Schuldenkrise

Amerika zittert um den Euro

In einer Ruck-Rede hat Präsident Barack Obama eine Erholung der US-Wirtschaft versprochen. Doch die hängt mehr denn je am Schicksal Europas. Ängstlich verfolgen die Amerikaner, wie Merkel und Co. die Krise lösen wollen.
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Härtere Strafen für Wall-Street-Betrüger

WashingtonEs war eine jener Reden, nach denen wieder einmal klar wird, warum dieser Mann schwer zu schlagen sein wird. Mit Wucht und Pathos prangerte US-Präsident Barack Obama am Dienstag (Ortszeit) die Ungerechtigkeiten in seinem Land an, heftig teilte er gegen die Vorstellungen der Republikaner über die Wirtschaft aus.

Und stiftete Hoffnung: Er werde daran arbeiten, dass wieder jeder seine Aufstiegschance bekommt, dass die Mittelschicht wieder wächst. Dass jeder seinen fairen Anteil leistet, vor allem auch die Wohlhabenden. Jetzt, so der Präsident, sei ein „Alles-oder-Nichts-Moment“, der über die Zukunft der US-Wirtschaft entscheidet.

Der Ort der Ruck-Rede, auch das eine von Obamas Spezialitäten, war voll von Symbolik: In der Kleinstandt Osawatomie, Kansas, hatte im Jahr 1910 Theodore Roosevelt den ausufernden Kapitalismus gegeißelt, mehr Gerechtigkeit und den Schutz der Mittelschicht gefordert. Vom „Neuen Nationalismus“ sprach der Ex-Präsident, der damals nicht mehr im Amt war.

Heute allerdings, mehr als 100 Jahre später, ist es mit Neuem Nationalismus nicht mehr getan. Wohl und Wehe der US-Wirtschaft hängen in einer globalisierten Welt nicht mehr nur noch daran, welche Vorstellungen sich in Washington durchsetzen.

Und eine der größten Gefahr für Amerikas Wohlstand lauert derzeit in Europa.

Die Schuldenkrise auf dem alten Kontinent klammerte Obama in seiner Rede zur Lage der Wirtschaft aus, doch zeitgleich drehten die Anstrengungen seiner Regierung auf Hochtouren. Auf Geheiß des Präsidenten tingelte Finanzminister Timothy Geithner am Dienstag durch Deutschland, traf EZB-Präsident Mario Draghi, Bundesbank-Chef Jens Weidmann und Finanzminister Wolfgang Schäuble. Heute ist in Paris Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy an der Reihe.

Geithners Auftrag: Er soll die Europäer vor ihrem Gipfel am Donnerstag und Freitag einmal mehr überzeugen, endlich mehr gegen die Krise zu unternehmen. Die Eurozone müsse „ein nachhaltiges Bekenntnis des politischen Willens abgeben“, forderte der Amerikaner in Berlin, Regierungen und Zentralbanken müssten gemeinsam zur Lösung beitragen. Der Amerikaner war auf ähnlichen Missionen zuletzt mehrfach abgeblitzt. Aber versuchen soll er es trotzdem.

Die Amerikaner haben Angst vor einer Euro-Katastrophe
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19 Kommentare zu "Schuldenkrise: Amerika zittert um den Euro"

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  • Während meines Lesens fand ich den Artikel sehr informativ und treffend formuliert, bis ich dann auf die Passage zur Band "Metallica" stieß.

    Trotz einiger Minuten Abstand zum Durchlesen des Artikels, bin ich gerade immer noch am Stutzen, ob der Autor die Aussage, die Band würde ihre Tour aufgrund einer drohenden Finanzkrise vorgeziehen, ernst meint.

