Schuldenkrise
Die unfassbare Kanzlerin

Angela Merkel eiert in der Eurokrise herum: Die Banken will sie notfalls wieder retten, doch ihr Beitrag bei einer Griechen-Pleite könnte steigen. Griechenland will sie auffangen, deutet aber einen Schuldenschnitt an.
  • 52

BrüsselAngesichts der aufkeimenden Angst vor einer neuen Bankenkrise geht Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zurück auf Los und stellt sicher geglaubte Entscheidungen der EU in der Schuldenkrise infrage. Zwar erklärte sich Merkel am Dienstag nach einem Treffen mit EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso grundsätzlich bereit, Banken im Notfall wie 2008 erneut mit Steuergeld zu retten: „Die deutsche Bundesregierung (...) steht bereit, wenn notwendig, eine solche Kapitalisierung der Banken durchzuführen. Die Zeit drängt.“ Sie deutete an, dass das Thema womöglich schon beim nächsten EU-Gipfel am 17. Oktober auf der Tagesordnung stehen könnte. „Wenn es notwendig ist, dass wir auf dem europäischen Rat darüber reden, dann sind wir auch dazu bereit“, betonte sie.

Die Verantwortung für die Rekapitalisierung sieht Merkel in erster Linie bei den Banken. Sollten diese bei ihren Bemühungen scheitern, sollten die Nationalstaaten helfen, erläuterte sie ihre Überlegungen. Erst wenn ein Land dazu nicht in der Lage sei und die Stabilität des Euro gefährdet sei, sollte ein Einspringen des EFSF in Erwägung gezogen werden. Eine Rolle des EFSF hatte zuvor die Direktorin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, angeregt.

Gleichzeitig schuf Merkel neue Unsicherheit, was die Beteiligung der Finanzinstitute an einer Umschuldung Griechenlands angeht: Weitere Entscheidungen über einen möglichen Schuldenschnitt für Griechenland machte sie von den Erkenntnissen der sogenannten Troika aus Experten von EU, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) abhängig. Man habe Resultate vom 21. Juli, bei denen man eine freiwillige Beteiligung privater Gläubiger habe, sagte Merkel am Mittwoch in Brüssel. Nun müsse man schauen, „ob die aktuellen Zahlen Griechenlands noch zu diesen Beschlüssen passen“ oder ob Änderungen nötig seien. Auf Basis des Troika-Berichts werde man dann entscheiden, „wie wir weiter fortfahren“, sagte sie. „Deshalb warten wir auf diesen Troika-Bericht und werden dann das Notwendige tun.“    

Die Mitgliedschaft Griechenlands in der Eurozone stellte Merkel nicht grundsätzlich in Frage. „Ich sehe die Notwendigkeit, dass Griechenland Teil des Euroraums bleibt“, betonte sie. Das Land müsse die Chance bekommen, wieder auf die Beine zu kommen. „Wir wollen dort auch Wachstum, nicht nur immer neue Belastungen.“ Wann der Troika-Bericht vorliegen wird, ist noch unklar. Die Experten von EU, EZB und IWF, die die Sparbemühungen der Griechen unter die Lupe nehmen, sind noch vor Ort.

Kommentare zu " Schuldenkrise: Die unfassbare Kanzlerin"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Helmut Kohl, Kanzler der Wiedervereinigung Deutschlands. Kanzlerin Merkel, größte Schuldenmasse auf dem besten Wege zum Staatsbankrott. Da hilft nur noch Abwahl und Gegendemonstration.

  • Erst das Geld der reichen Griechen aus der Schweiz (und sonstwoher) zurück, vorher keinen Cent mehr für dieses Land!

    Denn es sind die reichen Griechen die das Land geplündert haben und vergammeln liessen. Die Masse der Bevölkerung trifft keine Schuld.

    Merkel sollte das endlich mal differenzierter ansprechen, nicht immer nur "Die Griechen".

  • Was könnten wir in Deutschland (oder auch Nordeuropa) alles für tolle Dinge mit diesen Mengen an Geld machen!!!

    Unsere Wirtschaft (Nord EU) würde eine Rendite erzielen, von der wir allen Griechen (ausser den 10% Reichen Gri. , die haben es nämlich schon in der Schweiz und rücken es nicht mehr raus!) eine monatl. Rente bei absoluten Nichtstun zahlen könnten!

    Merkel müsste endlich kapieren, dass man nicht immer alle mitnehmen kann, wenn das Boot am Untergehen ist. Aber irgendwie wird die wohl täglich "Eurormantisch" bedampft und eingenebelt.

    Ich frage mich: Würden die Griechen (oder Italiener oder Portugiesen) das alles auch für uns machen?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%