Die ausgehebelten Euro-Retter

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Eurozone ohne Brandmauer

Abzüglich der Rettungspakete, die der EFSF bereits für Portugal, Irland und Griechenland geschnürt hat, verbleiben rund 250 Milliarden Euro im Rettungstopf. Das nächste Land, das kurz davor ist, bei EFSF-Chef Klaus Regling anzuklopfen, heißt Italien: Rom zittert bereits vor den Finanzmärkten. Am Dienstag konnte sich das Land zwar erfolgreich am Finanzmarkt neue Kredite besorgen. Doch nur für Rekordzinsen von acht Prozent bekommt Bella Italia überhaupt noch frisches Geld. Analysten halten Zinsen von mehr als sieben Prozent langfristig für nicht tragfähig.

Staatsfinanzierung Der Billionenhunger europäischer Staaten

  • Staatsfinanzierung: Der Billionenhunger europäischer Staaten
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Allein 2012 muss Italien 307 Milliarden Euro an auslaufenden Staatsanleihen refinanzieren - fast ein Fünftel seiner Wirtschaftsleistung. Um Hilfen für Italien aufzulegen, müsste sich der EFSF also wahrscheinlich bereits Geld bei Privatinvestoren besorgen. Das könnte noch gelingen, weil der Fehlbetrag von ca. 60 Milliarden Euro vergleichsweise klein ist. Doch sobald Italien einmal Finanzhilfen beantragt, dürfte das Land auf dem freien Kapitalmarkt für lange Zeit überhaupt keinen Kredit mehr bekommen. Italien - und mit ihm seine gesamte Staatsschuld von 1,8 Billionen Euro - würde dann zumindest vorübergehend am EFSF-Tropf hängen.

Damit würde ein Investment privater Kapitalgeber in den Rettungsschirm noch unwahrscheinlicher. Der Kredithebel hängt vom Vertrauen der Märkte ab: Italiens Schulden sind so groß, dass sie jeden Investor abschrecken müssen. Der „Kredithebel“ würde damit vollends zusammenbrechen, die Eurozone stünde ohne Brandmauer da.

Weil der EFSF in seiner jetzigen Form Italien nicht stemmen könnte, hat das Land nach Informationen von mehreren Eingeweihten angeblich bereits beim Internationalen Währungsfonds (IWF) erste Gespräche über Finanzhilfen geführt. Angeblich geht es um ein Notpaket von 400 Milliarden Euro. Der IWF-Beitrag könne womöglich um Kredite nationaler Zentralbanken der Euro-Zone aufgestockt werden, eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen, sagten mehrere mit dem Vorgang Vertraute. Der IWF, einst gegründet um Entwicklungsländer vor der Pleite zu retten, soll nun den Bankrott des viertgrößten Industrielandes der Welt verhindern.

Das sind Italiens größte Probleme

  • Der Schuldenberg

    Italien schiebt nach Griechenland den größten Schuldenberg aller Euro-Länder vor sich her: Er ist rund 1,9 Billionen Euro groß, was 120 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung entspricht. Die EU-Verträge erlauben nur eine Obergrenze von 60 Prozent. Der Berg wird noch weiter wachsen, weil die Regierung erst ab 2013 ohne neue Schulden auskommen will.

    In diesem Jahr erwartet sie eine Defizit von 3,8 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, 2012 soll die Neuverschuldung auf 1,4 Prozent fallen.

  • Hohe Neuverschuldung

    Auch bei der Neuverschuldung dürfte Italien in diesem und im kommenden Jahr die Defizitgrenze von drei Prozent reißen: Die EU-Kommission rechnet mit einem Minus von 4,0 und 3,2 Prozent. Erst 2014 will die Regierung ohne neue Schulden auskommen.

