Schuldenkrise Deutscher Stinkefinger empört die Griechen

Die Athener Schuldenkrise sorgt jetzt auch für Spannungen zwischen Deutschland und Griechenland. Jüngster Anlass: das aktuelle Titelbild des Magazins „Focus“. Es zeigt die Statue der Aphrodite von Milos – mit einem Stinkefinger – nach dem Motto: Europa kann mich mal. Daneben steht: „Betrüger in der Eurofamilie“.
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Grund der Aufregung: Der neue "Focus"-Titel. Quelle: dpa

Grund der Aufregung: Der neue "Focus"-Titel.

(Foto: dpa)

ATHEN. Griechische Medien reagierten empört. „Deutsche Galle gegen Griechenland“, schreibt die Athener Zeitung „Ta Nea“. Die Zeitung „To Vima“ reproduziert ebenfalls das „Focus“-Titelbild und kommentiert: „Die ekelhaften Angriffe gegen unser Land in der ausländischen Presse, insbesondere in Deutschland, nehmen kein Ende.“ Die Zeitung „Eleftheros Typos“ revanchiert sich mit einer Fotomontage, die ein Hakenkreuz auf der Berliner Siegessäule zeigt. Das „Finanz-Nazitum“ bedrohe Europa, schreibt das Blatt.

Inzwischen gibt es wegen des Titelbildes auch diplomatische Verwicklungen: Parlamentspräsident Philippos Petsalnikos erklärte, er habe den deutschen Botschafter Wolfgang Schultheiß für diesen Donnerstag zu sich bestellt, um sich zu beschweren: „Ich werde ihn mit diesen beleidigenden deutschen Veröffentlichungen konfrontieren und ihm darlegen, dass sie zu einer Gefahr für die Beziehungen unserer Länder werden können“, kündigte Petsalnikos an. Und Athens konservativer Bürgermeister Nikitas Kaklamanis forderte die Bevölkerung auf, gegen die „beschämende Veröffentlichung“ zu „protestieren“ – wie, sagte er nicht.

Deutschland war jüngst bereits mehrfach in die Kritik griechischer Medien und Politiker geraten. So erregte sich der konservative Parlamentsabgeordnete Margaritis Tzimas: „Wie kann Deutschland die Frechheit besitzen, uns wegen unserer Finanzen anzuklagen, während es immer noch keine Entschädigung für die griechischen Opfer des 2. Weltkrieges gezahlt hat?“ Ehemalige griechische Widerstandskämpfer und Hinterbliebene von Kriegsopfern streiten seit Jahren für deutsche Reparationen, auch vor Gerichten. Die Forderungen summieren sich zu hohen Milliardenbeträgen.

Im Raum steht auch die geforderte Rückzahlung einer Zwangsanleihe, mit der die Nazi-Besatzer den Griechen die Kosten der Besatzung aufbürdeten. Die linke Opposition bringt das Thema jetzt wieder auf die Tagesordnung. In einer parlamentarischen Anfrage fordern sechs Abgeordnete der Linksallianz Syriza die griechische Regierung auf, Reparationszahlungen von Deutschland einzufordern. Sie sehen Deutschland als Hauptschuldigen für die griechische Schuldenkrise: deutsche Politiker und Finanzinstitute spielten „die tragende Rolle in einem erbärmlichen Spiel, bei dem Profit auf Kosten der Griechen gemacht wird“, heißt es in der Anfrage. Finanzminister Giorgos Papakonstantinou versuchte abzuwiegeln: „Wir haben alle unsere Kritik, wie das griechische Problem in dem einen oder anderen Land wahrgenommen wird“, sagte der Minister.

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23 Kommentare zu "Schuldenkrise: Deutscher Stinkefinger empört die Griechen"

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  • Wenn schon "Stinkefinger", dann gegen die Richtigen:

    "Yesterday, Jerry Corrigan of Goldman Sachs told the UK parliament that there was “nothing inappropriate” in the way Goldman helped arrange for Greece to hide its debts. This was helpful – it essentially acknowledges that the much vaunted “reputation effects” of issuing securities with a top tier investment bank are worth less than zero. Mr. Corrigan affirmed that it is completely acceptable for Goldman and its peers to mislead investors and deceive the markets.

    So you can strike out one more purported reason why we should keep massive global financial institutions. They do not enhance transparency, they do not bring clarity, they do not keep governments accountable. instead, they are paid a great deal of cash to mislead people. What is the social value of that exactly?"

    So Simon Johnson gestern auf baseline Scenario. Mehr dazu hier: http://baselinescenario.com/2010/02/23/prospects-for-financial-reform/#more-6527

  • @Weltenbummlerin:

    ich stimme ihnen zu, mit einer Ausnahme. brüssel ist seiner Kontrollpflicht tatsächlich nicht nachgekommen, aber die Schuld trifft nicht primär brüssel. Das europäische Statitsikamt EUROSTAT erhält seine Zahlen von den nationalen Statistikämtern. Griechenland hat getrickst und für EUROSTAT gab es keine Möglichkeit die Zahlen zu verifizieren. Wir haben also generell ein strukturelles Problem. Die Nationalstaaten erlauben es der EU nicht in dem MaßeEinblick zu nehmen, wie das erforderlich wäre.

