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Schuldendrama: Griechen sind im Goldrausch

Auf der nordgriechischen Halbinsel Chalkidiki liegen große Kupfer-, Silber- und Goldvorkommen. Um der Krise zu entkommen will das Land zum größten Goldproduzenten Europas werden. Doch es regt sich heftiger Widerstand.

Schon in der Antike wurde auf der Chalkidiki-Halbinsel Gold gefördert. Quelle: Gerd Höhler
Schon in der Antike wurde auf der Chalkidiki-Halbinsel Gold gefördert. Quelle: Gerd Höhler

Athen/OlympiaDröhnend frisst sich der Bohrmeißel immer tiefer ins Gestein. Dann füllen Sprengmeister Apostolos Valdimos und seine Männer die drei Meter tiefen Bohrlöcher am Ende des Stollens mit Sprengstoff. Die Maschinen fahren zurück, die Arbeiter verlassen den Tunnel. Ein Warnsignal ertönt, und dann erschüttert eine dumpfe Detonation den Berg. Wieder ist die Mine einige Meter tiefer ins Gestein vorangetrieben, wieder sind die Männer ihrem Ziel etwas näher gekommen. Tief im Berg wartet ein kostbarer Schatz. „Dort liegen 118 Tonnen Gold“, sagt Kostas Georgantzis. Er ist Sprecher der Firma Hellas Gold. Sie sprengt oberhalb des Küstenortes Olympias den Stollen ins Stratonikos-Bergmassiv. 2015 will das Unternehmen hier, im Osten der Halbinsel Chalkidiki, mit der Goldförderung beginnen. Sie soll dem Staat Steuereinnahmen bringen, der Region einen wirtschaftlichen Aufschwung bescheren und Tausende Arbeitsplätze schaffen. Vor allem das ist wichtig in einem Land, wo wegen der Rezession mehr als jeder Vierte arbeitslos ist, unter den Jugendlichen sogar sechs von zehn ohne Job sind.

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Was das neue Griechenland-Hilfspaket kostet

  • Was muss Deutschland gegenüber dem März-Programm nachschießen?

    Im kommenden Jahr wird der Haushalt um zusätzliche 730 Millionen Euro belastet. Schäuble und seine Kollegen kommen Athen vor allem in zwei Punkten entgegen: Zunächst werden die Zinsen für die laufenden Notkredite gesenkt und die EFSF-Kredite über 2020 hinaus gestundet. Die Ersparnis für Athen: fünf Milliarden Euro bis 2014. Die Mindereinnahmen für den Bund: 130 Millionen Euro pro Jahr. Zum zweiten werden Gewinne, die die Zentralbanken durch den Kauf von Staatsanleihen erzielen, nicht länger einbehalten, sondern an Athen weitergereicht. Das Ersparnis für Hellas bis 2014: 4,1 Milliarden Euro. Der Verlust für den Bund: 599 Millionen Euro im nächsten Jahr und 2,7 Milliarden Euro insgesamt bis 2030. Und ein Großteil muss vom Bund wirklich bezahlt werden - weil die Bundesbank nur einen geringen Teil ihrer eigentlichen Gewinne in Schäubles Budget weiterleitet.

  • Ist damit denn der Schuldenverzicht der deutschen Steuerzahler vom Tisch?

    Im Gegenteil: Zwar soll Athens Finanzbedarf bis 2014 ohne Aufstockung der Kredite des bisherigen Rettungsprogramms gedeckt werden. Zugleich hat sich die Eurogruppe aber dazu bekannt, "weitere Maßnahmen und Hilfen in Betracht zu ziehen", wenn in zwei Jahren die Schuldentragfähigkeit des Landes noch nicht näher gerückt ist. Die Bedingung: Das Land muss bis dahin einen deutlichen Primärüberschuss erreichen, also ein Haushaltsplus ohne Schuldendienst. Denn dann könnte Athen seine Rechnungen ohne neue Notkredite bezahlen, und es wäre "eine andere Rechtsgrundlage" als heute gegeben, wie Schäuble formuliert.

    Der Hintergrund: So lange neue Kredite fließen, dürfen die Euro-Partner nicht zugleich auf eine Rückzahlung verzichten. Ist (vorerst) alles überwiesen, dann entfällt die rechtliche Hürde für den Schnitt. "Wir gehen schrittweise vor", sagt Schäuble. Das Ziel mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) ist vereinbart: Die Schuldenquote von knapp 190 Prozent der Wirtschaftsleistung im kommenden Jahr bis 2016 auf 175 Prozent und bis 2022 auf "deutlich unter" 110 Prozent zu drücken. Ohne Erlass - so sind sich viele Fachleute einig - wird das nicht gelingen. Die Griechenlandrettung bleibe "ein Fass ohne Boden", mahnt Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

  • Wie wird den Griechen noch geholfen?

