Schulden

Slowenien auf dem Weg zum Problemfall

Früher ein Musterland, ist Slowenien mittlerweile dabei, das neue Griechenland zu werden. Das könnte es zumindest, wenn die Regierung ihre Ausgaben nicht bald begrenzt. Das Volk sperrt sich jedoch gegen Sparmaßnahmen.
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Noch vor ein paar Jahren konnte der damalige slowenische Finanzminister Andrej Bajuk ordentlich Geld ausgeben. Quelle: Reuters

Noch vor ein paar Jahren konnte der damalige slowenische Finanzminister Andrej Bajuk ordentlich Geld ausgeben.

(Foto: Reuters)

WienDie Warnung hätte deutlicher nicht sein können. Im kleinen Slowenien sind die Staatsschulden seit der Finanzkrise massiv gestiegen. "Wenn das so weitergeht, findet sich unser Land bald in der Position von Griechenland, Portugal oder Irland wieder", warnte Marko Kranjec, der Chef der slowenischen Nationalbank. Es ist ein dramatischer Appell an die eigene Regierung in Ljubljana.

Während in den anderen Euro-Ländern die Haushaltskonsolidierung eingeläutet wird, leistet sich die Regierung unter dem sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Borut Pahor im laufenden Jahr sogar ein höheres Minus. Nach der jüngsten Schätzung der EU-Kommission wird sich das öffentliche Haushaltsdefizit bis zum Jahresende bei 5,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) eingependelt haben. 2010 lag die Quote noch bei 5,6 Prozent. Die gesamten Staatsschulden werden Ende Dezember 42,8 Prozent des BIP ausmachen, nach 38 Prozent im Vorjahr.

Dabei gilt Slowenien unter Finanzexperten bisher als solides Land. Die Ratingagentur Standard & Poor's gibt dem Staat immerhin ein AA, die dritthöchste Bewertungsstufe. Kein anderes Land aus Osteuropa ist ähnlich gut bewertet. Doch seit der Finanzkrise hat sich beim ersten osteuropäischen Mitgliedsland der Euro-Zone vieles zum Negativen verschoben. Die Regierung verhält sich so, als könnte sie unverändert aus dem Vollen schöpfen.

Erst vor wenigen Wochen hat sie knapp 250 Millionen Euro als Kapitalerhöhung in die NLB gepumpt, die größte Bank des Landes. Bald sollen auch die defizitären Staatsbahnen Sloweniens rund 140 Millionen Euro aus der Schatulle des Finanzministers bekommen. Aus deutscher Sicht mögen das kleine Beträge sein, für Slowenien sind es enorme Summen: Das Land hat gerade einmal zwei Millionen Einwohner und ist damit etwa so groß wie Thüringen.

Die Mitte-links-Regierung um Pahor erwägt jetzt ein Sondergesetz, um die öffentlichen Ausgaben zu begrenzen. Der Druck auf den Premier wächst, denn die EU fürchtet, dass sich Slowenien nach dem Nein der Bevölkerung zur Rentenreform zum nächsten Problemfall in der europäischen Schuldenkrise entwickelt.

Zurzeit liegt das Renteneintrittsalter für Frauen bei 57 und für Männer bei 58 Jahren. Bei der Volksabstimmung am Sonntag, die eine schrittweise Anhebung auf 65 Jahre bringen sollte, stimmte jedoch eine überwältigende Mehrheit der Wähler gegen die Reform.

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32 Kommentare zu "Schulden: Slowenien auf dem Weg zum Problemfall"

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  • "wo bleibt das nächste Ablenkungsfeuerwerk?"

    Diese Vollpfosten werden jetzt Syrien bombardieren. Dann haben sie von Libyen bis Pakistan eine durchgehende Front gegen die Muselmanen. Und wir sind live dabei.

    Alleine mit dem Geld, was die Deutschen in Afghanistan schon versenkt haben, hätte man Griechenland locker entschulden können.

    Aber der deutsche Nazi führt lieber Krieg gegen ein wehrloses Volk.

