Schuldenkrise Athen und Madrid: EU verschärft die Krise

Das Schicksal der Südländer verknüpft: Kippt Griechenland, sind Italien und Spanien in Not. Daher unterstützt Madrid den Druck von Athens Premier Papandreou auf eine rasche Entscheidung. Aber Merkel spielt auf Zeit.
Update: 14.07.2011 - 13:01 Uhr 32 Kommentare
Griechenlands Premier Giorgos Papandreou. Quelle: dapd

Griechenlands Premier Giorgos Papandreou.

(Foto: dapd)

DüsseldorfDie Geduld der griechischen Regierung mit dem europäischen Palaver scheint aufgebraucht. Offen drängt Premier Giorgos Papandreou darauf, dass die EU-Partner und der Internationale Währungsfonds (IWF) rasch über ein zweites Hilfspaket für Griechenland entscheiden. „Die aktuelle Stimmung hilft uns nicht, aus der Krise herauszukommen“, sagte Papandreou der „Financial Times Deutschland“. Eigentlich sollte die Rückendeckung der Eurozone Griechenland gegen spekulative Angriffe schützen, das Gegenteil sei der Fall: „Diese Unsicherheit verschreckt Investoren. Wenn wir nicht bald die Entscheidung haben, dass das zweite Programm
Griechenland schützt und das Land seine tiefgreifenden Reformen unternehmen kann, wird das Programm selbst unterlaufen,“ klagt Papandreou. Dafür bekommt er in Spanien Unterstützung - aber auch beim Ex-Finanzminister Hans Eichel.

Dabei geht es nicht nur um die Rettung Griechenlands, sondern auch um das Schicksal weit stabilerer Euroländer wie Italien oder Spanien. Die spanische Finanzministerin Elena Salgado nannte eine mögliche Pleite Griechenlands "hochgefährlich" - die Eurozone habe es hier mit einer "systemischen Krise" zu tun, sagte sie der Süddeutschen Zeitung. Auch sie drängt auf schnelle Entscheidungen über neue Hilfen für das Land. Wenn manche Fachleute sagten, eine Zahlungsunfähigkeit Griechenlands wäre zu verkraften, dann sei sie da „völlig gegenteiliger Meinung“, sagte Salgado. „Es muss alles getan werden, um so etwas zu vermeiden.“

Dass zuletzt die Risikoprämien für spanische und italienische Anleihen gestiegen seien, habe nichts mit den beiden Ländern zu tun, sagte Saldado. „In keinem der beiden Länder war etwas passiert.“ Grund seien allein die Instabilitäten an den Märkten wegen der vielen Fragezeichen um Griechenland. Beruhigt werden können die Märkte nach ihrer Auffassung mit raschen Entscheidungen über ein neues Hilfspaket für Griechenland. Die Antwort müsse „schnell, fest und klar“ sein.

Speziell der deutschen Regierung warf Salgado eine oft unklare Haltung vor. „Das Verhalten Deutschlands bei den Treffen auf europäischer Ebene und das, was man mitunter in den Schlagzeilen liest, sind nicht immer deckungsgleich.“ Die von Deutschland geforderte Beteiligung des Privatsektors bei Griechenland sei „keine gute Idee“. Die Debatte um diese Frage sei einer der Gründe für die Spannungen an den Märkten und müsse schnell geklärt werden.

Ein Sondergipfel der EU-Staats- und Regierungschefs, bei dem genau das geschehen könnte, rückt jedoch wieder in die Ferne. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte am Rande ihres Besuchs in Nigeria, zunächst müsse die Voraussetzung gegeben sein, dass über ein fertiges Programm für Griechenland entschieden werden könne - „das kann man jetzt nicht sagen“. Die Finanzminister hätten deutlich gemacht, dass es
schnellstmöglich eine Lösung geben müsse. Diese müsse aber auch „in sich vernünftig“ sein.

EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy will zwar weiterhin einen Euro-Krisengipfel einberufen, der (morgige) Freitag kommt indes nicht mehr infrage. „Wir haben nie von Freitag gesprochen“, hieß es am Donnerstag aus dem Büro Van Rompuys. Am Dienstag hatte der Ratschef allerdings nicht ausgeschlossen, dass es in Kürze ein Gipfeltreffen geben könnte.

Dass die Staats- und Regierungschefs statt am Freitag nun am Sonntag zusammenkommen könnten, wurde in Diplomatenkreisen am Donnerstag als „äußerst unwahrscheinlich“ bezeichnet. Konkrete Vorbereitungen seien nicht getroffen. Die Beratungen über einen Gipfel zu einem späteren Zeitpunkt würden aber andauern, sagte ein Sprecher Van Rompuys. Ein Datum wollte er indes nicht nennen.

