Schuldenberg
US-Regierung verwirft Plan für Billion-Dollar-Münze

Washington will sich ohne einen verlockenden Münzzauber aus der Schuldenkrise manövrieren. Die Idee für die Prägung einer Billion-Dollar-Platinmünze werde nicht umgesetzt. Damit droht ein weiterer Haushalts-Showdown.
  • 3

WashingtonEs wäre so schön gewesen: Die US-Regierung hat am Samstag klargestellt, dass keine Platinmünze im Wert von einer Billion Dollar geprägt wird, um die Nation aus ihrem Schuldenschlamassel zu befreien. Die Idee, mit dieser Münze sozusagen einen Gegenwert zu den US-Schulden zu schaffen und damit einen drohenden Showdown im Kongress um eine Erhöhung des Schuldenlimits zu vermeiden, geistert seit Wochen durch die US-Medien - wenn auch zumeist augenzwinkernd.

Die US-Schuldenobergrenze liegt derzeit bei 16,4 Billionen Dollar. Sie wurde zum Jahresende erreicht, und die USA sind nur noch deshalb weiter zahlungsfähig, weil Haushaltsumschichtungen etwas Luft verschafften. Nach Expertenschätzungen ist dieser Manövrierraum aber zwischen dem 15. Februar und dem 1. März ausgeschöpft. Dann geht es zur Sache: Republikaner im Kongress haben bereits angekündigt, dass sie ihre Zustimmung zur Anhebung des Limits mit massiven Sparforderungen verknüpfen wollen.

Und so tauchte denn die Idee auf, es mit einem Münz-Trick zu versuchen. Denn zwar ist es Regierung und Notenbankern in den USA untersagt, in unbegrenzter Menge Scheine zu drucken. Aber bei Platinmünzen - die gemeinhin etwa zu besonderen Gedenktagen geprägt werden - gebe es keine solche Beschränkung. Wenn also jetzt eine solche „Jumbo-Münze“ geschaffen würde, könnte sie bei der Notenbank hinterlegt und Geld im selben Umfang ausgegeben werden. Dann wäre erst einmal Ruhe an der Schuldenfront.

„Weder das Finanzministerium noch die Notenbank glauben, dass das Gesetz zur Produktion von Platinmünzen zwecks Umgehung einer Anhebung des Schuldenlimits angewendet werden kann oder angewendet werde sollte“, zitierten das „Wall Street Journal“ und andere Medien einen Sprecher des Finanzministeriums, Anthony Coley. Der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney, pflichtete demnach in einer Erklärung bei. Es sei die Aufgabe des Kongresses zu handeln, das heißt, dafür zu sorgen, dass die USA ihre Rechnungen weiter bezahlen könnten.

 
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Schuldenberg: US-Regierung verwirft Plan für Billion-Dollar-Münze"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die Schnapsidee mit der Wertmünze hätte auch aus dem Repertoire vom Baron Münchhausen stammen können. Offensichtlich gleiten die USA in seine Gefilde ab!

  • Danke kvogler für diesen Kommentar! Als Durchschnittsbürger glaubt man ja wirklich, in den USA (und EU) ist immer Karneval!!!

  • Ob die Wirtschaftswissenschaftler und Master-of-Powerpoint-Strategen das nun wahr haben wollen oder nicht:

    Geld ist immer noch der symbolische Gegenwert von realer, menschlicher Arbeit. D.h. nur Dinge, die langfristig von Menschen als Belohnung oder Gegenwert für ihre Arbeit akzeptiert werden, haben Geldwert.

    Bei einem Durchschnittsgehalt von 25'000 Dollar für reale Arbeit sind 1 Billionen Dollar der Gegenwert für die Arbeit von 40 Millionen Menschen.
    Wer immer sich einbildet, er könne 40 Mio Menschen im Zweifelsfall gemeinsam mit einer Platinmünze, egal wie schön, für eine Jahresarbeit entlohnen, zeigt eigentlich nur, wie krank das System ist und wie weit weg diese "Experten" inwischen von der Wirklichkeit entfernt sind.

    Oder anders ausgedrückt:
    Alleine, dass über diese Idee länger als 10 Sekunden diskutiert wurde und dass der Urhebern nicht sofort aller Ämter enthoben wurde zeigt, wie weit die Geldentwertung schon fortgeschritten ist.


Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%