  • Schwaches Wachstum

    Im Vergleich zu den anderen großen Euro-Ländern Deutschland und Frankreich kommt Italien nicht in Schwung. Die EU-Kommission senkte erst vor wenigen Tagen ihre Wachstumsprognose für 2011 von 1,0 auf 0,7 Prozent. Zum Vergleich: Die gesamte Währungsunion dürfte mit 1,6 Prozent mehr als doppelt so schnell wachsen. Rasche Besserung ist nicht in Sicht: Italien macht zu schaffen, dass die Exporteure ihre Waren vorwiegend an andere Euro-Länder liefern und damit nicht so stark vom Boom der Schwellenländer profitieren wie ihre deutschen Konkurrenten. Gleichzeitig leidet die Binnenwirtschaft unter schrumpfenden Bauinvestitionen. Der private Konsum kommt wegen der hohen Arbeitslosigkeit und steigender Preise nicht recht in Schwung. Er leidet zudem unter Steuererhöhungen der Regierung, die im Kampf gegen die hohen Schulden beispielsweise die Mehrwertsteuer von 20 auf 21 Prozent angehoben hat.

  • Export und Konsum

    Demnach verlieren Italiens Exporteure Weltmarktanteile, weil sie ihre Produkte vorwiegend in die anderen Euro-Länder liefern und damit nicht so stark vom Boom der Schwellenländer profitieren wie ihre deutschen Konkurrenten. Gleichzeitig leidet die Binnenwirtschaft unter schrumpfenden Bauinvestitionen. Auch der private Konsum dürfte wegen der hohen Arbeitslosigkeit und steigender Preise nur moderat zulegen.

Auch wenn Italien nur kurzfristig unter den Rettungsschirm flüchten sollte, würde sein Fall dem EFSF einen Stoß versetzen, der den Fonds wahrscheinlich zum Einsturz bringt. Denn der Fall Italiens würde wie ein Schock wirken. Das nächste Euro-Land käme unter Druck, dessen Kreditwürdigkeit die Märkte und die Ratingagenturen bereits angezählt haben: Frankreich. Das Land muss im nächsten Jahr 240 Milliarden Schulden refinanzieren.

  • 01.12.2011, 15:02 Uhrdago138161

    Wenn doch mehrere Tausend Griechen mehr als 150000 Euro Steuern schulden, warum ist man unfähig das zu kassieren?
    Das seien 40-60 Milliarden Euro und auch wer 135000 schuldet sollte besucht werden, oder ? Man müsste auch innerhalb der Eurozone Fluchtgeld der Griechen besteuern,
    und nicht zusehen, wie sie in London Berlin etc teuere Immobilien kaufen und sich sicher über die Eurokrise amüsieren. Aber man war wieder nicht konsequent, man
    beschwichtigt, lässt sich beleidigen und schickt weiter Geld. Na prima !

  • 30.11.2011, 20:02 UhrAnonymer Benutzer: Balu

    Das Geld würde reichen wenn man es vernünftig einsetzen würde. Zinszuschuß anstatt Anleihenkauf. Wenn Italien Geld aufnimmt wird die Anleihe mit 2 Coupons ausgestattet. Ein Coupon von Italien mit festen 4,5% Zins, der notwendige Rest als Coupon vom EFSF. Mit nur 40 Mrd könnten bei einem Zuschuß von 2% bis zu 2 Billionen Schulden bezuschusst werden. Schulden können nur durch Wachstum zurückbezahlt werden denn in einer Rezession brechen die Einnahmen weg. Mit diesem Zuschuß haben die Länder Zeit die notwendigen Reformen durchzuführen. Diese Zinszuschüsse können ebenso je nach Reformfortschritt gewährt bzw. abgelehnt werden.

  • 30.11.2011, 16:49 UhrAnonymer Benutzer: Gerecht

    Fände ich ungerecht. In manchen Südstaaten herrscht 30 % Schattenwirtschaft. In D gibt es für Schwarzarbeit drakonische Strafen, in den Südländern ist das normal, am Staat vorbei zu wirtschaften. Wer zahlt sind die dummen deutschen Verbraucher, während die Südstaaten-Konsumenten weiterhin ihre erfolgreichen Pfade an der Steuer vorbei begehen. Dann lieber Soli bei den Südstaaten oder Reichensteuer.

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