Schuldenkrise

Die unfassbare Kanzlerin

Angela Merkel eiert in der Eurokrise herum: Die Banken will sie notfalls wieder retten, doch ihr Beitrag bei einer Griechen-Pleite könnte steigen. Griechenland will sie auffangen, deutet aber einen Schuldenschnitt an.
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Merkel will starke EU - mit Griechenland

BrüsselAngesichts der aufkeimenden Angst vor einer neuen Bankenkrise geht Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zurück auf Los und stellt sicher geglaubte Entscheidungen der EU in der Schuldenkrise infrage. Zwar erklärte sich Merkel am Dienstag nach einem Treffen mit EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso grundsätzlich bereit, Banken im Notfall wie 2008 erneut mit Steuergeld zu retten: „Die deutsche Bundesregierung (...) steht bereit, wenn notwendig, eine solche Kapitalisierung der Banken durchzuführen. Die Zeit drängt.“ Sie deutete an, dass das Thema womöglich schon beim nächsten EU-Gipfel am 17. Oktober auf der Tagesordnung stehen könnte. „Wenn es notwendig ist, dass wir auf dem europäischen Rat darüber reden, dann sind wir auch dazu bereit“, betonte sie.

Die Verantwortung für die Rekapitalisierung sieht Merkel in erster Linie bei den Banken. Sollten diese bei ihren Bemühungen scheitern, sollten die Nationalstaaten helfen, erläuterte sie ihre Überlegungen. Erst wenn ein Land dazu nicht in der Lage sei und die Stabilität des Euro gefährdet sei, sollte ein Einspringen des EFSF in Erwägung gezogen werden. Eine Rolle des EFSF hatte zuvor die Direktorin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, angeregt.

Gleichzeitig schuf Merkel neue Unsicherheit, was die Beteiligung der Finanzinstitute an einer Umschuldung Griechenlands angeht: Weitere Entscheidungen über einen möglichen Schuldenschnitt für Griechenland machte sie von den Erkenntnissen der sogenannten Troika aus Experten von EU, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) abhängig. Man habe Resultate vom 21. Juli, bei denen man eine freiwillige Beteiligung privater Gläubiger habe, sagte Merkel am Mittwoch in Brüssel. Nun müsse man schauen, „ob die aktuellen Zahlen Griechenlands noch zu diesen Beschlüssen passen“ oder ob Änderungen nötig seien. Auf Basis des Troika-Berichts werde man dann entscheiden, „wie wir weiter fortfahren“, sagte sie. „Deshalb warten wir auf diesen Troika-Bericht und werden dann das Notwendige tun.“    

Die Mitgliedschaft Griechenlands in der Eurozone stellte Merkel nicht grundsätzlich in Frage. „Ich sehe die Notwendigkeit, dass Griechenland Teil des Euroraums bleibt“, betonte sie. Das Land müsse die Chance bekommen, wieder auf die Beine zu kommen. „Wir wollen dort auch Wachstum, nicht nur immer neue Belastungen.“ Wann der Troika-Bericht vorliegen wird, ist noch unklar. Die Experten von EU, EZB und IWF, die die Sparbemühungen der Griechen unter die Lupe nehmen, sind noch vor Ort.

In Europa geht die Angst vor einem neuen Banken-Beben um
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52 Kommentare zu "Schuldenkrise: Die unfassbare Kanzlerin"

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  • Helmut Kohl, Kanzler der Wiedervereinigung Deutschlands. Kanzlerin Merkel, größte Schuldenmasse auf dem besten Wege zum Staatsbankrott. Da hilft nur noch Abwahl und Gegendemonstration.

  • Erst das Geld der reichen Griechen aus der Schweiz (und sonstwoher) zurück, vorher keinen Cent mehr für dieses Land!

    Denn es sind die reichen Griechen die das Land geplündert haben und vergammeln liessen. Die Masse der Bevölkerung trifft keine Schuld.

    Merkel sollte das endlich mal differenzierter ansprechen, nicht immer nur "Die Griechen".

  • Was könnten wir in Deutschland (oder auch Nordeuropa) alles für tolle Dinge mit diesen Mengen an Geld machen!!!

    Unsere Wirtschaft (Nord EU) würde eine Rendite erzielen, von der wir allen Griechen (ausser den 10% Reichen Gri. , die haben es nämlich schon in der Schweiz und rücken es nicht mehr raus!) eine monatl. Rente bei absoluten Nichtstun zahlen könnten!

    Merkel müsste endlich kapieren, dass man nicht immer alle mitnehmen kann, wenn das Boot am Untergehen ist. Aber irgendwie wird die wohl täglich "Eurormantisch" bedampft und eingenebelt.

    Ich frage mich: Würden die Griechen (oder Italiener oder Portugiesen) das alles auch für uns machen?