Hans Eichel fordert frühere Einmischung Brüssels
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32 Kommentare zu "Schuldenkrise: Athen und Madrid werfen Europa Verschärfung der Krise vor"

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  • @ Zeitzeuge :
    papelepapp...Zeitzeuge wo steht es geschrieben oder wo ist es erkenntlich, das die Türkei Griechenland Okkupieren will ? Was einige Hitzköpfe sagen oder denken ist wirklich keine Diskussion wert, genau so wie die Neonazis, die immer noch von einem 1000 jährigem Reich träumen.

  • welches Recht besitzt ein Hans Eichel sich in diese Diskussion einzubringen. Er hat doch damals dem Beitritt Griechenlands zugestimmt. Wie wäre es mit einer Rentenkürzung für ihn, damit sein argloses Verhalten entsprechend honoriert wird?

    Länder welche eine Verschuldung nahe oder über ihrer Wirtschaftsleistung haben sind faktisch "pleite", ausser sie können sich über eine eigene Geldschöpfung (Geld drucken) kurzfrisitg refinanzieren. Dies funktioniert in Italien aufgrund der Eurozugehörigkeit nicht. Die Sparmaßnahmen geben keinen Grund zur Beruhigung, denn sie sind wie immer bei politischen Entscheidungen weit nach hinten verschoben d.h. in die Zukunft verlegt.
    Es mangelt an Konzepten Staaten wie Italien und Spanien so zu "helfen" [Mißbrauch der Sprache, ähnlich dem Wort Reform], dass sie ihre Schulden zurückführen können. D.h. die Auferlegung von HH-Disziplin, verbindlichen Regelungen usw., doch dies ist politisch nicht durchsetzbar. Somit gibt es nur einen Weg, Länder die den Euro gefährden (Verschuldungskoeffizienten) müssen ihn verlassen. Dies würde sicherlich zu HH-Disziplin führen und gleichzeitig könnten Länder wie Schweden, DK, GB dem Euro beitreten.
    "Bananenrepubliken" wie Griechenland, Portugal, die per se keine HH-Disziplin haben benötigt niemand in der EuroZone.
    Der Euro sollte ein Segen für die Union sein und kein Fluch sein, eine Belohnung und ein Symbol der Stabilität

  • „Es gibt in Griechenland 14 000 Menschen, die dem Staat zusammen rund 36 Milliarden Euro schulden“, sagt der Premier der „Financial Times Deutschland“.

    "Das griechische Finanzministerium spricht sogar von 900 000 Bürgern, die dem Staat noch „etwas“ schulden – „etwas“ im Milliardenbereich"

    Er berichtet von prominenten Ärzten, von Villenbesitzern mit Swimmingpools, die allesamt keien Steuern zahlen

    Also ich kann das alles nicht verstehen. Angeblich soll es ja viel zu viele Beamte geben in GR. Was machen die denn den ganzen Tag? Das kann doch alles nicht wahr sein.

  • Daß die Türkei Griechenland okkupieren möchte, ist schon lange bekannt, jeder Türke wird Ihnen das ganz freiwillig erklären, wenn Sie sich zu Griechenland unterhalten. Das ist aber keine Diskussion wert: Die offizielle Linie hat Frau IWF-Chefin Lagarde längst und ganz verbindlich vorgegeben: Greichenland strengt sich an, aber das ist unzureichend: Keine weiteren Mittel mehr für Griechenland - die "geordnete" Staatsinsolvenz wird durchgeführt. Merkel und Schäuble werden vorgeschickt, um zu verzögern und dann dafür die nötige "Bremse" zu ziehen, damit der "ESM-Hilfszug" nun in eine andere Richtung rollen kann. Der griechische "Landesvater" ist mit den Nerven am Ende, weil er genötigt werden soll, die Pleite offiziell zu verkünden, er hat gewaltige Angst vor seinem eigenen Volk, weil er das Auftürmen der Schulden des letzten Jahres maßgeblich zugelassen und mit herbeigeführt hat und neben der Umschuldung eine Währungsreform ansteht, d. h. die "Spargroschen" sind auch futsch...

    Ein ähnliches Szenario "droht" in Spanien. Für beide Staaten bedeutet das auch gleichzeitig das Ende der politischen Systeme, das wissen die politischen Gallionsfiguren! Dies zur Dramaturgie und Dramatik.
    Man kann davon ausgehen, daß sich die Niederlande, vermutlich auch Österreich und Finnland nicht an (mit gesamtschludnerischer Haftung versehenen) EURO-Bonds beteiligen werden, weil deren Bonität sofort "in Eimer" wäre (Risikoprofilansteig). Paris ist mit allen seinen Plänen gescheitert und kommte als glaubwürdiger Bürge inzwischen gar nicht mehr infrage, weil Frankreich selbst "klamm" ist. Deutschland/Merkel sollen nun auch noch den "Sündenbock" spielen, der den Fall Greichenlands herbeigeführt hat...

