Schuldenkrise Finanzindustrie zofft sich wegen Eurobonds

Nicht nur die Politik, auch unter den Finanzmanagern ist die Einführung von Euroanleihen umstritten. Bei der Deutschen Bank ist man sich nicht mal intern einig.
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Plädierte für die Einführung von Eurobonds: DWS-Fondsmanager Asoka Wöhrmann. Quelle: BostelMANN / BILDFOLIO für Handelsblatt

Plädierte für die Einführung von Eurobonds: DWS-Fondsmanager Asoka Wöhrmann.

(Foto: BostelMANN / BILDFOLIO für Handelsblatt)

FrankfurtDeutschlands größte Fondsgesellschaft DWS plädierte für die Einführung von Eurobonds: „Wenn Frankreich weiter eskaliert, werden Eurobonds die letzte Chance sein“, sagte Asoka Wöhrmann, oberster Fondsmanager der Deutsche-Bank-Tochter, der „Welt am Sonntag“. Der Markt werde weiter testen, wie ernst es den Regierungen mit ihrer Schuldenpolitik sei. Eurobonds könnten in dieser Lage für eine Beruhigung sorgen.

Grundsätzlich erwartet Wöhrmann zwar keine Rezession, er sieht aber einen „schmerzhaften Prozess“ auf alle Staaten zukommen: „Wir müssen einsehen, dass wir am Ende eines Superzyklus der Verschuldung sind“, sagte der Fondsmanager. Die Staaten seien als Stabilisatoren der Wirtschaft und damit auch der Finanzmärkte ausgefallen und blieben dies auf Jahre. Die einzig verbliebenen Handlungsakteure seien die Zentralbanken, die jederzeit Geld drucken könnten. Dies geschehe allerdings auf Kosten steigender Inflationsraten. „Das können mittelfristig in Deutschland vier oder fünf Prozent sein“, so der DWS-Manager. Zuletzt lag die Inflationsrate im Juli bei 2,4 Prozent.

Gegenwind bekommt Wöhrmann dabei ausgerechnet aus dem eigenen Haus: Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer, warnte im Deutschlandfunk vor der Einführung von Euro-Anleihen. Bei einem Rückgriff auf Eurobonds oder einer Erhöhung der Verschuldungsgrenze des ESFS komme es zu einem politischen Zusammenbruch der EWU. „Das kann es nicht sein“, sagte er.

Finanzinvestor George Soros sieht das anders. Der Hedgefonds-Manager, der unter anderem mit Währungsspekulationen ein Milliardevermögen angesammelt hat, sprach sich gegenüber dem Handelsblatt ebenfalls für eine Einführung von Eurobonds aus. Gleichzeitig appellierte er an Länder wie Deutschland als stärkstes Land der Gemeinschaft, diese Lösung mitzugestalten. Nur so lasse sich eine neue Bankenkrise und eine weltweite Depression abwenden.

Die Bundesregierung stemmt sich derweil vehement gegen die immer lauteren Forderungen nach europäischen Staatsanleihen. „Es bleibt dabei: Es gibt keine Vergemeinschaftung von Schulden und keinen unbegrenzten Beistand“, sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble dem „Spiegel“ zu den sogenannten Eurobonds. Diese seien ausgeschlossen, „solange die Mitgliedstaaten eine eigene Finanzpolitik betreiben“. Die „Welt am Sonntag“ berichtete dagegen, Schritte hin zu einer Transferunion würden in der Bundesregierung inzwischen zumindest nicht mehr kategorisch ausgeschlossen. Um Strategien zur Euro-Rettung geht es auch beim Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy am Dienstag.

Bisher gibt jeder Euro-Staat eigene Anleihen heraus. Mit Eurobonds würde die Schuldenaufnahme zum Teil auf die gesamte Zone verteilt. Der Zinssatz bei diesen Anleihen wäre für alle Staaten gleich, die Euro-Krisenländer kämen zu günstigeren Konditionen an Geld. Für Eurobonds sind etwa Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker und Währungskommissar Olli Rehn. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) hingegen bekräftigte seine
Warnung: Für Deutschland würde eine gemeinsame Euroanleihe höhere Zinsen bedeuten und damit zulasten des Steuerzahlers gehen, sagte er dem Handelsblatt (Montagsausgabe).

  • dpa
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16 Kommentare zu "Schuldenkrise: Finanzindustrie zofft sich wegen Eurobonds"

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  • Deutschland muss die Fehlkonstruktion "Eurozone" so schnell wie möglich verlassen. Die PIGS haben jahrzehntelang Geld bekommen und was ist das Ergebnis? Korrupte und faule PIGS-Staaten, die nach immer mehr Geld schreien!

