Schuldenkrise

Bundesbank rüttelt an Größe der Euro-Zone

Kippt Griechenland, ist die Euro-Zone in ihrer bisherigen Konstellation Geschichte. Auch die Bundesbank schließt diese Entwicklung nicht aus. In einer Analyse skizziert sie Bedingungen für den Verbleib im Euro.
Update: 23.07.2012 - 13:52 Uhr 44 Kommentare
Flaggen von EU-Ländern neben dem Euro-Symbol. Quelle: AFP

Flaggen von EU-Ländern neben dem Euro-Symbol.

(Foto: AFP)

DüsseldorfDie Bundesbank schließt eine Verkleinerung der Euro-Zone nicht mehr aus. Das geht aus dem am Montag veröffentlichten Monatsbericht der Notenbanker hervor. Darin heißt es unmissverständlich, dass „die grundsätzliche strukturelle Eignung allein eine reibungslose Teilnahme an einer Währungsunion nicht sicherstellen“ könne. „Vielmehr ist sie unter anderem um eine verantwortungsvolle Wirtschafts- und Finanzpolitik zu ergänzen, die den Erfordernissen einer gemeinsamen Währung und einer einheitlichen Geldpolitik im Euro-Raum hinreichend Rechnung trägt.“ Nur so könne die „zwingend gebotene Vermeidung übermäßiger Spannungen im gemeinsamen Währungsraum gewährleistet werden“.

Welches Euro-Land zu den Austrittskandidaten zählt, schreibt die Bundesbank in ihrem Bericht nicht. Doch die Entwicklung der europäischen Schuldenkrise in Griechenland, Zypern oder Spanien legt nahe, wer gemeint sein könnte. Die Notenbanker sehen jedenfalls mehrere Problem-Länder, wenn sie schreibt: Die gegenwärtige Staatsschuldenkrise in „einigen Ländern“ des gemeinsamen Währungsraumes habe „in aller Nachdrücklichkeit unterstrichen“, dass für eine Zugehörigkeit zu einem Währungsblock neben der „grundsätzlichen strukturellen Eignung“ der beteiligten Volkswirtschaften  auch eine „anhaltend verantwortungsvolle“ Lohn- und Fiskalpolitik gehöre.

Euro-Aus für Griechenland rückt näher

In der Euro-Zone wappnet man sich bereits für eine Schrumpfung des Währungsraums: Das erste Land, das den Euro verlassen könnte, ist Griechenland, wie verschiedene Medien übereinstimmend berichten. Hintergrund ist die anhaltend schlechte wirtschaftliche Lage in dem Mittelmeerstaat und die dadurch bedingte kaum noch vorhandene Neigung der Regierung in Athen, die internationalen Reform- und Sparauflagen zu erfüllen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) will das aber nicht akzeptieren. Die Griechen können demnach nicht mehr mit einer zeitlichen Streckung der Auflagen rechnen. Das Land würde dann über die bisherigen Zusagen hinaus vom IWF keine Kredite mehr zur Verfügung gestellt bekommen, wie die „Süddeutsche Zeitung“ und der „Spiegel“ schreiben.

Auch Deutschland, der wichtigsten Geldgeber des Landes, wäre dann wohl nicht mehr bereit, Athen noch weiter zu helfen. Griechenland würde dann unweigerlich auf einen Staatsbankrott zusteuern – mit der Folge, dass es wohl den Euro verlassen müsste. Die EU-Kommission stemmt sich vehement gegen diesen Fall. "Griechenland soll und wird in der Eurozone bleiben", sagte ein Sprecher der EU-Kommission. Er sagte aber auch, dass es bei der Umsetzung der vereinbarten Spar- und Reformmaßnahmen "bedeutende Verzögerungen" gebe. Die Regierung in Athen sei sich aber sehr der Tatsache bewusst, dass Versäumnisse aufgeholt werden müssten. Mit der Auszahlung neuer Hilfsgelder an Griechenland ist aufgrund einer laufenden Prüfmission der Troika-Experten in Athen dem Sprecher zufolge vermutlich nicht vor September zu rechnen.

Regierungssprecher weist Rösler-Spekulationen zurück
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44 Kommentare zu "Schuldenkrise: Bundesbank rüttelt an Größe der Euro-Zone"

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  • Wer sich die Eurorettungspolitik näher ansieht, kommt leicht zu dem Schluss, dass mit Hilfe der Eurokrise die Einigung Europas von oben exekutiert werden soll, hinter dem Rücken der europäischen Völker. Da sind kritische Stimmen unerwünscht. Wenn unsere Kanzlerin den Wunsch haben sollte, als Einigerin Europas in die Geschichtsbücher einzugehen, wie Helmut Kohl als Kanzler der deutschen Einheit, übersieht sie den entscheidenden Unterschied: Helmut Kohl hat nur vollzogen, was auf den Straßen der Noch- DDR mit überwältigender Mehrheit gefordert wurde. Für eine EUdSSR gibt es keine Mehrheiten, nicht in unserem Land und schon gar nicht in den anderen europäischen Ländern. Sicher ist, dass der Versuch, Europa von oben zwangszuvereinigen scheitern wird. Die Frage ist nur, wie teuer uns dieses Experiment zu stehen kommt.

    http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/eurorettungskritiker_sollen_mit_npd_keule_mundtot_gemacht_werden/

  • Guenni999
    vielloeicht ahnt Kohl das schon udn hält sich deswegen so bedeckt.
    Denn man hört ja nichts mehr von ihm zur Euro-Krise

  • vhe
    vielleicht haben die EU-Kommission (wer hat die eigentlich gewählt?) und die sonstigen Euro-Fanatiker ein bißchen Angst? Sie merken doch auch, dass das Volk mehr und mehr Wut bekommt?