    Schließlich hat Metallica über die letzten Jahre hinweg stets ausverkaufte Europatourneen verzeichnet und die Fans waren zu jeder Zeit bereit hohe Eintrittspreise auf sich zu nehmen, um die Band live erleben zu können.
    So ist es in meiner Ansicht unverständlich, weshalb die Besucher in einer möglichen erneuten Rezession ausbleiben sollten.
    Dabei ist esnatürlich verständlich, dass die potenziellen Besucher über weniger Geld zur Freizeitgestaltung verfügen, doch waren auch im Krisenjahr 2009 keine Besucherrückgänge bei Metallicakonzerten zu verzeichnen.

    Sollte ich einen möglichen Aspekt übersehen haben, würde ich mich über fundiertere Aussagen als die des Autors erfreuen.


  • Ich fürchte mich unvreändert vor "US Las Vegas Banken", einer tiefpestkranken EU, unfaehigen Bank- und Politvorstehern, einer nicht nur durch Neustaaten mafioes durchsetzten EU, Dummheit und fehlenden "cojones" aller Verantwortlichen. Sie ziehen uns mit hoher Wahrscheinlichkeit in den Orkus . Bis zum Aufschlag.

    Die Dummheit von US Verantwortlichen in ihrer voelligen Unkenntnis von Old Eurpe/Asien etc bleibt fester Bestandteil der US-Fehlentwicklung.

    Wer nichts produziert, siehe u.a Portugal/Griechenland, siehe Teile USA, wird als "looser" anstehende Wellen nicht ueberleben.

  • International beachtlich ist auch die Auslandsverschuldung der EU sowie Deutschland im Vergleich zu den USA (in Relation zum jeweiligen BIP ist der Vergleich noch signifikanter): http://ddp-ext.worldbank.org/ext/ddpreports/ViewSharedReport?REPORT_ID=13532&REQUEST_TYPE=VIEW

  • @ Forza
    Messerscharf erkannt, Frau Forza, denn Obama kann gar nicht deutsch, deshalb kann er es auch nicht gesagt haben.
    Vermutlich hat er signifance oder dgl. gesagt, und der Übersetzer kann auch nicht richtig deutsch.
    Aber deshalb gleich die Peitsche rausholen? Lesen Sie viel im Koran, Frau Forza? Wenn man Ihre Maßstäbe hier im Forum anwenden würde, dann müsste man mehr als die Hälfte der Kommentatoren verhauen.

  • nein, Amerika zittert nicht um den Euro. Amerika zittert vor den eigenen Problemen. Die soll die Eurozone übernehmen durch die von Amerika angemahnten Maßnahmen. Dass genau durch diese Maßnahmen Europa völlig destabilisiert würde ist möglicherweise die Absicht dahinter. Interessant ist übrigens, wer die amerikanischen Interessen hier journalistisch vertritt.

  • USA sind finanziell, wirtschaftlich, sozial und politisch voellig am Ende. Die Regierung ist voellig handlungsunfaehig. Kann nicht mal bei kleinen Problemen eine Entscheidung finden. Und ohne gedrucktes Geld koennten die nicht mal mehr nach Europa fliegen.

    Was wollen die eigentlich von uns??? Uns bei den naechsten Wahlen dort zum Suendenbock fuer die eigenen Probleme machen???

    Um den hausgemachten Abstieg von USA zu bekaempfen, hilft kein Suendenbock. Aber die verstehen dies nicht und so werden wir sehr bald den lauten Aufknall hoeren. Schuld wird Asien und Europa sein, dies sehe ich schon kommen. Aber helfen wird ihnen dies letztlich nicht. Schade um das einst so erfolgreiche Land.

  • no risk no fun wird man sich gesagt haben: das geht solange gut, bis der fall eintritt.
    und mit den euroschnarchern hat man ja auch wirklich ein bis dato ungekanntes risk vor augen, das haben die selbst noch nicht kapiert, wie es aussieht, sonst würden die was anderes machen, als weiter mit hütchsenspielertricks die "meärkte bewegen" zu wollen.

  • Nicht "die" Amerikaner haben Angst vor dem Verfall des Euros, sondern der US-Geldadel, der seine Felle wegschwimmen sieht, wie z. B. die Rockefellers, Rothschilds oder auch Blankfeins, die solche Krisen erst geschaffen haben.