  • Ich bin für einen sofortigen Schnitt in der Griechenland - Hilfe (Banken).
    Der FDJ-Kanzlerin, empfehle ich, ihre Eidesformel als Kanzlerin der BRD (Pfarrerstochter) einmal genau zu Lesen.
    Und anschließend sich für längere Zeit in ein Sanatorium zurück zu ziehen.
    Es muss Schluss sein, mit dieser Geldvernichtung, von Merkel und Schäuble.
    Sie haben der BRD und deren Menschen nur geschadet, und ihren Amtseid auf das gröblichste verletzt.
    Ich erwarte ein Strafverfahren gegen beide.
    Alternativlos.
    Danke

  • Nie hat ein Dichter die Natur so frei ausgelegt, wie ein Jurist die Wirklichkeit.

    Jean Giraudoux

  • So ein Unfug! Keine Argumente, nur Wertungen. Und was für welche! Vermutlich haben Sie eine Hochschule und damit den Zugang zu kritischen und differenzierten Denken, nie von innen gesehen. Wenn doch, Juristen waren es, die das Kindergeld durchsetzten, Juristen waren es, die das Gesetz zum Präventivabschuss von Flugzeugen kippten. Juristen waren es, die die Absetzbarkeit von Studienaufwendungen ermöglichten...
    Der Rückschluss von Ausnahmefällen auf das Verhalten der Gesamtheit zeigt, dass ihnen differenziertes Denken fern liegt. Leider ist das typisch in Deutschland. Jeder hält sich für ein Genie und gibt sich oft auch so ("Das kann ich schon lang"). Man philosophiert über den Weltgeist, kann aber selbst simpelste Sachverhalte nicht folgerichtig einordnen. Wo andere sich intellektuell herausgefordert fühlen, flüchtet man in Deutschland auf die Beleidigungsebene. Und das auf allen gesellschaftlichen Ebenen, siehe Pofalla ("Grundgesetz und Bosbach sind Scheiße") und Silvercoin82 ("Juristen sind Huren der Exekutive").
    Merkel mit einem auf Menschen schießenden DDR-Grenzer zu vergleichen ist Ausdruck dieser geistigen Einstellung und zeugt von ihrer intellektuellen Durchschnittsbrillianz.
    Lernen Sie etwas, werter Silvercoin82. Besuchen Sie die Volkshochschule!

  • Richtig! Im Allgemeinen sind gesellschaftliche Zustände unscharf.
    Doch mit Heisenberg wird man Merkel nicht kommen können, denn etliche Nummern größer, lag es an der Sehschärfe oder nicht, einen funktionierenden Schaltkreis konnte sie nie abliefern, weil die Lötstellen versagten.

  • Gut, Merkel hat "von Fehlern gelernt" und nun ist sie selbst einer.
    Aber was will sie in einer derart komplexen Angelegenheit tun, wo jeder das blaue vom Himmel runter lügt und seinen Vorteil haben will. Sie hätte von vorn herein auf Vertragserfüllung bestehen müssen.

    Und dann muß man sich vor Augen halten, daß Merkel in einer Nischengesellschaft aufwuchs und nie soviel Halunken auf einen Schlag erlebte. Ihre Nische war das Pfarrhaus und eigentlich ist sie dem nach wie vor verhaftet. Sie lebt im Ungefähren und hatte im Speziellen nie eine Begegnung mit Gott.
    So fehlt es ihr auch an Erleuchtung und bleibt trotz des hohen Amtes eine Ostfunzel.

  • Diese Frage könnte Dr. Sauer bestens beantworten.

  • Die klare Linie der Frau Bundeskanzler ist leider der Weg in den Abgrund! Sie hat mit ihrem Gerede von der "Rettung Griechenlands" die "alternativlos" sei, kräftig Öl ins Spekulationsfeuer geschüttet, bzw. den Profit-Turbo bei den Zocker-Banken gezündet. - ACHTUNG: Ich betreibe KEIN Banken-Bashing, kann sehr wohl zwischen Zocker- und ordentlichen Geschäftsbanken unterscheiden - Hätte Sie, gleich zu Beginn der Krise darauf gedrängt zu tun, was immer noch getan werden muß - ein Schuldenschnitt Griechenlands, der vorübergehende Austritt aus dem €uro, ein "Alles-auf-Anfang" für die Griechenland - dann hätten wir mit unseren Rettungsüberweisungen vielleicht wirklich etwas erreichen können. Nämlich Hilfe zur Selbsthilfe geben, den kleinen Sparern und Geschäftsleuten in Griechenland das Schlimmste ersparen, den Wiederaufstieg der griechischen Wirtschaft als freundlicher Partner begleiten können. Vor allem wäre unser "Rettungsbeitrag" nicht in die Taschen von Onassis & Co. geflossen, die derzeit bei Kaviar und Champagner auf die Dummheit unserer Regierungs"elite" anstoßen! Daß eine konservativ-liberale Koalition die wichtigsten Ordnungsmechanismen der freien Marktwirtschaft derart katastrophal außer Kraft setzt, die Spekulationsverluste einiger großer Zocker derart ungeniert der eigenen Bevölkerung aufhalst - das hätte sich nicht einmal Eduart Schnitzler (der vom "Schwarzen Kanal") träumen lassen!

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