    Der neue Rettungsplan sieht vor, dass das Land für 10,2 Milliarden Euro Kredite von Privatinvestoren zurückkauft, und zwar zum Marktpreis von rund 30 Prozent des Nennwertes. Die Hoffnung: Ein Großteil der Investoren lässt sich darauf ein, und Griechenland kann rund 20 Milliarden Euro seiner Schulden durch den Rückkauf "löschen". Damit könnte der Berg auf einen Schlag um einen Anteil von zehn Prozent der Wirtschaftsleistung abgetragen werden.

    Der Haken: Die Privatgläubiger - vor allem griechische Banken - müssten Schuldscheine im Wert von 100 Euro für 30 Euro an Athen verkaufen - und den Verlust abhaken. "Warum sollten sie?", fragt sich ING-Analyst Carsten Brzeski. Schließlich seien Banken und Fonds schon beim ersten Schuldenschnitt im Frühjahr "gemolken" worden. Allerdings haben viele Hedgefonds genau darauf spekuliert. Sie haben sich Papiere zu noch viel niedrigeren Preisen gekauft - und können sie jetzt mit Gewinn an Athen zurück verscherbeln.

  • Warum wird den Hellenen jetzt noch stärker unter die Arme gegriffen?

    Da ist zum einen die Belohnung für große Leistungen in Griechenland: Das Haushaltssaldo wurde gegenüber 2009 um zwei Drittel auf gut 13 Milliarden Euro gekürzt. Die Verwaltung wurde modernisiert, die Steuereinziehung verbessert, das Rentenalter auf 67 Jahre angehoben, der Mindestlohn gesenkt und die Lohnstückkosten hart gedrückt. Alle Vorleistungen wurden erfüllt, attestiert die Troika in ihrem Zeugnis. Darüber hinaus gibt es einen tieferen Grund: Ein Stopp der Griechenland-Rettung könnte die Eurozone noch immer ins Chaos stürzen, fürchtet man in Berlin, Paris und Brüssel. Die wirtschaftlichen und politischen Folgen will niemand verantworten.

  • Welche Kröten müssen die Hellenen für die neue Hilfe schlucken?

    Neben weiteren Strukturreformen muss Athen auch weitere Souveränität abgeben: Die Rückflüsse aus den Notenbankgewinnen, 30 Prozent des Haushaltsüberschusses und alle Privatisierungserlöse müssen auf ein Sperrkonto eingezahlt werden, von dem nur Schulden bedient werden dürfen. Außerdem wird es eine permanente Troika-Kontrolle geben. Und für alle Ministerien wurde ein Ausgabendeckel eingerichtet, der den finanziellen Spielraum drastisch einschränkt. Wegen der bitteren Pillen hofft Schäuble, dass die anderen Programmländer, Portugal und Irland, nun nicht die gleichen Zugeständnisse der Euro-Partner einfordern werden.

Schon in der Antike wurden hier, in Makedonien, Edelmetalle abgebaut. Ohne das Gold und Silber der Chalkidiki wären weder der Aufstieg des Königreichs Makedonien zur Vormacht in Griechenland unter Philipp II noch die Feldzüge seines Sohnes Alexanders des Großen denkbar gewesen. „Die Menschen der Bergdörfer auf der Chalkidiki lebten vier Jahrtausende lang vom Abbau der Edelmetalle“, sagt Christos Pachtas. Der 61-jährige hat Chemie studiert, war Abgeordneter und Minister in Athen, bevor er in seine Heimat zurückkehrte, das Bergdorf Arnaia auf der Halbinsel Chalkidiki. Seit Anfang 2011 ist er Bürgermeister der Großgemeinde Aristoteles, die sich nach dem in dieser Gegend geborenen Philosophen nennt und 16 Ortschaften umfasst. Pachtas hat einen Teil seiner Jugend in Belgien verbracht, wo sein Vater als Bergmann in einer Kohlegrube schuftete.

„Wie mein Vater mussten viele Männer die Dörfer dieser Gegend verlassen, weil der Bergbau zum Erliegen gekommen war“,  erzählt Pachtas. Aber der stetig steigende Goldpreis und neue Abbauverfahren machen die Goldvorräte in den Bergen der Chalkidiki wieder interessant. Bürgermeister Pachtas verbindet damit nicht zuletzt die Hoffnung, „dass die jungen Menschen in den Dörfern bleiben und jene, die in den vergangenen Jahren in die Städte gezogen sind, vielleicht zurückkehren.“ Hellas Gold will 1500 Arbeitsplätze schaffen. Insgesamt 5000 neue Jobs könnten im Umfeld der Goldförderung entstehen, glaubt Bürgermeister Pachtas.

