Schuldenkrise eskaliert

Spanien wankt

Die Zeichen mehren sich, dass es das schuldengeplagte Spanien ohne Hilfe seiner EU-Partner nicht schaffen wird. Ein großer Markteingriff könnte bevorstehen – unter Führung der EZB, die sich aber selbst nicht einig ist.
Update: 27.07.2012 - 15:45 Uhr 88 Kommentare
Spanischer Torero wird von einem Stier auf die Hörner genommen. Quelle: dpa

Spanischer Torero wird von einem Stier auf die Hörner genommen.

(Foto: dpa)

Frankfurt/DüsseldorfIn der Spanien-Krise überschlagen sich die Ereignisse. Nach der Europäischen Zentralbank (EZB) wollen nun auch Deutschland und Frankreich die Euro-Zone mit allen Mitteln absichern. In einer gemeinsamen Erklärung von Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Francois Hollande hieß es am Freitag mit Blick auf beide Länder: "Sie sind entschlossen, alles zu tun, um die Eurozone zu schützen." Merkel und Hollande forderten: "Hierfür müssen die Mitgliedstaaten, wie auch die europäischen Institutionen, jeweils in ihrem eigenen Kompetenzbereich, ihren Verpflichtungen nachkommen." Zudem müssten die Schlussfolgerungen des letzten Euro-Gipfels von Ende Juni für eine langfristige Sicherung der Eurozone "rasch" umgesetzt werden. Die Aussagen sind sehr vage. Unklar ist, wie ein Feuerwehreinsatz aussehen könnte.

Deutlich mehr Aufschluss geben Medienberichte, denen zufolge die (EZB wohl Käufe von spanischen und italienischen Staatsanleihen vorbereitet, um das Land vor dem Absturz zu bewahren. Durch einen solchen Markteingriff würde die Refinanzierung günstiger, weil die Renditen sinken und damit der Zinsdruck nachlässt. Die Rettungsaktion wird wohl die EZB nicht alleine durchführen. Es scheint eine konzertierte Aktion zu sein, die sich seit Dienstag angebahnt haben könnte.

An diesem Tag hatte sich Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble mit seinem spanischen Kollegen Luis de Guindos getroffen. Offiziell hieß es danach, Schäuble hätte der spanischen Regierung bei ihrer Reformpolitik erneut Rückendeckung gegeben. Das hohe Zinsniveau für spanische Anleihen spiegle nicht die wahre wirtschaftliche Lage des Landes wider.

Heute, drei Tage später, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters über Details aus dem Gespräch. Spanien soll demnach erstmals eingeräumt haben, dass es wegen der Schuldenkrise möglicherweise das volle EU/IWF-Rettungsprogramm mit einem Volumen von 300 Milliarden Euro in Anspruch nehmen muss. Aus Kreisen der Euro-Zone will Reuters zudem erfahren haben, dass Deutschland der Gedanke aber nicht gefallen habe, dass das volle Programm in Anspruch genommen werde. "Nichts wird geschehen, bis der ESM einsatzfähig ist." Dann könne erneut diskutiert werden. Erwartungsgemäß wiegelte die Regierung in Madrid ab und erklärte, zu derartigen Plänen gebe es weder Überlegungen noch sei darüber diskutiert worden.

Wie dem auch sei, im weiteren Verlauf deuteten noch weitere Umstände darauf hin, dass Spanien ohne Hilfe den immensen Refinanzierungsbelastungen nicht mehr gewachsen sein könnten. So warnte in dieser Woche eine Gruppe von 17 renommierten Ökonomen, darunter zwei Mitglieder des Deutschen Sachverständigenrates, vor einer dramatischen Verschärfung der Euro-Schuldenkrise und verlangte ein schnelles Umsteuern – ansonsten „schlafwandle“ Europa auf eine Katastrophe mit unkalkulierbaren Ausmaßen zu. Die Experten beschrieben die Situation einer nicht-endenden Krise, in der ein Dominostein nach dem anderen falle. Der bislang letzte Dominostein, Spanien, stehe kurz vor einer Liquiditätsspritze.

Nicht nur für die Ökonomen ist die Schmerzgrenze für Spanien bereits überschritten. Spaniens Außenminister José Manuel García Margallo sieht das Zinsniveau als „nicht tragbar". Spanische Regierungsvertreter funken schon länger SOS und fordern vehement Unterstützung der EZB. Die Notenbanker könnten die Renditen durch Anleihekäufe drücken. Doch sie weigern sich, ihr seit März ruhendes Aufkaufprogramm wieder zu starten. Sie drängen vielmehr die Politiker, Lösungen für die Euro-Krisenländer zu finden. Doch seit Donnerstag ist das Geschichte.

Die Eingriffs-Möglichkeiten der EZB
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88 Kommentare zu "Schuldenkrise eskaliert: Spanien wankt"

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  • Italien hat das was die selbsternannte Grande Nation nicht hat, nämlich einen guten, wohlhabenden Mittelstand in Norditalien. Ohne den Süden wäre Italien fast auf Augenhöhe mit Deutschland. Das kann die "Grande Nation" bei weiten nicht mithalten.

    Die Probleme Frankreich werden nur unter den Tisch gekehrt. Lagarde ist Chefin des IWF. Die wird nie und nimmer die Probleme Frankreich auf den Tisch bringen. Und in Berlin und den anderen Hauptstätten wird das Thema aus politischen Gründen unter den Tisch gekehrt. Um so schlimmer ist dann das erwachen.

