Schulden und Fußball nähren Frust
Die Demütigung der stolzen Spanier

Die Schuldenkrise in Spanien greift auf den sportlichen Stolz des Landes über. Wie seine Fußballclubs ist auch das Land nicht mehr das Vorzeige-Objekt Europas. Bei beiden Aspekten spielt Deutschland eine besondere Rolle.
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MadridFußball ist Fußball und Schuldenkrise ist Schuldenkrise. Sollte man meinen. Doch für die Spanier verdichtet sich derzeit alles zu einer einzigen großen Pechsträhne, zu einer enormen Frustration. „Europa richtet Real Madrid“, titelt heute die Zeitung „El Periodico“, darunter ein Foto des Real-Madrid-Stürmers Cristiano Ronaldo, wie er sein Gesicht verzweifelt mit den Händen bedeckt.

In der Tat droht die Welt, wie die Spanier sie bisher erlebten, derzeit an allen Ecken und Enden einzubrechen. Sie waren das Erfolgsmodell der EU, sie wurden respektiert und bewundert für ihren Wirtschaftsaufschwung, ihre Unternehmen wie Telefonica (O2), Inditex (Zara), Banco Santaner oder Repsol zogen in die Welt und feierten dort Erfolge. Und der Sport war die Krönung des ganzen. Die spanische Nationalelf galt spätestens seit dem WM-Sieg 2010 als unschlagbar, ganz Europa schwärmte von den Spitzenclubs Real Madrid und Barca und deren Stars.

Von alledem, so scheint es heute vielen Spaniern, ist nur noch wenig übrig. Spanien steht am Pranger in der EU. Das Wort „Risikoprämie“, also die Zinsaufschläge der spanischen, zehnjährigen Referenzanleihen gegenüber dem entsprechenden deutschen Papier, geistert durch die Nachrichten und die privaten Gespräche der Spanier, die meisten wissen nur so halb, wie diese Kennzahl eigentlich zustande kommt, aber so viel wissen alle: Ihr Anstieg ist bedrohlich und könnte zum Schlimmsten führen. Zur Intervention durch Europa.

Zum Ende jeder Woche mit ihren schlechten Nachrichten von der Börse und von der Risikoprämie kommen dann die Hiobsbotschaften der Regierung, pünktlich am Freitagmittag, nach der morgendlichen Kabinettssitzung der konservativen Regierung: Neue Einsparungen, Steuererhöhungen, Reformen, die den Arbeitsplatz weniger sicher machen oder das Gesundheitssystem weniger allumfassend – die Zumutungen nehmen kein Ende, und die Spanier werden noch nicht mal dafür gelobt. Die Schuldenkrise, das Damoklesschwert des EU-Rettungsschirms will einfach nicht verschwinden.

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Fehltreten des Königs, Blamage in der Königsklasse

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  • Was ist das für ein Kommentarstil. Warum bezeichnen Sie die
    argentinische Präsidentin als durchgeknallt?
    Ist das nicht eher das spanische Parasitenkönigshaus mit Luxusyachten und Fischereiflotten in marokkanischen Häfen.
    Erst denken, dann pauschal verurteilen...

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