Schuldenkrise
EU droht Streit über Griechenland-Rettungsschirm

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist gegen eine Verlängerung der Rettungsschirme für hochverschuldete Staaten. Doch in den Schuldenstaaten sieht man das offenbar anders. Laut Griechenlands Finanzminister Giorgos Papakonstantinou könnte eine Verlängerung nötig werden.
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HB ATHEN. Auf die EU könnte ein Streit über die milliardenschweren Hilfen an Griechenland zukommen. Griechenlands Finanzminister Giorgos Papakonstantinou sagte am Montag laut Vorab-Bericht des Senders Skai TV, es werde über eine zeitliche Verlängerung des 110 Mrd. Euro schweren Hilfspakets von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) diskutiert. Darüber werde deshalb gesprochen, weil die Summe der Schulden, die sein Land auslösen müsse, von 40 bis 50 Mrd. Euro jährlich auf je rund 70 Mrd. Euro in den Jahren 2014 und 2015 ansteige. Es sei aber noch keine Entscheidung gefallen und auch noch keine Anfrage gestellt worden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte Ende September einer Verlängerung der Rettungsschirme für hochverschuldete Staaten in der EU eine klare Absage erteilt. Benötigt würden vielmehr "andere Prozeduren", um mit solchen Problemländern künftig umzugehen und sie zur Einhaltung der Stabilitätsregeln zu bringen. "Eine einfache Verlängerung der Fonds, wie wir sie haben, wird es mit Deutschland nicht geben", hatte sie erklärt.

EU und IWF hatten im Frühjahr einen 110 Mrd. Euro schweren Schutzschirm für Griechenland aufgespannt, weil das Land angesichts seiner ausufernden Schulden neue Kredite an den Finanzmärkten nur noch zu Zinssätzen bekommen hätte, die das Land in den Ruin hätten treiben können. Auf die EU entfallen 80 Mrd. Euro für das Paket, auf den IWF 30 Milliarden.

Daneben hatten EU und IWF auch einen 750 Mrd. Euro schweren Rettungsschirm für angeschlagene Länder im Euro-Raum aufgespannt. Beide Projekte sollten nach drei Jahren auslaufen.

Der IWF hatte am Sonntag erklärt, derzeit keine Verlängerung der Griechenland-Hilfe in Erwägung zu ziehen. Es gebe zwar die Möglichkeit einer Verlängerung oder einer neuen Schutzschirm-Vereinbarung mit einer längeren Laufzeit, falls die Risiken zur Refinanzierung an den Märkten fortbestünden, hatte eine Sprecherin gesagt. Konkrete Überlegungen, dies auch umzusetzen, gebe es aber nicht. Zuvor hatte das EZB-Ratsmitglied Lorenzo Bini-Smaghi mit Blick auf Griechenland gesagt, es käme häufiger vor, dass der IWF kurzlaufende Vereinbarungen durch länger laufende ersetze, falls der Schuldner zuvor seine Pflichten erfüllt habe.

Kommentare zu " Schuldenkrise: EU droht Streit über Griechenland-Rettungsschirm"

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  • @Leertasche
    wenn es so ist, dann mit Sicherheit auch dank jahrelanger deutscher Waffenlieferungen und von deutschen industrieriesen subventionierter Korruption. Da haben deutsche Unternehmen fette Profite realisiert. Jetzt wird dem Land zusätzlich ein "Rettungsschirm" gewährt leider zu Konditionen, die bei Weitem über dem Marktzins liegen. D.h. der gepriesene Retter kassiert doppelt und stürzt den Schuldner weiter in einen noch höheren Schuldenberg.

  • PAPPERLAPAPP - GRiECHENLAND iST PLEiTE !
    Auch unter den derzeit veränderten bedingungen bleibt meiner Rechnung nach für die griechische Nachfolgegeneration ein desaströses bild. Sie sollten ihr Heil in einem anderen Land suchen. Eine Verlängerung des Schuldenkontingents führt, da sollte man einfach Frau Merkel recht geben, nicht weiter. Das Land ist verloren, aus eigenem Verschulden.

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