So könnte Griechenland geholfen werden

  • Anleihenrückkauf

    Ein 40 Milliarden Euro umfassendes Programm zum Rückkauf griechischer Staatsanleihen wird seit 2011 diskutiert. Dabei könnte Athen Geld des Euro-Rettungsschirms nutzen, damit es seine Anleihen zum Marktpreis von privaten Gläubigern zurückkauft, um somit die Schuldenlast zu verringern. Denn die Kurse für griechische Staatsanleihen liegen weit unter ihrem Nennwert. Derzeit sind die Anleihen nur rund ein Drittel ihres Ausgabepreises wert.

  • Zinssenkungen

    Die Geberländer könnten die Zinsen auf ihre bilateralen Kredite von etwa 53 Milliarden Euro reduzieren, was zu jährlichen Erleichterungen von 500 Millionen Euro für Athen führen könnte. Deutschland hat bisher kräftig an den Krediten verdient und kann sich besonders günstig Geld leihen. Unter anderem Italien und Spanien würde dies viel kosten, da sie sich zu höheren Zinsen Geld leihen müssen.

  • Mehr Zeit für Schuldenabbau

    Auch eine Streckung der Zahlungsziele ist im Gespräch. Die Laufzeit für Hilfskredite könnte also verlängert werden.

  • EZB-Hilfe

    Die Notenbank hat Staatsanleihen Athens zu sehr niedrigen Kursen erworben. Einen Teil ihrer Gewinne könnten die Europäische Zentralbank (EZB) und die nationalen Notenbanken Athen überlassen.

  • Schuldenschnitt

    Noch nicht auf der Vorschlagliste, aber stets in der Diskussion: Ein zweiter Schuldenschnitt nach dem ersten vom Frühjahr, in dem private Gläubiger wie Banken auf 100 Milliarden Euro verzichteten, wird diskutiert und vor allem vom Internationalen Währungsfonds (IWF) favorisiert. Auch wegen des Widerstands Deutschlands wird dieser Schritt erst einmal aufgeschoben. Rund zwei Drittel der griechischen Schulden von etwa 340 Milliarden Euro liegen bei öffentlichen Geldgebern. Erstmals würde Steuerzahlergeld verloren sein. Es müssten sich auch Euro-Krisenländer beteiligen, die selbst wackeln.

Giorgos Tsongas hat bereits einen Job gefunden: er ist Minenarbeiter und baut an dem Stollen in Olympias. „Wir können nicht alle nur vom Tourismus leben, das ist doch nur ein Saisongeschäft“, sagt der 45-Jährige. „Seit Menschengedenken haben die Bergdörfer von den Minen gelebt, und mit diesem Projekt geht es uns viel besser als früher, unsere Gegend erlebt einen richtigen Aufschwung.“ Hellas Gold zahlt nicht nur Steuern an den Fiskus sondern auch Abgaben an die Gemeinde Aristoteles. Drei Millionen Euro sind es in diesem Jahr, mindestens sieben Millionen werden es ab 2015 sein, vielleicht auch mehr, je nach Umsatz des Unternehmens. Das ist viel Geld für eine Kommune, deren Jahresetat bisher zehn Millionen beträgt.

  • 05.12.2012, 17:56 UhrDelinix

    @Bienenzüchter Rene
    Das kann man niemandem übel nehmen. Nachdem wir nun schon über ca. 3 Jahre lang in Sachen GR und EURO verar..t werden, trauen wir keinem mehr.
    Und es liegt ja auch sehr nahe, hinter der Sache mit dem plötzlichen Goldvorkommen einen odysseus-gleichen Trick zu vermuten.
    Fakt ist, dass an den Börsen mit Wünschen und Erwartungen gehandelt wird. Oder?

  • 05.12.2012, 14:23 Uhrlensoes

    @kschulz

    Menschen brauchen Desinformation, schauen Sie sich mal Gutachter und ihre Beteiligungsverhälstnisse an.

    Nach Goldtrolls die Erdgastrolls, und mit beiden Trolls weitere 100- 200 MRD, die sind ja alle so vermögend da unten. Checken Sie gar nichts mehr ?

  • 05.12.2012, 12:17 UhrNovaris

    Der deutsche Steuerzahler tut gut daran, sich mit einer möglichen Verlustzahl im Griechenland-Abenteuer vertraut zu machen. Z.Zt. 93 Milliarden EURO !!
    (Angebliche) Gold-, Gas- und Oelvorkommen der Griechen sind nur reines Window-Dressing, dazu geeignet, den Steuerzahler hoffnungsfroh zu stimmen.
    Nicht unerwähnt sollte bleiben, dass die demnächst zu erwartende Rating-Abstufung Ds mit höheren Zinszahlungen verbunden sein wird. 1% mehr Zinsen = ca. 20.000.000.000 EURO mehr an Zinszahlungen !!

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