    Hier muss ein Schlußstrich gezogen werden! Die PIGS müssen endlich laufen lernen und zwar den "Schweinsgalopp"!

  • Wenn bei den großen Euroländer das AAA Rating wackelt . Werden uns die EuroBonds auch teuer kommen . Deutschland hat mit dem Rettungsschirm das richtige Futter für Spekulanten gegeben . Die werden immer daran zweifeln .
    Wir kommen nur als ein ganzes aus der Krise .
    Wir schließen schon wetten ab , wie lange brauch es diesmal , bis Frau Merkel erneut getrieben wird . Zur Zeit ist sie das Opfer ihrer eigenen Hilflosigkeit .

  • Wie wäre es mit folgendem Vorschlag Deutschland akzeptiert Eurobonds mit denen Euro Mitgliedsländer in der Lage sind ihre Schulden zu gleichen Bedingungen zu refinanzieren. Darüberhinaus basieren Eurobonds auf klaren Finanzregeln die von Deutschland gesetzt werden und gleichzeitig müssten Pleitekandidaten die Gemeinschaft verlassen. Gewissermassen EZB wird unter die Leitung der Bundesbank gestellt und erhält ein Vetorecht für alle finanzpolitischen Entscheidungen. :-)

    Wie lange glauben sie wird das gut gehen?

  • Kommt mir irgendwie bekannt vor. Vielleicht ist an der Zeit den Bund mit Führerin Angela aufzulösen.

    Aber Seien Sie gefasst Angela wird ihnen vorwerfen dass das deutsche Volk ohne Eurobonds nicht verdient habe, weiter zu existieren. :-D

  • Ich nehme bitte 100 Mio. Euro für meinen Hedgefonds.

    So kann ich das Geld meiner auslaufenden Irischen und Portugiesischen Staatsanleihen wieder sinnvoll und auch halbwegs lukrativ reinvestieren. Meine Griechischen Papiere sind ja noch bis 2040 sehr lukrativ gebunden.

  • Vielleicht hilft folgende Analogie zur Verdeutlichung:
    Eurobonds = Wunderwaffe, die den Endsieg im Schuldenkrieg herbeiführen soll.
    Es ist der letzte verzweifelte Bluff, der vor dem endgültigen Zusammenbruch letzte Reserven aufbieten soll.
    Die deutschen Steuerzahler sind der Volkssturm, der trotz sicherer Vernichtung in die Schlacht geworfen wird...

  • Soviele Bettler in Europa. der Euro war von ersten Tag an zum Scheitern verurteilt. Auf diese Art kommen Länder wie Italien und Frankreich an billiges Geld und können Ihren Schlendrian beibehalten. Aber Sarkozy wird schon bestimmen am Dienstag was Frau Merkel selbstherrlich zu machen hat.Ich wähle jedenfalls keine Partei die sich so am Vermögen der Menschen in Deutschland vergreift.

  • Hier können Sie Angela auch direkt ihre Meinung sagen

    https://www.bundeskanzlerin.de/Webs/BK/De/Service/Kontakt/kontakt.html

  • Euro-Bonds sind das neue Wundermittel der Krisenrettung. Alle haften gemeinsam für alle, aber vor allem Deutschland zahlt. Damit die europäischen Krisenländer weiter zu niedrigen Zinsen Schulden machen können, steigen nun auch hierzulande die Kosten der Staatsfinanzierung.

    Wenn der Bericht von Welt am Sonntag sich bestätigt, dann legt die Bundesregierung erneut einen 180-Grad-Schwenk aufs Parkett. So richtig überraschend ist das nicht, eher durchsichtig. Vielleicht ist es jetzt nur ein Test-Ballon, um zu sehen, wie die Öffentlichkeit reagiert. Am Ende wird es so kommen, wie von uns prognostiziert (Euro-Rettung: Jetzt ist alles möglich!).

    Die Regierung verfolgt weiter ihre unsägliche Salami-Strategie. Dem Volk werden unangenehme Wahrheiten Stück für Stück präsentiert. Die Portionen sind jeweils gerade so groß, dass sie auf einmal geschluckt werden können. Und am Ende steht die Bevölkerung da und fragt sich, wie es soweit kommen konnte.

  • @Ron777 es ist an der Zeit etwas gegen diese politische Inkompetenz zu unternehmen. Was kann man tun?

    Rufen sie die lokale Parteizentrale ihrer Wahl an und machen denen mal so richtig Dampf! So läuft die Sache nicht mehr weiter.

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