Schuldenkrise
EZB kauft Staatsanleihen

Die Europäische Zentralbank hat sich entschlossen, den Euro mit dem Kauf von Staatsanleihen zu stützen. Zugleich wurden Italien und Spanien zu konsequentem Sparen ermahnt. IWF-Chefin Lagarde lobt die Zusammenarbeit.
  • 24

Frankfurt am Main/LondonDie Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, hat die angekündigten Bemühungen der Europäischen Zentralbank und der sieben führenden Industriestaaten um Finanzstabilität begrüßt. Diese Zusammenarbeit werde dazu beitragen, das Vertrauen an den Finanzmärkten zu erhalten und das globale Wirtschaftswachstum anzukurbeln, erklärte Lagarde am Sonntagabend (Ortszeit) in Washington.

Sie begrüße die Erklärungen der EZB, von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy sowie der G-7, gemeinsam alle notwendigen Schritte zu ergreifen, um Stabilität und Liquidität an den Finanzmärkten zu sichern. Die rasche Umsetzung der beim jüngsten Euro-Krisengipfel im Juli gefassten Beschlüsse sowie des vom US-Kongress gefundenen Kompromisses zur Senkung des US-Defizits seien weitere «entscheidende Elemente für die Finanzstabilität», erklärte die IWF-Chefin.

Im Kampf gegen eine Ausweitung der Schuldenkrise hält die Europäische Zentralbank die Hoffnungen auf ein Eingreifen zugunsten Italiens aufrecht. Die Notenbank sei bereit, ihr Anleihekaufprogramm „aktiv umzusetzen“, erklärte das oberste Entscheidungsgremium der EZB, der 23-köpfige Rat, in der Nacht zum Montag nach mehrstündigen Krisenberatungen. Weitere Einzelheiten dazu nannte er allerdings nicht.

Der Euro hat im frühen Handel in Fernost am Montag zugelegt. Dabei profitierte er von Signalen der Europäischen Zentralbank (EZB), zur Eindämmung der Schuldenkrise italienische und spanische Staatsanleihen zu kaufen. Händlern zufolge wird am Markt nun genau darauf geachtet, wie stark die EZB Staatsanleihen aus der Euro-Zone stützt.

Der Euro legte auf 1,4360 Dollar zu von 1,4280 im späten US-Handel am Freitag. Zeitweise sprang er auf über 1,44 Dollar. Zur japanischen Währung behauptete sich der Euro bei 112,15 Yen. Zum Schweizer Franken gab sie zwar auf 1,0920 Franken nach, lag aber deutlich über ihrem Rekordtief von 1,0719 Franken vom Freitag. Der Dollar geriet wegen der Herabstufung der US-Bonität durch die Ratingagentur S&P unter Druck. Er verlor leicht auf 78,02 Yen und fiel zur Schweizer Währung zeitweise auf ein Rekordtief von unter 0,75 Franken.

Seite 1:

EZB kauft Staatsanleihen

Seite 2:

Seite 3:

Kommentare zu " Schuldenkrise: EZB kauft Staatsanleihen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • so ist es recht, weiter gegen Verfassung , Recht und Gesetz verstoßen und Staatsanleihen von Italien kaufen.
    Die EZB eine Schrottbank? Welches vertrauen sollen wir Bürger in dieses verwahrloste System noch haben?

  • Und was fast immer vergessen wird, sind die inzwischen schätzungsweise 350 Mrd. € , die die Bundesbank als Forderungen gegen das Euro-System aufgebaut hat (Stichwort TARGET-Salden). Zwar sind auch das Kredite, die theoretisch zurückgezahlt werden. Wenn es aber richtig krachen geht, sehen wir entweder den ganzen Betrag nicht wieder oder zumindest den rechnerischen Anteil gemäß BuBa-Anteil an der EZB (dürften so um die 120Mrd.) sein. Verglichen mit den Rettungsschirmen ist DAS die echte Risikoposition von Deutschland.

  • "Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, hat die angekündigten Bemühungen der Europäischen Zentralbank und der sieben führenden Industriestaaten um Finanzstabilität begrüßt."

    Was für Heuchler! Zerstören das Finanzsystem aber verkaufen es uns als seine Rettung. Niemand hätte etwas gegen "unkonventionelle Maßnahmen", wenn sie die Begleitmusiik zum radikalen Umbau des Finanzbetrugssystems wären aber letztlich geht es dem Finanzestablishment trotz aller Lippenbekenntnisse nur um das "weiter so". Spanien und Italien werden ermahnt, lächerlich. Wieso darf Trichet im Alleingang entscheiden, dass deutsche Steuergelder über den Drittel-Anteil der EZB für den Kauf italienischer und spanischer Anleihen verwendet werden??? Der deutsche Klein-Sparer und Steuerzahller wird hinterrücks enteigent um dem mit absoluter Sicherheit dem Untergang geweihten Finazbetrugssystem noch 2 Extrarunden zu gönnen. Unglaublihe Vorgänge, unglaubliche Ignoranz, unglaubliche Inkompetenz!!!

    Eine Foristin hat hier neulich Reinhard Mey und sein "Narrenschiff" zitiert. Besser kann mans es nicht beschreiben:

    "Das Quecksilber fällt, die Zeichen stehen auf Sturm,
    nur blödes Kichern und Keifen vom Kommandoturm,
    und ein dumpfes Mahlen grollt aus der Maschine.

    Und Rollen und Stampfen und schwere See,die Bordkapelle spielt: Humbatätärää,
    und ein irres Lachen dringt aus der Latrine.

    Die Ladung ist faul, die Papiere fingiert, die Lenzpumpen lecken und die Schotten blockiert, die Luken weit offen und alle Alarmglocken läuten.

    Die Seen schlagen mannshoch in den Laderaum,
    und Elmsfeuer züngeln vom Ladebaum, doch keiner an Bord vermag die Zeichen zu deuten.


    Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken,
    und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken,
    die Mannschaft: lauter meineidige Halunken,
    der Funker zu feig um SOS zu funken.
    Klabautermann führt das Narrenschiff, volle Fahrt voraus und Kurs aufs Riff!"


Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%