Schuldenkrise
Bundesbank rüttelt an Größe der Euro-Zone

Kippt Griechenland, ist die Euro-Zone in ihrer bisherigen Konstellation Geschichte. Auch die Bundesbank schließt diese Entwicklung nicht aus. In einer Analyse skizziert sie Bedingungen für den Verbleib im Euro.
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DüsseldorfDie Bundesbank schließt eine Verkleinerung der Euro-Zone nicht mehr aus. Das geht aus dem am Montag veröffentlichten Monatsbericht der Notenbanker hervor. Darin heißt es unmissverständlich, dass „die grundsätzliche strukturelle Eignung allein eine reibungslose Teilnahme an einer Währungsunion nicht sicherstellen“ könne. „Vielmehr ist sie unter anderem um eine verantwortungsvolle Wirtschafts- und Finanzpolitik zu ergänzen, die den Erfordernissen einer gemeinsamen Währung und einer einheitlichen Geldpolitik im Euro-Raum hinreichend Rechnung trägt.“ Nur so könne die „zwingend gebotene Vermeidung übermäßiger Spannungen im gemeinsamen Währungsraum gewährleistet werden“.

Welches Euro-Land zu den Austrittskandidaten zählt, schreibt die Bundesbank in ihrem Bericht nicht. Doch die Entwicklung der europäischen Schuldenkrise in Griechenland, Zypern oder Spanien legt nahe, wer gemeint sein könnte. Die Notenbanker sehen jedenfalls mehrere Problem-Länder, wenn sie schreibt: Die gegenwärtige Staatsschuldenkrise in „einigen Ländern“ des gemeinsamen Währungsraumes habe „in aller Nachdrücklichkeit unterstrichen“, dass für eine Zugehörigkeit zu einem Währungsblock neben der „grundsätzlichen strukturellen Eignung“ der beteiligten Volkswirtschaften  auch eine „anhaltend verantwortungsvolle“ Lohn- und Fiskalpolitik gehöre.

In der Euro-Zone wappnet man sich bereits für eine Schrumpfung des Währungsraums: Das erste Land, das den Euro verlassen könnte, ist Griechenland, wie verschiedene Medien übereinstimmend berichten. Hintergrund ist die anhaltend schlechte wirtschaftliche Lage in dem Mittelmeerstaat und die dadurch bedingte kaum noch vorhandene Neigung der Regierung in Athen, die internationalen Reform- und Sparauflagen zu erfüllen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) will das aber nicht akzeptieren. Die Griechen können demnach nicht mehr mit einer zeitlichen Streckung der Auflagen rechnen. Das Land würde dann über die bisherigen Zusagen hinaus vom IWF keine Kredite mehr zur Verfügung gestellt bekommen, wie die „Süddeutsche Zeitung“ und der „Spiegel“ schreiben.

Auch Deutschland, der wichtigsten Geldgeber des Landes, wäre dann wohl nicht mehr bereit, Athen noch weiter zu helfen. Griechenland würde dann unweigerlich auf einen Staatsbankrott zusteuern – mit der Folge, dass es wohl den Euro verlassen müsste. Die EU-Kommission stemmt sich vehement gegen diesen Fall. "Griechenland soll und wird in der Eurozone bleiben", sagte ein Sprecher der EU-Kommission. Er sagte aber auch, dass es bei der Umsetzung der vereinbarten Spar- und Reformmaßnahmen "bedeutende Verzögerungen" gebe. Die Regierung in Athen sei sich aber sehr der Tatsache bewusst, dass Versäumnisse aufgeholt werden müssten. Mit der Auszahlung neuer Hilfsgelder an Griechenland ist aufgrund einer laufenden Prüfmission der Troika-Experten in Athen dem Sprecher zufolge vermutlich nicht vor September zu rechnen.

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  • Wer sich die Eurorettungspolitik näher ansieht, kommt leicht zu dem Schluss, dass mit Hilfe der Eurokrise die Einigung Europas von oben exekutiert werden soll, hinter dem Rücken der europäischen Völker. Da sind kritische Stimmen unerwünscht. Wenn unsere Kanzlerin den Wunsch haben sollte, als Einigerin Europas in die Geschichtsbücher einzugehen, wie Helmut Kohl als Kanzler der deutschen Einheit, übersieht sie den entscheidenden Unterschied: Helmut Kohl hat nur vollzogen, was auf den Straßen der Noch- DDR mit überwältigender Mehrheit gefordert wurde. Für eine EUdSSR gibt es keine Mehrheiten, nicht in unserem Land und schon gar nicht in den anderen europäischen Ländern. Sicher ist, dass der Versuch, Europa von oben zwangszuvereinigen scheitern wird. Die Frage ist nur, wie teuer uns dieses Experiment zu stehen kommt.

    http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/eurorettungskritiker_sollen_mit_npd_keule_mundtot_gemacht_werden/

  • Guenni999
    vielloeicht ahnt Kohl das schon udn hält sich deswegen so bedeckt.
    Denn man hört ja nichts mehr von ihm zur Euro-Krise

  • vhe
    vielleicht haben die EU-Kommission (wer hat die eigentlich gewählt?) und die sonstigen Euro-Fanatiker ein bißchen Angst? Sie merken doch auch, dass das Volk mehr und mehr Wut bekommt?

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