Schuldenkrise
„Ein Euro-Austritt Italiens wäre Ultima Ratio“

Italiens Schuldendilemma nimmt immer bedrohlichere Ausmaße an. Ökonomen setzen darauf, dass eine neue Regierung die Staatsfinanzen in den Griff bekommt. Andernfalls ist auch ein Euro-Austritt nicht ausgeschlossen.
  • 26

DüsseldorfDieses Szenario hatte bislang wohl noch keiner der Euro-Retter auf dem Zettel: Italien versinkt immer tiefer im Schuldensumpf. Und weil die Politik in Rom es nicht schafft, die Staatsfinanzen für die Märkte glaubwürdig in den Griff zu bekommen, eskaliert die Lage so weit, dass selbst ein Austritt des Landes aus dem Euro als letzte Möglichkeit in Betracht gezogen werden könnte.

Tatsächlich entwickelt sich die Lage in Italien trotz der Rücktrittsankündigung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi nicht zum Guten. Angesichts des Machtgerangels in Rom verloren die Investoren am Mittwoch die Geduld und zogen sich aus risikobehafteten Anlagen wieder zurück.

Der Dax fiel um ein Prozent auf 5900 Punkte. Der Euro gab binnen Minuten einen halben US-Cent nach und rutschte auf ein Tagestief von 1,3736 Dollar. Die Rendite für zehnjährige italienische Staatsanleihen zog bis auf 7,005(spätes Vortagesgeschäft: 6,757) Prozent an. Die Risikoaufschläge zur vergleichbaren Bundesanleihe waren so hoch wie noch nie seit Einführung des Euro. Die zehnjährigen Bundesanleihen bauten frühe Verluste ab und stiegen um 50 Ticks auf 100,91 Zähler. Die Rendite lag bei 2,0256 Prozent.

„Die große Hoffnung ist, dass Berlusconi abtritt und danach glaubwürdig Reformen angegangen werden“, sagte ein Händler. „Aber das Gerangel geht nun schon seit Tagen und immer noch ist nichts gelöst. Man muss auch die Frage stellen: Was kommt nach Berlusconi? Schafft es irgendjemand, die ganzen Parteien an einen Tisch zu bekommen?“

Berlusconi hat seinen Rücktritt in Aussicht gestellt und den früheren Justizminister Angelino Alfano als Nachfolgekandidaten genannt.

Es sei „eine Frage von Tagen“, bis die von der Europäischen Union geforderten Reformen das Parlament passiert hätten, sagte der italienische Staatspräsident Giorgio Napolitano.

Am Mittwochabend berichtete das Staatsfernsehen, die Finanzreformen könnten bereits bis kommenden Samstag gebilligt sein.

Das Präsidialamt gab unterdessen überraschend die Ernennung des möglichen Berlusconi-Nachfolgers Mario Monti zum Senator auf Lebenszeit bekannt. Personen, denen die Auszeichnung Senator auf Lebenszeit zuteil wird, verfügen über Wahlrechte im Senat. Der ehemalige EU-Wettbewerbskommissar Monti wird als Favorit für den Spitzenposten einer möglichen Technokraten-Regierung in Italien gehandelt.

In dieser Gemengelage brachte der weltweite Chef für Rate-Research bei der Deutsche Bank AG, Dominic Konstam, einen Euro-Austritt Italiens ins Spiel. Er begründete dies aber nicht etwa nur mit den aktuellen politischen Ungewissheiten. Er nannte vielmehr die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Euro-Zone insgesamt, die sich in den kommenden Wochen deutlich verschlechtern könnten, als Grund. So könnten sich die Probleme Italiens im Fall einer europäischen Rezession noch weiter verschärfen,  sollte es den Euro-Ländern nicht gelingen, die Schuldenkrise zu bewältigen.

Für die Italiener stelle sich dann die Frage, „ob sie eine sehr starke Rezession durchmachen wollen, die ihnen förmlich übergestülpt wird, weil es nicht gelingt, die Finanzkrise zu lösen“, sagte Konstam in einem Interview mit Bloomberg TV. „Oder werden sie irgendwann sagen: 'Hört zu. Wir könnten zurückgehen und da weitermachen, wo wir aufgehört haben. Also zu einem Zeitpunkt, als wir noch unsere eigene Währung hatten und in der Lage waren, moderatere  Zinssätze und starkes Wachstum zu erzielen.' Das ist die wirkliche  Herausforderung für Italien.“

Kommentare zu " Schuldenkrise: „Ein Euro-Austritt Italiens wäre Ultima Ratio“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @Morchel

    Die Welt ist nicht "böse", ist ist wie sie ist.

    Was ich nun en detail "lernen muss", darüber habe ich glücklicherweise selbst entschieden - und es geschafft, noch heute jeden Tag etwas neues dazuzulernen, damit ich etwas _weiss_, wenn ich über die Dinge rede - und mir die Dinge aus Nichtwissen heraus zurechterklären (lassen) muss, um am Ende verschwörungstheoretischen Quark zu posten ;-)

    Wenn Sie nachkontrollieren möchten, was ich am jeweiligen Tag dazugelernt habe, besuchen Sie mich doch einfach:

    www.tv3.de/medienverlag/news-aus-radio-und-presse.html

  • Ein Hacken hat ihre Diskussion geschreibsel. Wer hat den Michel gefragt ob er die EU - Diktatur überhaupt wollte niemand man hat sie ihn einfach verordnet. sein einziger fehler besteht darin fleissig zu sein und damit als Melkkuh zu dienen. So sieht das Ausland das.

  • @ hardy der Tagträumer Sie meinen also so reagieren zu müssen die Welt ist böse, grausam, alle wissen es, verkennen die Realität vollkommen weil ihr hohles Geschwätz nur ein Teil des Lebens ausmacht. Sie werden es lernen müssen, werden es lernen und bei dieser Lektion sollten sie froh sein wenn Sie auf jemanden treffen wie Ein Leser. Die Welt besteht aus ein Haifischbecken nur wenns nichts mehr gibt was der Hai noch fressen kann beschleicht ihn das Gefühl unangenehm, irgendwas stimmt nicht wo ich doch nur die schwachen gefressen habe. Nichts ist von Dauer was keiner recht will.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%