  • Diese Fäkaliensprache in der Überschrift...
    ein beispiel für Revolverjournalismus!

  • beide Seiten sollten einen kühlen Kopf bewahren. Schuldzuweisungen bringen niemand weiter. Griechenland ist nun einmal in der Währungsunion und wir sollten schon aus Sorge um unser eigenes Wohl, wir haben die gleiche Währung, versuchen den Schaden zu begrenzen. Während sich die Politiker streiten, lachen sich die bankster still und heimlich ins Fäustchen und treiben ihre Spekulationsgeschäfte. Man sollte, auch im Eigeninteresse, der Finanzspekulation den boden entziehen und endlich verbindliche Regeln erlassen. Wenn die bankster weiterhin freie bahn haben und die Politiker wie gewohnt wegsehen, werden die Kosten für die Rettung des Euro in astronomische Höhen steigen und der europäische büger finanziert die exorbitanten boni der banker. Wären die Politiker in brüssel ihrer Kontrollpflicht nachgegangen, wäre uns viel erspart geblieben. Aber dies ist ein weiteres Kapitel im buch über unsere überaus fähigen Politiker.

  • @ W.Fischer
    Schreiben Sie ihre Ermahnung als Leserbrief oder als E-mail an die Redaktion der Printmedien. ich habe das schon mehrfach bei der SZ gemacht, wenn die Schlagzeile das grade Gegenteil vom inhalt des Artikels vermuten ließ. Manchmal erhielt ich Antwort mit der Zusicherung der besserung (:-))

  • Warum immer wieder die gleiche Masche? Fällt keinem Land etwas anderes ein als mit Hakenkreuzen auf deutsche Provokationen zu reagieren? Das ist erbärmlich!

  • Keines der beiden Länder ist frei von Schuld. Gibt es überhaupt ein Land, das keine Schuld im Laufe seiner Geschichte auf sich geladen hat? Wir haben Griechenland überfallen - nach den italienern. Wir haben dafür gebüßt. Griechenland und alle anderen Nettoempfänger profitierten dafür 60 Jahre lang als Nettoempfänger der EU in Höhe von unzähligen Milliarden. Damit haben wir unsere Schuld bezahlt. Wenn irgendwelche Opfer-Gruppen noch kein Geld bekommen haben, sollen sie sich an iHREN Staat wenden, der soll sie mit einem Teil der erhaltenen Gelder auszahlen.

    Zur info - ich bin kein Nazi und bin auch nicht zornig. ich bin es nur leid, dass immer einer auf dem anderen herumhackt - das bringt nicht nur nichts, es schadet massiv. Die Kleinen sind es doch, die leiden werden - die Kleinen mussten in den Krieg und sie mussten und müssen alle Lasten tragen. Daher sollten die Kleinen aller Länder sich verstehen und gegen die Politverbrecher und bankster verbünden. DiESE sind unsere Feinde, nicht die Kleinen Leute aus anderen Ländern!


  • ich finde, man sollte dieses lächerliche Mediengeplänkel schleunigst unterlassen und sich um die wahren Probleme kümmern:

    Einerseits der Finanzkrise (die nämlich noch iMMER andauert, aber längst in Vergessenheit geraten und im übrigen von der Gier der investoren zu verantworten ist) und der dringend notwendigen Haushaltskonsolidierung vieler (nicht nur Griechenlands) europäischer Staaten.

    Lächerliche Anschuldigungen und Vorwürfe helfen jetzt niemandem weiter.

  • Sehr geehrte Redaktion,
    ich halte ihre Überschrift für irre führend, wie sie das Verhältnis zwischen der bundesrepublik Deutschland und Griechenland darstellen. Wenn es sich um das Titelbild des Nachrichtenmagazins „Focus“ handelt. ich erwarte von der Redaktion in Zukunft, ihre Artikel so zu formulieren, dass man gleich sehen und lesen kann, um wen oder was es sich handelt. ich würde der Griechischen - Presse dringendst raten, keine Zahlen Spielerei zu betreiben. Der Schuß könnte sonst auch nach hinten losgehen.
    Danke

  • Das Titelbild ist beschämend. Nicht für Griechenland. Für die deutsche Presse! Oder zumindest für den Focus... Natürlich leben (oder ich wage mal zu sagen "lebten") ein paar meiner Landsleute auf hohen Erwartungen (wenig Arbeit für viel Geld, Rente mit 50 etc). Dies sind aber nicht alle, sondern einzelne!

    Ein ganzes Volk als Faul zu bezeichnen ist eine Schweinerei. Man redet pauschal von faulen Griechen. Was ist wenn man im Ausland die deutschen pauschal als Nazis abstempelt? Nicht so toll? ich habe Verwandte die arbeiten für einen Hungerlohn 15 Stunden am Tag!! Der kleine Mann und die kleine Frau können nichts dafür, wenn die Politiker korrupt sind.

    Ein "Diktat" der EU ist meiner Meinung nach nötig, damit sich die obere Etage in der Politik normalisiert.

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