Schuldenkrise
Euro-Gruppe gibt 35,5 Milliarden Euro für Griechenland frei

Die Eurogruppe hat am Freitag 35,5 Milliarden Euro für die Abwicklung des griechischen Schuldenschnittes freigegeben. Das teilte Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker nach einer Telefonkonferenz der Finanzminister mit.
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Die Finanzminister der Euro-Zone haben das zweite Hilfspaket für das pleitebedrohte Griechenland zum Teil freigegeben. Bei einer Telefonkonferenz einigten sie sich am Freitag darauf, dass 30 Milliarden Euro zur Unterstützung des Schuldenschnitts plus 5,5 Milliarden Euro für die Begleichung aufgelaufener Zinsen nun bereit stehen. Das teilte Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker mit, ohne Zahlen zu nennen.

Das Rettungspaket umfasst insgesamt 130 Milliarden Euro. Eine endgültige Entscheidung über das Gesamtpaket soll dem Vernehmen nach Anfang kommender Woche bei einem Treffen der Euro-Finanzminister in Brüssel fallen.

Am Freitagmorgen hatte Griechenlands Regierung mitgeteilt, dass sich die privaten Gläubiger des Landes mit großer Mehrheit am Schuldenschnitt von historischem Ausmaß beteiligen. Damit wäre Griechenland auf einen Schlag rund 100 Milliarden Euro Schulden los und hätte eine wichtige Voraussetzung für dringend benötigte neue Hilfskredite der Euro-Länder erfüllt.

Bei dem geplanten Schuldenschnitt sollen die privaten Gläubiger freiwillig auf Forderungen in Höhe von bis zu 107 Milliarden Euro verzichten. Dazu sollen Banken, Fonds und Versicherungen ihre alten Staatsanleihen gegen neue Schuldpapiere mit einem geringeren Wert und längeren Laufzeiten umtauschen.

Von den griechischen Staatsschulden in Höhe von mehr als 350 Milliarden Euro sind 206 Milliarden Euro in der Hand privater Gläubiger. Wie das Finanzministerium in Athen mitteilte, wollen die Privatgläubiger nun Anleihen im Wert von 172 Milliarden umtauschen. Das entspricht einer Beteiligung von insgesamt 83,5 Prozent. Bei den nach griechischem Recht aufgenommenen Schulden wurde sogar eine Beteiligungsquote von 85,8 Prozent erreicht.

Finanzminister Evangelos Venizelos sprach im Parlament von einem "beeindruckenden und unerwarteten Erfolg". Die Beteiligung der Gläubiger habe alle Erwartungen und historischen Vorbilder übertroffen. Athen hatte für den Schuldenschnitt ursprünglich eine freiwillige Beteiligung von mindestens 90 Prozent angestrebt. Die Gläubiger mit Anleihen nach griechischem Recht, die ihre Zustimmung bislang verweigerten, sollen nun zum Anleihentausch gezwungen werden. Dazu will Athen Umschuldungsklauseln aktivieren, die das Parlament Ende Februar verabschiedet hatte.

Die Beteiligung am Schuldenschnitt würde nach diesem Zwangsumtausch bei 95,7 Prozent liegen. Die Gläubiger mit Anleihen nach ausländischen Recht sollen zudem noch zwei Wochen Zeit bekommen, um sich doch
noch für einen Umtausch zu entscheiden.

Der Schuldenschnitt ist Voraussetzung für ein zweites internationales Hilfspaket in Höhe von 130 Milliarden Euro. Ohne die Hilfskredite der Euro-Länder wäre Griechenland noch im März pleite, weil es seine Schulden nicht mehr begleichen könnte.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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