  • Nicht nur als Europäer als auch als Demokraten! Statt zu demonstrieren und streiken, haben bis jetzt 10468 Mitzeichner die Petition Finanzpolitik - Europäischer Stabilitätsmechanismus vom 26.05.2011 https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=18123 unterzeichnet! Obwohl wenig Hoffnung besteht dass diese Petition mal angeschaut wird, trotzdem entspricht die Anzahl der über 10000 Unterschriften die Einwohner einer kleinen Stadt!

    An dieser Stelle ein grosses Bravo gehört den deutschen Bürgern, die auf diese Art ihr demokratisches Ethos demonstrieren!

  • @make_love_not_war :"Nur der Krieg schafft Ordnung"

    So ein Blödsinn habe ich Zeit langem nicht mehr gelesen.
    Außerdem sind Griechenland, die Türkei und Albanien NATO Verbündete. Seit wann schaffen Kriege Ordnung ? Sehen Sie sich doch mal in Syrien, Irak, Jordanien usw an. Die damaligen Kolonialmächte haben einfach mit Lineal die grenzen gezogen, ohne an die Zukünftigen Konsequenzen zu Denken. Ich hoffe es bleibt alles friedlich im Balkan. Griechenland sollte auch seine Militärausgaben für die nächsten 3-5 Jahre senken noch besser wäre es gar auszusetzen, Sie brauchen keine Angst von der Türkei zu haben - es wird nie zu einem Krieg der beiden Länder kommen.

  • Die Südländer wollen nur weiter über ihre Verhältnisse leben - mit unserem Geld.
    Am Besten für die Ewigkeit.
    Sollte unsere Regierung wirklich so intelligent sein, jetzt endlich mal Nein zu sagen?
    Man will es fast nicht glauben.

  • Die spanische Finanzministerin gehört auch zur Riege der Schönredner, die glauben machen wollen, dass Griechenland noch zu retten sei. Jeder Euro in das griechische Fass ohne Boden ist verloren!

  • Zitat Eichel:"Bisher bezahlen wir ja nicht für GR, sondern verdienen an den Hilfspaketen". Dieser Volltrottel weiß doch ganz genau, daß nur die Banken verdienen und die Steuerzahler die ganzen Verluste zahlen müssen. Einzige Lösung: Deutschland sofort raus aus dem Euro! Von mir auch eine neue EU gründen mit adäquaten Ländern.

  • Zitat: "Zur gerade von Deutschland geforderten Beteiligung der Banken an neuen Hilfen für Griechenland: ... Spanien habe immer gesagt, dass man da sehr vorsichtig sein müsse".

    Woher, wohin! Bislang gründete Deutschlands Erfolg wesentlich auf eine vergleichsweise starke Realwirtschaft. Ergebnis ist ein stabiler Arbeitsmarkt, der zum Angebot eine adäquate Nachfrage bereithält. Produktion und Distribution gelten als ausgewogen. Mittels Schwächung der Nachfrage durch Teilenteignung der Bürger (zwecks Hilfeleistung für die Finanzindustrie) wird das Marktgleichgewicht zwischen produzierender Wirtschaft und dem Finanzhandel administrativ angetastet. Die Finanzindustrie produziert keine Güter, sondern trägt das Finanzierungsrisiko als volkswirtschaftlich bedeutsame Dienstleistung. Von diesem Geschäftsrisiko soll sie nun frei gestellt werden: zum Schaden der wirtschaftstreibenden Nachfrage. Dieser Tabubruch hat warnende Vorbilder: England und weitere Staaten haben ihre produzierende Wirtschaft dem Niedergang preisgegeben und gehofft, dass der Handel mit Wertäquivalenten (Fiat Money) die eigentliche Wertschöpfung nebensächlich macht. Die Ergebnisse kennen wir und sollten deshalb von unserem grundsoliden Wirtschaftsverständnis nicht abweichen. Empfehlungen aus tiefsten Schluchten sind mit der Gefahr verbunden, selbst in die Schlucht zu stürzen, statt den anderen heraus zu ziehen. Durch stetiges Entfremden von den marktwirtschaftlichen Prinzipien geraten wir an den Abgrund, in den andere aus gleicher Ursache bereits geraten sind. Statt Schuldennivillierung brauchen wir in Europa Wachstumsimpulse für die Realwirtschaft. Die bekannten Hilfspakete begflügeln statt der Realwirtschaft das Spekulantentum durch Risikobefreiung. Das wird den europäischen Prozess inakzeptabel machen (nicht der Euro, dem ersatzweise die Schuld zugewiesen wird).

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