderen Hinsicht führend, dort gilt das Leistungsprinzip, dort wird der Evolution nicht in den Arm gefallen, mit einer gesunden Demographie, gerade auch, weil es junge hungrige Leistungsträger immer noch in die USA zieht, anders als in Europa, wo nicht überlebensfähige Strukturen gepampert, der Nachbar zu übervorteilen versucht wird, einer überbordenden Bürokratie, einer alternden Bevölkerung. Deswegen wird die Welt auch in Zukunft den USA bereitwillig ihr Geld zur Verfügung stellen, weshalb die USA sich das leisten können, Europa nicht.

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