Schuldenkrise
EU-Kommissarin fordert Euro-Bonds der Kernstaaten

Gemeinsame Anleihen aller Euro-Staaten scheitern bisher am Widerstand Deutschlands. EU-Kommissarin Viviane Reding bringt deswegen eine neue Variante ins Spiel: Anleihen der wohlhabenden Euro-Staaten aus dem Norden.
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Hannover/BrüsselDie EU-Kommission will gemeinsame Staatsanleihen der sechs verbliebenen Euro-Staaten mit Top-Bonität einführen. „Ich schlage (...) vor, dass alle Euro-Staaten die eine Bestbewertung haben - die „AAA“-Staaten Frankreich, Deutschland, Luxemburg, Österreich, die Niederlande und Finnland - ihre Anleihemärkte zusammenlegen“, sagte die stellvertretende Kommission-Chefin Viviane Reding der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“. Sie fügte hinzu: „Das wäre dann ein großer kerneuropäischer Anleihenmarkt - ein Fels in der Brandung, mit starker Liquidität und Bonität.“

Anders als bei einer Einführung gemeinsamer Staatsanleihen aller Euro-Länder, sogenannter Eurobonds - sei bei einem solchen Bündnis der AAA-Staaten keine Änderung der EU-Verträge nötig, betonte Reding. Eurobonds lehnt vor allem die deutsche Regierung vehement ab.

Bei dem von Reding vorgestellten Plan würde das von den AAA-Staaten aufgenommene Geld erst in einem zweiten Schritt an notleidende Staaten wie Griechenland weitergegeben. Die Staaten mit sehr guter Bonität übernähmen das Haftungsrisiko; die Sorgenkinder müssten letztlich niedrigere Zinsen für ihre Kredite bezahlen. Erstmals hatte Reding den Vorschlag am 14. September im Rahmen einer Podiumsdiskussion in Paris vorgebracht.

Reding beklagte in dem Interview, angesichts des „zerstückelten“ europäischen Anleihemarktes könnten einzelne Staaten derzeit leicht angegriffen werden. Ein gemeinsamer Anleihemarkt der Triple-A-Staaten hingegen könne stabilisieren eingreifen: „Das wäre dann ein Kerneuropa, das entwicklungsfähig ist“, sagte die Kommissarin.

Gegen den Vorstoß Reding regt sich bereits massiver Widerstand in Deutschland. „Das wäre ein erneutes Schleifen der Regeln und der Einstieg in die Sozialisierung der Schulden in Europa“, sagte der Finanzexperte der FDP-Bundestagsfraktion, Frank Schäffler, Handelsblatt Online. „Der Versuch zeigt in erschreckender Weise, dass die Kommission selbst nicht an den Erfolg des EFSF und des ESM glaubt, sonst würde sie nicht jeden Tag eine neue Sau durchs Dorf treiben“, kritisierte das FDP-Bundesvorstandsmitglied. „Wer Europa stärken will, muss von diesem trojanischen Pferd absteigen, solange es noch geht.“

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Dietmar Neuerer
Dietmar Neuerer
Handelsblatt / Reporter Politik

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  • Frankreich hat kein AAA verdient und wird es auch nicht mehr lange haben. Deshalb wollen sie gemeinsame Anleihen und sich weiter zu überschulden! Das ist genau der falsche Weg!

    Wie wäre es endlich mal mit sparen, wie es jede vernünftige Privatperson macht?

  • locker bleiben Leute !
    da wird ein Soldat aus der 2. oder 3. Riehe an die Front geschickt und darf einmal laut nachdenken, was man eigentlich schon wissen sollte.
    Es wird der Begriff "Kerneuropa" in den Ring geworfen.
    Jetzt ist unter vorgehaltener Hand bekannt, wer bleiben "darf".
    Der Rest sollte doch bitte schön aus dem Euro aussteigen.
    Oder habe ich hier etwas falsch verstanden ?

  • Wer hat diese verknitterte Dame eigentlich gewählt? Und mit welchen Recht stellt sie diese Forderungen? Haben diese EUROBonzen eigentlich schon einmal etwas von Demokratie gehört? Lasst uns endlich über EUropa abstimmen!

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