  • Der französische Präsdident Hollande zieht zur Rettung des EURO die Arschkarte. Er würgt den französischen Aktienmarkt ab indem er ab dem 01. August 2012 eine Finanztransaktionssteuer in Höhe von 0,2% auf Aktienkäufe von Unternehmen mit Sitz in Frankreich erheben läßt. Man sieht Frankreich steht das Wasser auch schon bis zum Hals. Bald muss es auch unter den Rettungsschirm...noch vor Italien???????? Wie man inzwischen weiß, ist nur der vor weiteren Einzahlungen in den Rettungsschirm geschützt, der Insolvenz anmeldet. Den letzten beißen die Hunde.

  • Dass gerade Deutschland zo genuesslich auf Spanien rumhackt,
    ist bedauernswert! War Mallora und der Rest Spaniens doch
    das Traumland fuer alle. Jeder kaufte Wohnungen und baute
    Haeuschen, aber bei der ersten Wolke waren alle blitzschnell
    wieder verschwunden! Deutschland mit immer erhobenen Zeige-finger, um den anderen zu sagen, was sie zu tun haben.
    Dabei hat Deutschland auch einen erheblichen Schuldenberg,
    von dem man aber nichts liest.

  • @hasstnicht

    "Charlie Chaplin"

    Vielen Dank für diesen freundlichen Hinweis, welcher dem aufmerksamen Leser meines Aufsatzes vom 26. Juli,
    Titel: "Spannungsfelder zwischen Elysion und Tartaros"
    http://www.fortunanetz.de
    nicht entgangen sein dürfte.

  • @Comun

    "Das Handelblatt ist schon seit längerer Zeit Sprachrohr und Forum der Europahasser, der rechten Chauvinisten und des vulgären Pöbels."

    Mit Ihrem semantischen Sondermüll haben Sie - vermutlich unabsichtlich - das Handelsblatt und die überwiegende Anzahl der Foristen geadelt.

    Besten Dank dafür!

    Als Bonus hier noch eine kostenlose Nachhilfe zu Demokratie und Meinungsfreiheit:

    "Ich mag verdammen, was Du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass Du es sagen darfst."

    Quelle:

    Redefreiheit

    Voltaire, 1694 – 1778, französischer Philosoph und Schriftsteller


  • Diesen Barbaren sollte man schon allein wegen der Stierkämpfe keine Hilfe zukommen lassen. Diese Barbaren sollte sich z.B. an Ireland orientieren. Die haben zwar keine solch bararischen Traditionen, aber sind auf aller besten Weg ihre Probleme zu bewältigen weil das Volk da mit spielt und es auch will. Ich zeihe meinen Hut vor denen.

  • Da die Geldschoepfung in privaten Haenden liegt, sind alle darin involvierten Staaten Weisungsempfaenger der Kapitalindustrie. Zur Zeit erhalten die involvierten Staaten und Voelker den Beweis: Geld regiert die Welt.
    Und wir sehen tatenlas zu, wie die Finanzindustrie die Voelker auspluendert, und die involvierte Politik zum Erfuellungsgehilfen degradiert.
    Wenn das Geld seinen Sinn erfuellen soll, dann hat das Geld dem Volk und den Volkswirtschaften zu dienen!

  • Man muss über die Ausgabenpolitik der Regierung reden und was das für die Leute konkret bedeuten wird. Und das mit Zahlen belegen, so dass deutlich wird, was los ist. Die Leute über den ESM aufzuklären als ein Instrument von vielen, aber Hauptfokus auf, wieviel Geld wurde verbraten, wieviel stehen aus als Bürgschaften und was sind die Effekte. Wenn man den Leuten erklärt, dass das Ganze einen deutlichen Impakt auf ihre Lebensqualität haben wird, dann wird man schon hellhörig werden.

  • 1 Billion? Momentan vielleicht. Aber wird es so bleiben? Ich glaube, dass das eine effektive Unterschätzung ist. Wieviele Banken sind marode? Wieviele Wohnungen wurden in Spanien gebaut? Ist es im Umfang nicht vergleichbar mit den US, was die Anzahl von Immobilien betrifft? Naja und auch, was die Kreditvergabe betrifft.
    Wie kann man nur so bescheuert sein und nach 2008 noch voll auf dem Dampfer weiterzumachen? Da gibt es doch keine anderen Worte dafür. Nachdem, was in den US passiert ist, genau dasselbe drei Jahre später in Spanien! Wie wird man eigentlich Banker in Spanien?

  • Wo unterschwellig immer noch Rassismus und Neid eine Rolle spielen.

    @Netshadow, bleiben Sie menschlich. Unterschwellig...noch....Rassismus und Neid sind menschlich eingebackene - wie soll ich sagen - Handlungsmechanismen und bitte nicht damit kommen, Sie hätten das nicht. Project implicit in Harvard hat sich mit dieser Angelegenheit ausführlich befasst.
    Rassismus hat, in der ursprünglichen Form, mit der Erhöhung der eigenen Lebenschancen bzw. seines genetischen Materials zu tun. (Ohne jetzt irgendwas was Faschistisches drausmachen zu wollen). Eine Mutter wird erst ihre Kinder retten bevor sie dem Nachbarn hilft (ausser der bietet einen Vorteil, um die eigenen Kinder zu retten). Das ist biologisch so festgelegt und man sollte sich davon bewusst sein. Rechtfertigt keinen Rassismus. Rechtfertigt allerdings auch keine Aufweichung der Geldmenge, wie das bereits geschehen ist, momentan geschieht und man es in Zukunft plant.

    Über den Neid und ob der sich irgendwann legen wird, das bedarf keines Kommentars.

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