    Amerika hat kürzlich erst bei den Empfängern von Essensmarken die Schwelle von 46 Mio. überschritten! Im Sommer waren es noch 45 Mio., übrigens der höchste Stand seit 52 Jahren! Dies ein genauerer Indikator für die marode US-Wirtschaft, als die Arbeitslosenzahlen. Der angebliche Wirtschaftsaufschwung ist nichts als eine Lüge! Und ohne ihre wundersame Geldvermehrungsstrategie, wären sie längst zusammen gebrochen.
    Und nun soll es Europa genauso machen. Merkozy sind ja bereits auf die US-Stretegie eingenordet worden. Außerdem hat man ja mit Monti und Draghi zwei Goldman-Sachs-Jünger bereits an wichtige Knotenpunkte in der EU eingesetzt. Übrigens auch in der neu gewählten spanischen Regierung.
    Außerdem kontrolliert und manipuliert Amerika zusätzlich noch die Aktienmärkte, hält den Goldpreis als Feind des US-Dollars künstlich niedrig, schafft weiterhin endlos Geld per Knopfdruck, schafft mit Hilfe der ratingagenturen stetig Druck auf Europa und bereitet für 2012 weitere Ablenkungskriege (Iran) vor.
    Ich kann nur sagen, USA: Note 6!

  • „Und eine der größten Gefahr für Amerikas Wohlstand lauert derzeit in Europa“
    Nachdem sich Mitte 2007 das Perpetuum-Mobile, Leben auf Pump, in den USA in Staub aufgelöst hatte, weil die Bürger ihre Immobilie nicht mehr als Kreditkarte zum unbegrenztem shoppen nutzen konnten, ja, seitdem geht es im freien Fall nach unten. Hätte Obama nicht per Gesetz die Rückzahlung der ca. 13 Bio. $ Kreditkarten- und Kleinkredite ausgesetzt, ja, was wäre dann wohl ...

    Aber alles noch Peanuts in Relation des anstehenden Armageddons:
    Laut Bloomberg hat die Bank of America, nach ihrem Downgrade durch Moody's, Derivate im Wert von 75 Billionen Dollar (nicht Milliarden) von ihrer Investment- banking-Tocher Merrill Lynch in ihre Retailbanking-Abteilung verschoben und damit Zugriff auf das Fed Discount-Fenster und den Einlagenschutz der FDIC für diese Summe bekommen. Das bedeutet, das Ausfallrisiko für europäische Derivate wird nun durch den US-Steuerzahler garantiert.
    Aber es geht weiter, die JPMorgan Bank hat anscheinend das selbe mit 79 Billionen Dollar an Derivaten gemacht. Dazu kommt, man weiss gar nicht was sonst noch an Versicherungsgarantien irgendwo in den Büchern anderer Banken schlummern, denn niemand führt Buch darüber. Es können mehrere Hundert Billionen sein.
    Kein Wunder ist US-Finanzminister Timothy Geithner in ganz Europa unterwegs und bettelt und fleht die Regierungen der EU-Länder an, einen massiven Rettungsschirm für die potenziellen Pleitebanken so schnell wie möglich zusammenzuschustern.
    Sein grösster Albtraum ist, wenn die Banken in der Eurozone hops gehen, trifft es dadurch auch die grössten US-Banken, welche wie verrückt Kreditausfallversicherungen an die Europäer verkauft haben, und dann muss der US-Steuerzahler blechen.

  • Das Einzige, was die Amis in diesem Zusammenhang fürchten, ist das der Euro bleibt.
    Dann verlieren sie mit ihren wertlosen Papierdollars dei Macht über die Welt. Schon Sadam Hussein fiel, da er die Ölexporte auf Euro umstellen wollte,das war den Amis einen Krieg wert.

    Un bei dem Euro lassen sie den Krieg von den Ratingagenturen führen. Und die blöden Europäer haben sich noch nicht mal bewaffnet.

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