  • @NEIN
    Umverteilung unseres Geldes?
    1. Das Geld gibt es nicht und 2. wenn es das Geld nicht gibt, dann muss man auch nicht darüber reden von wem es ist ;-)
    Dank den Slovenen und Griechen, die sich von der EU und EZB ausnehmen lassen, ist es dir noch möglich arbeiten zu gehen. Ja, diese Länder lassen sich momentan massiv ausbeuten, damit Merkel und Sarkozy ihren Schäfchen ein paar Jahre länger das Ende der Krise vorgaukeln können. Es ist doch kein großes Kunststück ein Land bankrott gehen zu lassen, man muss nur dafür sorgen, dass es keine Kredite mehr gibt. Das wäre auch mit Deutschland über Nacht machbar. Ich denke aber, dass es vorher noch ein paar anderen Länder treffen wird. Dafür wird sich unsere Frau Merkel (auch bekannt als IM Erika) einsetzen, die eine sehr gute Ausbildung im Bereich der Agitation und Propaganda in der FDJ genießen durfte.

    Achja, EHEC ist nun durch....wo bleibt das nächste Ablenkungsfeuerwerk?

  • Das Handelsblatt sollte Beiträge, die vor Fehlern strotzen (z.B. die beiden vorherigen) kommentarlos löschen. Die Unterschicht hat hier nichts zu suchen.

  • Nein, ich wills nicht und währe deshalb beim nächsten Mal "Rechtspopulistisch". Vielleicht gibts bald in Analogie zu den "Wahren Finnen" die "Wahren Deutschen".

    Dabei bin ich eigentlich gar nicht rechts im engeren Sinne, sondern war früher sogar mal in der FDP. Aber diese Umverteilung unsres Geldes geht einfach zu weit. Ich stehe micht morgens um 6h auf und arbeite 10 Stunden, um damit irgendwelche Griechen oder Slovenen durchzufüttern. Basta

  • es ist schon lustig, wie sich vor allem die südeuropäer bereits im besten alter zur ruhe setzen, wo doch ihre erfahrung und arbeitskraft gebraucht würden. die kassen sind leer, steuern fliessen nur schleppend, die staatsschulden steigen ins uferlose, und die bürger wollen ihre gürtel nicht enger schnallen. wenn jemand privat mehr geld ausgibt als er einnimmt, sitzt er schon bald im schuldenturm. die staatsregierungeng aber schöpfen wie die letzten trottel immer aus den vollen, obwohl sie längst leer sind. die dummen sind dann einmal mehr jene, die haushälterisch mit ihren mitteln umgehen und länger arbeiten..... sollen wir für jene faulen schmarotzer zahlen? wollen wir das?

  • Mir gehen die Nazis hier auch gewaltig auf die Nerven. Ständig dieser Versuch, Deutschland gegen den Rest Europas mobil zu machen. Zum Glück ist die Wehrpflicht abgeschafft und die paar Heinis unterstehen dem NATO-Oberkommando. So ist wenigstens garantiert, dass die Nazis nur im Internet ihren Schwachsinn verbreiten können. Zu Taten sind sie nicht fähig.

  • Die Slovenen machens richtig: Kräftig verschulden und und wenig arbeiten. Der "Dumme Deutsche" wirds mit Sicherheit bezahlen. Ist doch klasse: Wir gehen bals mit 67 in Rente, damit man sich auf dem Balkan mit 58 faul in die Sonne legen kann.

    Schluss mit der sozialistischen Umverteilungs-EU!

    Zurück zur einzigen wahren Gemeinschaftswährung: Gold.

  • Wie kann man nur so Dumm sein das Volk über eine Rentenreform dieser Art abstimmen zu lassen?
    Natürlich sagt da jeder Nein.... Wenn überhaupt hätte man abstimmen lassen über: Entweder Rentenreform oder Steuern für alle Rauf um X%. Alles Andere ist verdammt dämlich!

  • Ich war nie ein Anhänger von Schmidt, weil er in einer markanten Weise genau so fehlerhafte Einschätzungen - vor allem zur Ostpolitik und in Wirtschaftsfragen - verbreite hat. Schmidt hat, wie Schröder auch, auf sein Erscheinungsbild, seinen Habitus, gesetzt und damit versucht, Frauen zu beeindrucken, Sie, Margret, offensichtlich auch. Ich kann mich nicht wirklich an nachhaltige politische Erfolge Schmidts erinnern.

  • Wir haben eine Bundeskanzlerin, die entweder über unzureichende, einseitge oder/und falsche Geschichtskenntnisse verfügt. Wer die Geschichte nicht kennt, kann mit der Gegenwart nicht anfangen und hat es schwer die besseren, richtigeren Entscheidungen für die Zukunft zu fällen. "Nichts wissen macht nichts" (Proletentum) ist der falsche Ansatz! Mit denen ist mit ein bißchen Geld oder Gewalt alles möglich!

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