Schuldenkrise
Finanzindustrie zofft sich wegen Eurobonds

Nicht nur die Politik, auch unter den Finanzmanagern ist die Einführung von Euroanleihen umstritten. Bei der Deutschen Bank ist man sich nicht mal intern einig.
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FrankfurtDeutschlands größte Fondsgesellschaft DWS plädierte für die Einführung von Eurobonds: „Wenn Frankreich weiter eskaliert, werden Eurobonds die letzte Chance sein“, sagte Asoka Wöhrmann, oberster Fondsmanager der Deutsche-Bank-Tochter, der „Welt am Sonntag“. Der Markt werde weiter testen, wie ernst es den Regierungen mit ihrer Schuldenpolitik sei. Eurobonds könnten in dieser Lage für eine Beruhigung sorgen.

Grundsätzlich erwartet Wöhrmann zwar keine Rezession, er sieht aber einen „schmerzhaften Prozess“ auf alle Staaten zukommen: „Wir müssen einsehen, dass wir am Ende eines Superzyklus der Verschuldung sind“, sagte der Fondsmanager. Die Staaten seien als Stabilisatoren der Wirtschaft und damit auch der Finanzmärkte ausgefallen und blieben dies auf Jahre. Die einzig verbliebenen Handlungsakteure seien die Zentralbanken, die jederzeit Geld drucken könnten. Dies geschehe allerdings auf Kosten steigender Inflationsraten. „Das können mittelfristig in Deutschland vier oder fünf Prozent sein“, so der DWS-Manager. Zuletzt lag die Inflationsrate im Juli bei 2,4 Prozent.

Gegenwind bekommt Wöhrmann dabei ausgerechnet aus dem eigenen Haus: Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer, warnte im Deutschlandfunk vor der Einführung von Euro-Anleihen. Bei einem Rückgriff auf Eurobonds oder einer Erhöhung der Verschuldungsgrenze des ESFS komme es zu einem politischen Zusammenbruch der EWU. „Das kann es nicht sein“, sagte er.

Finanzinvestor George Soros sieht das anders. Der Hedgefonds-Manager, der unter anderem mit Währungsspekulationen ein Milliardevermögen angesammelt hat, sprach sich gegenüber dem Handelsblatt ebenfalls für eine Einführung von Eurobonds aus. Gleichzeitig appellierte er an Länder wie Deutschland als stärkstes Land der Gemeinschaft, diese Lösung mitzugestalten. Nur so lasse sich eine neue Bankenkrise und eine weltweite Depression abwenden.

Die Bundesregierung stemmt sich derweil vehement gegen die immer lauteren Forderungen nach europäischen Staatsanleihen. „Es bleibt dabei: Es gibt keine Vergemeinschaftung von Schulden und keinen unbegrenzten Beistand“, sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble dem „Spiegel“ zu den sogenannten Eurobonds. Diese seien ausgeschlossen, „solange die Mitgliedstaaten eine eigene Finanzpolitik betreiben“. Die „Welt am Sonntag“ berichtete dagegen, Schritte hin zu einer Transferunion würden in der Bundesregierung inzwischen zumindest nicht mehr kategorisch ausgeschlossen. Um Strategien zur Euro-Rettung geht es auch beim Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy am Dienstag.

Bisher gibt jeder Euro-Staat eigene Anleihen heraus. Mit Eurobonds würde die Schuldenaufnahme zum Teil auf die gesamte Zone verteilt. Der Zinssatz bei diesen Anleihen wäre für alle Staaten gleich, die Euro-Krisenländer kämen zu günstigeren Konditionen an Geld. Für Eurobonds sind etwa Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker und Währungskommissar Olli Rehn. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) hingegen bekräftigte seine
Warnung: Für Deutschland würde eine gemeinsame Euroanleihe höhere Zinsen bedeuten und damit zulasten des Steuerzahlers gehen, sagte er dem Handelsblatt (Montagsausgabe).

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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Kommentare zu " Schuldenkrise: Finanzindustrie zofft sich wegen Eurobonds"

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  • Deutschland muss die Fehlkonstruktion "Eurozone" so schnell wie möglich verlassen. Die PIGS haben jahrzehntelang Geld bekommen und was ist das Ergebnis? Korrupte und faule PIGS-Staaten, die nach immer mehr Geld schreien!

    Hier muss ein Schlußstrich gezogen werden! Die PIGS müssen endlich laufen lernen und zwar den "Schweinsgalopp"!

  • Wenn bei den großen Euroländer das AAA Rating wackelt . Werden uns die EuroBonds auch teuer kommen . Deutschland hat mit dem Rettungsschirm das richtige Futter für Spekulanten gegeben . Die werden immer daran zweifeln .
    Wir kommen nur als ein ganzes aus der Krise .
    Wir schließen schon wetten ab , wie lange brauch es diesmal , bis Frau Merkel erneut getrieben wird . Zur Zeit ist sie das Opfer ihrer eigenen Hilflosigkeit .

  • Wie wäre es mit folgendem Vorschlag Deutschland akzeptiert Eurobonds mit denen Euro Mitgliedsländer in der Lage sind ihre Schulden zu gleichen Bedingungen zu refinanzieren. Darüberhinaus basieren Eurobonds auf klaren Finanzregeln die von Deutschland gesetzt werden und gleichzeitig müssten Pleitekandidaten die Gemeinschaft verlassen. Gewissermassen EZB wird unter die Leitung der Bundesbank gestellt und erhält ein Vetorecht für alle finanzpolitischen Entscheidungen. :-)

    Wie lange glauben sie wird das gut gehen?

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