Schuldenkrise
Frankreichs Widerstand gegen Deutschland wächst

Zwar demonstrieren Angela Merkel und Nicolas Sarkozy in der Schuldenkrise Eintracht, doch hinter den Kulissen brodelt es gewaltig. In Frankreich regt sich immer mehr Widerstand gegen die harte Linie Deutschlands.
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ParisZuletzt haben Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Nicolas Sarkozy Europa in der Schuldenkrise den Weg gewiesen. Auch wenn die beiden nach außen demonstrativ an einem Strang ziehen, darf das aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass zwischen ihnen ein tiefes Misstrauen herrscht.

Auch rüttelt Frankreichs Regierung immer heftiger an den mühsam gefundenen Kompromissen. Dabei tut sich vor allem Wirtschafts- und Finanzminister François Baroin hervor. Bei einer Veranstaltung gestern Abend sagte er: „Die Position Frankreichs, um die Ansteckung zu vermeiden, ist, dass der europäische Fonds (EFSF) über eine Banklizenz verfügt.“ Zuvor hatten sich die Franzosen dem deutschen Widerstand gebeugt und auf diese Forderung verzichtet.

Baroin, der sein Land „im Krieg gegen die Spekulanten und die deregulierten Märkte“ sieht, hat zudem seinen Wunsch zum Ausdruck gebracht, dass die EZB als Lender of last resort agieren soll. „Es stimmt, dass die amerikanische Zentralbank einschreitet und das nicht ihre Unabhängigkeit in Frage stellt." Auch die Banken von Japan und England würden das so machen. "Aber Deutschland hat eine Geschichte, eine Erinnerung an die Inflation, die Überschuldung“, sagte er zwar diplomatisch, aber dennoch klar verständlich in einem Interview mit der Wirtschaftstageszeitung „Les Echos“ vom Mittwoch. Diese Meinung vertritt auch Staatspräsident Nicolas Sarkozy, er hält sich öffentlich bei diesem Thema aber zurück.

Die Äußerung von Bundesbankchef Jens Weidmann, wonach es nicht Aufgabe der EZB sei, die Arbeit der Staaten zu erledigen, hat Baroin nicht sonderlich beeindruckt. „Wir respektieren die deutsche Geschichte, und die Staaten müssen natürlich ihre Arbeit machen, aber wir betrachten die EZB weiterhin als ein wichtiges Element der Antwort auf diese Krise.“

Für Frankreich wird die Finanzierung auf den Anleihemärkten immer teurer. Das Land muss für zehnjährige Anleihen inzwischen einen doppelt so hohen Zinssatz bezahlen wie Deutschland. Eine französische Regierungssprecherin sagte, sie vertraue darauf, dass die EZB alle für die Finanzstabilität der Euro-Zone nötigen Maßnahmen ergreifen werde:„Wir denken, dass der Risikoaufschlag französischer Anleihen gegenüber deutschen nicht gerechtfertigt ist.“

Tino Andresen
Tino Andresen
Handelsblatt.com / Reporter

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  • Eine Gemeinschaftswährung ist grundsätzlich nichts Negatives, wenn es sich um eine echte Währung (konstruktiv umlaufgesicherte Indexwährung) handelt. In diesem Fall ist die Währungsunion mehr als die Summe ihrer Teile (Mitgliedsstaaten). Wird jedoch ein a priori fehlerhaftes Geld mit parasitärer - der wesentlichen Tauschfunktion widersprechenden - Wertaufbewahrungsfunktion (Zinsgeld) verwendet, führt dies nicht zu einer „europäischen Einigung“, sondern es müssen sich im Gegenteil die wirtschaftlichen Unterschiede zwischen den Mitgliedsstaaten noch vergrößern. Die Länder mit negativer Außenhandelsbilanz (z. B. Griechenland) sind auf Kredite angewiesen, um Waren bezahlen zu können, die sie aus Ländern mit positiver Außenhandelsbilanz (z. B. Deutschland) beziehen. Damit steigt auch die Zinslast der schwächeren gegenüber den wirtschaftlich stärkeren Mitgliedsstaaten, bis sie in eine dauernde Abhängigkeit (deutlich: in die Zinssklaverei) geraten. Aufgrund der „Gemeinschaftswährung“ haben die Zinsverlierer-Staaten keine Möglichkeit mehr, ihre Landeswährung gegenüber anderen Währungen abzuwerten und damit ihre Außenhandelsbilanz wieder zu verbessern. Das zwangsläufige Ergebnis ist die katastrophale Situation, in der wir uns alle gegenwärtig befinden. Diese Zusammenhänge sind so einfach, dass sie von jedem Schulkind verstanden werden, nur nicht von „Spitzenpolitikern“ und „Wirtschaftsexperten“, die sich einbilden, sie wüssten schon was:

    http://opium-des-volkes.blogspot.com/2011/09/adam-und-eva.html

  • Die Position Frankreichs, um die Ansteckung zu vermeiden, ist, dass der europäische Fonds (EFSF) über eine Banklizenz verfügt.“ Zuvor hatten sich die Franzosen dem deutschen Widerstand gebeugt und auf diese Forderung verzichtet. Eine französische Regierungssprecherin sagte,….„Wir denken, dass der Risikoaufschlag französischer Anleihen gegenüber deutschen nicht gerechtfertigt ist.“(Zitate)


    Wahrscheinlich ist der Widerstand jedoch gerechtfertigt – aber eben nur so lange – wie Deutschland keine Banklizenz dem Fond EFSF zugesteht. Die Politik der EZB, die buchstäblich ganz im Sinne Frankreichs ja mit ihrer Banklizenz die Staatsanleihen längst bunkert, beweist schon genug das Gegenteil. Und die EZB ist schon eine Bank zu viel. Mal sehen, wann die gute Fr. Merkel wieder einmal „umkippt“ und durch die knorrigen Hebel-Staatsanleihen immer wieder den Euro zu retten gedenkt? Der Euro kann nur durch eine gesunde Wirtschaft der Staaten gesunden und durch keine Bank der Welt. Und zum Schluss noch ein Wort zur Euro-Krise von Lord George Gordon Noel Byron - (um 1824) - :“ Ich mag die Griechen. Sie sind nette Gauner, mit allen Lastern der Türken, aber ohne deren Mut. Einige sind freilich tapfer, und alle sind schön.“.

  • Es ist völlig verständlich, dass Frankreich - gewöhnt, über die Verhältnisse zu leben wie eben Gott in Frankreich - eine solche Währungsunion wollen, die in der Hyperinflation enden wird.
    Deutschland will das nicht, und das ist nicht nur historisch motiviert. Also: Deutschland sollte so schnell wie möglich die Währungsunion verlassen - das ist nicht das "politische Projekt", was den Deutschen versprochen wurde.
    Im übrigen lehne ich es ab, dass die deutschen Ersparnisse für ein "politisches Projekt" mittels einer enormen zu erwartenden Inflation vernichtet werden!

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