  • O-Ton Handelsblatt: "Regierungssprecher weist Rösler-Spekulationen zurück"

    Aber dann im Artikel: ""Da ist sich die Bundesregierung völlig einig und es ist auch nicht erkennbar, dass es davon irgendeine Form von Abweichung gibt." Das gelte auch für Wirtschaftsminister Rösler. Dieser habe nur beschrieben, mit welchen Gefühlen er den Troika-Bericht abwarte."

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    Es wäre wünschenswert wenn es die Handelsblattredaktion unterlassen zukünftig unterlassen würde mit wahrheitswidrigen Überschriften viel Lärm um nichts zu machen.

    Das ist billiger Sensationsjournalismus.

    Wollen Sie der BLÖD-Zeitung Konkurrenz machen?

  • Was haltet Ihr von einer ganz neuen Idee. Wir holen von allen Euro-Ländern die günstigen Gesetze nach Deutschland. Als Beispiel:

    - aus Frankreich den Betrag für den Eckrentner nach 45 Arbeitsjahren 1700,- €
    - aus Frankreich den Eintritt ins Rentenalter ab 60 Jahre
    - aus Irland 12 % Kapitalertragssteuersteuer
    - aus Luxemburg 15 % Mehrwertsteuer
    - aus Griechenland die Steuerverwaltung (jeder zahlt nur noch was er will) u.s.w.

    Alle Defizite werden dann in Deutschland durch Aufnahme neuer Schulden gedeckt und wenn wir dann statt 2 Billionen 5 Billionen Schulden haben, müssen uns die Franzosen und Griechen retten.

    Da haben wir in Deutschland wenigsten vor dem kompletten Zusammenbruch des € noch 10 fette Jahre und danach kriegt jeder wieder 100 DM und alles kann wieder von vorne losgehen, wie 1948.

  • Was soll das heissen:"grundsätzliche strukturelle Eignung?" wie das Handelsblatt den Monatsbericht der Bundesbank zitiert. Unklarer und verschwommener kann man es wohl kaum formulieren! Klar ist doch schon seit langem:Die Eurozone ist in der derzeitigen Form nicht mehr zu retten. Da helfen auch keine neuen Rettungsfonds (gehebelte oder nicht gehebelte), öffentliche Beruhigungsstatements der Regierungen oder weitere hektische Krisengipfel. Der Euro hat nur dann eine Überlebenschance, wenn sich die Mitgliedschaft auf die Länder beschränkt, die die ursprünglich vereinbarten Konvergenzbedingungen uneingeschränkt und nachhaltig erfüllen. Länder, die diese Voraussetzungen aus politischen und ökonomischen Gründen nicht erfüllen können oder wollen, müssen aus der Eurozone austreten.

  • Edelzwicker, das würde bedeuten, dass viele Leute, die im Tourismus tätig sind, nicht nur unmenschliche Arbeitszeiten von 7:7 Tage, von morgens früh bis abends spät (jemand muss ja das Frühstück machen und hinterher wieder zusammenräumen) zu stemmen haben, dies dann noch für einen Lohn machen müssen, der ein Überleben schwer macht, weil in Euro gezahlt wird. Das ist keine Option mehr. Wir sprechen von Löhnen, die nun schon oft im dreistelligen Bereich liegen bei Arbeitszeiten von 60+ Stunden, Sonntag und Feiertag, egal.

    Das ist keine Lösung, das ist einfach nur grausam. Nein, raus aus dem Euro, abwerten und schauen, dass man endlich die Wirtschaft auf die Füsse bringt, ist die einzige Lösung. Die Rechnung müssen aber schon erstmals die Reichen in Griechenland bezahlen bzw. an die Verdiener seit Zutritt. Das geht nicht anders. Auch wenn das Geld in GB, D, Lichtenstein oder der Schweiz ist. Auch Luxemburg muss hier in den Hintern getreten werden, und zwar kräftig. So geht das doch nicht weiter. Ausserdem, wie sieht es denn mit den Rohstoffvorhaben in GR aus? Wieso wird durch US, israelische und kanadesische Firmen der Kuchen verteilt, während das Land nur einen Bruchteil, aber sicher den Schaden davon hat. Es läuft wirklich total schief dort und irgendwie bekommen die das überhaupt nicht auf die Reihe.
    Wo ist denn Nikos36? Warum eiert es so in GR? Die Wahrheit, bitte. Auch McGyros könnte mal was sagen. Wäre vielleicht ein interessanteres Thema wie Herrenmenschen oder Lamsbraten à la Odysseus.

  • wenn Merkel & CO Griechenland (trotz Ausstieg des IWF )weiterhin finanziell unterstützen, dann sollten wir (das deutsche VOLK!!) diese Politiker zum Teufel jagen und eine Persönlichkeit wählen, die Deutschland aus dem EURO rausführt (und davon gibt es ja mittlerweile genug!!)

  • Die Gehälter der inkompetenten EU Kommision und aller EU Mitarbeiter sollten um 75 % gekürzt werden, Pensionen auf 1000 € abgesenkt werden und die Sachksoten um 25 % gekürzt werden.Sie wären zwar immer noch im Bezug zur Leistung überbezahlt, aber sie kämen wieder in Bodennähe

  • @RudolfNaef
    Sie sprechen mir so aus der Seele: Herr Kohl kommt von seiner Bildung her von einem altphilologischen Zweig, ohne jegliche Kenntnisse von Ökonomie. Dieser Mann wollte in seiner Hybris als der Urvater eines vereinten Europa eingehen. Vielleicht wird er noch erleben, daß er fahrlässigerweise der Wegbereiter eines neuen Hitler sein könnte.

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