Schuldenkrise
Braucht die EZB frisches Kapital?

Ein Schuldenschnitt Griechenlands könnte die EZB mehr als 20 Milliarden Euro kosten. Der Chef des weltgrößten Anleihehändlers Pimco hält deshalb eine Kapitalerhöhung für nötig. Führende Ökonomen widersprechen. Von MARIETTA KURM-ENGELS
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Das Wort von Mohamed El-Erian hat an den Märkten Gewicht. Ein unbedarfter Satz des Vorstandschefs des weltweit größten Anleiheinvestors Pimco - und schon bewegen sich die Kurse. Jetzt sorgt sich El-Erian um die Europäische Zentralbank (EZB). "Im Laufe des letzten Jahres wurde die Bilanz der EZB mit toxischen Anleihen belastet", sagte er dem Handelsblatt. "Ich vermute, dass die EZB in den nächsten drei Jahren frisches Kapital benötigen wird."

Führende Volkswirte sehen diese Gefahr dagegen nicht. Sie vertreten die Ansicht, dass die Kapitalsituation der EZB durch mögliche Verluste in den verschuldeten Problemstaaten nicht gefährdet sei. "Ehe die nationalen Zentralbanken bei der EZB Kapital nachschießen müssten, muss noch sehr viel passieren", sagt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank.

Selbst bei einem Schuldenschnitt Griechenlands, der der EZB einen Verlust von mindestens 24 Milliarden Euro bescheren dürfte, würde die EZB nicht pleitegehen, sagt Notenbankexperte Manfred J.M. Neumann von der Universität Bonn.

Notenbanken brauchen kein Eigenkapital. Sie können den Verlust in ihrer Bilanz vortragen. Und dass ein solcher Ausweis nichts Ungewöhnliches ist, hat die Bundesbank Anfang der siebziger Jahre vorexerziert. Wegen der Koppelung der D-Mark an den Dollar verlor die Bundesbank Milliarden, die sie als Bilanzverluste auswies. Diese Möglichkeit hat das Eurosystem auch.

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In der Bilanz schlummern hohe Reserven

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  • das inflationieren hilft nur bedingt.denn mit steigender inflation sinkt die reale geldmenge und damit die seigniorage-einnahmen (notenbankgewinn) des eurosystems...also bestehen notenbankseitig nur geringe anreize höhere inflation zuzulassen....

  • Das hat schon Jakob Fugger gesagt: er verstünde gar nicht, warum die Fürsten zu ihm kämen, um Geld zu pumpen, sie könnten es doch einfach selbst herstellen.

  • Langsam bin ich der Meinung, dass die EZB ihr Problem mit den gekauften Schrott-Staatsanleihen durch Inflation, also mit Geld drucken beseitigen sollte. Dabei muß noch nicht mal wirklich Papier bedruckt werden, sondern das passiert alles nur im Computer.

    Vorteil: Eher reiche Menschen der gesamten Eurozone (alle die Geld gespart bzw. gehortet haben) würden das dann bezahlen.

    Zur Zeit haben wir doch die Ungerechtigkeit, dass sich der deutsche Steuerzahler, der teilweise von der Hand in den Mund lebt und garnichts ansparen kann, Geld in die Rettung der EZB stecken soll (durch Lohn-, Mehrwertsteuer usw.), aber ein Millionär im Steuerparadis "Südeuropa" sich nicht oder nur mäßig an den Staatsausgaben beteiligt, geschweige den an dem Rettungsschirm der EUdSSR.

    Solche Leute laufen zur Zeit mit Bargeldkoffer in ganz Europa rum, während Menschen, die in Deutschland in bescheidenen Verhältnissen leben, den illegalen Rettungsschirm stützen.

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