Schuldenkrise

Griechen drohen jetzt Zwangsräumungen

Viele Griechen bedienen ihre Hypothek nicht. Das belastet die Bankbilanzen – und gefährdet damit Hilfszahlungen der Euro-Gruppe. Die griechische Regierung will Zwangsräumungen verhindern. Doch wem drohen die eigentlich?
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Selbst gesunkene Kreditraten können viele Griechen auf ihre Wohnungen und Häuser nicht mehr zahlen. Quelle: dpa
Die Angst vor dem Verlust

Selbst gesunkene Kreditraten können viele Griechen auf ihre Wohnungen und Häuser nicht mehr zahlen.

(Foto: dpa)

AthenEin Streit um Immobilienkredite gefährdet die Auszahlung weiterer Hilfskredite an Griechenland. Griechenlands Kreditgeber möchten Zwangsvollstreckungen erleichtern, um die Bankbilanzen zu bereinigen. Dagegen will die Regierung von Ministerpräsident Alexis Tsipras möglichst viele Bürger vor Zwangsräumungen schützen.

Rund 300.000 griechische Immobilienkreditnehmer sind mit ihren Zahlungen im Rückstand. Vielen von ihnen droht der Verlust ihrer Wohnungen. So auch Petros und Charoula Vassiliadis: Vor acht Jahren kauften sie mit einem Bankkredit die Dreizimmerwohnung im Athener Vorort Maroussi. „Wir verdienten beide gut, die monatliche Rate von 850 Euro war damals ein Klacks für uns“, erinnert sich Petros. Jetzt fürchtet das Ehepaar, die gerade mal zu einem Fünftel abbezahlte Wohnung zu verlieren.

Charoula Vassiliadis hat vor drei Jahren ihren Job als Filialleiterin eines Supermarkts verloren, die Kette machte pleite. Ihr Mann Petros, Verkäufer eines Autohauses, verdient heute nur noch halb so viel wie vor der Krise. 2014 handelte das Ehepaar mit der Bank eine Restrukturierung des Hypothekenkredits aus.

Die Monatsrate fiel auf 600 Euro. „Aber nicht mal diese Summe können wir jetzt aufbringen“, sagt Vassiliadis. Seit sechs Monaten sind sie mit den Zahlungen im Rückstand. „Wir fürchten, dass die Bank uns die Wohnung abnimmt“, sagt der Autohändler.

49 Prozent der in Griechenland vergebenen Darlehen sind notleidend. Zu diesem Ergebnis kam die europäische Bankenaufsicht jetzt beim jüngsten Stresstest der griechischen Kreditinstitute. Es geht um eine Summe von über 100 Milliarden Euro. Für die Banken ist das ein großes Problem: Die Milliardenrückstellungen für faule Kredite zehren am Eigenkapital.

Die Konsolidierung der notleidenden Kredite ist eine Voraussetzung für die Rekapitalisierung der Banken, die bis zum Jahresende abgeschlossen werden muss. Die griechische Regierung soll deshalb bis zum Treffen der Eurogruppe am kommenden Montag ein Regelwerk zur Bereinigung der Kreditrisiken vorlegen.

Es geht um viel Geld – und, bei den Immobilienkrediten, um das Schicksal zehntausender, möglicherweise hunderttausender Familien, die ihre Wohnungen verlieren könnten. Tsipras und sein Linksbündnis Syriza hatten im Wahlkampf versprochen, niemand werde aus seinem Zuhause vertrieben, weil er seinen Hypothekenkredit nicht mehr bedienen kann. Jetzt muss Tsipras auch in diesem Punkt, wie bereits bei so vielen Wahlversprechen, Abstriche machen.

Debatte über Einkommensgrenzen für die Zwangsräumung
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34 Kommentare zu "Schuldenkrise: Griechen drohen jetzt Zwangsräumungen"

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  • Herr Marc Otto@
    Es gibt kein "Griechenland Problem" es gibt aber ein Schadenskanzlerin Problem.

  • Die griechischen Imo-Eigentümer sollten Ihre Wohnungen und Häuser die deutschen Stützeämtern, für die sogenannten Flüchtlinge, anbieten. Die Ämter könnten die Syrer in Griechenland versorgen, die Facharbeiter müssten nicht durch den Balkan gehen und Deutschland bekäme keine Moslems in das Land.
    Eine perfekte Lösung, denn der deutsche Steuerzahler muß nach den merklischen
    Mechanismus ohnehin die IMOs in Griechenland bezahlen.

  • Vorgestern war Weltspartag. Das einzige was mir dazu einfällt ist, das die marode Finanzwirtschaft nicht einmal mehr davor zurückschreckt, kleine Kinder mit ihren Nullzinsen zu besch..ßen.

  • @prop@g@nd@ @l@rm
    gehört zwar nicht richtig zu diesen Thema, aber um die Gesamtleistung einer Merkel zu würdigen schon, Hätte man Griechenland nach dem ersten Rettungspaket Pleite gehen lassen hätten wir zu 100% nicht dieses Theater, auch nicht mit den Flüchtlingen, oder wie immer sie auch nennen mag.
    Ein weiterer klarer Rechtsbruch ist doch der,aus die Bundeswehr eingeschaltet und Hilfsdienste für Merkel leisten muss. Obwohl nicht der Katastrophenfall ausgerufen wurde. Ein Unding, nur zu Schade das wir keine Opposition haben, was meinen sie was die ein Zinnober gemacht hätten. Egal ob SPD oder CDU.

  • Schöner Artikel. Bestätigt meine Wahrnehmung über den Zustand der Demokratie in Deutschland und ihr Symbol die grosse Vorsitzende Angele Merkel, die in ihrem zum Jelzin Deutschlands mutiert. Letzterer tanzte ja zum Schluss irr und besoffen durch die Gassen.

    Nur dass die AfD verdient, im Abseits steht halte ich für überzogen. Dass die politisch heimatlose bürgerliche Mitte die sich keine Illusionen mehr über die sozialistische CDU macht, nicht ohne Reibung ein neues Sammelbecken finden wird, ist klar. Die AfD hat hier eine große Integrations-Verantwortung den (be-)recht(igt)en Unmut in demokratische Bahnen zu lenken und die Spaltung der Gesellschaft abzumildern. Ob es ihr gelingt kann natürlich niemand vorhersehen. Den Versuch ist es allemal wert, denn ansonsten können wir unsere Demokratie mangels Opposition endgültig begraben.


    „Kein Hirt und Eine Herde! Jeder will das Gleiche, Jeder ist gleich: wer anders fühlt, geht freiwillig in's Irrenhaus.
    ...
    »Wir haben das Glück erfunden« – sagen die letzten Menschen und blinzeln“

  • PAPPERLAPAPP - GRIECHENLAND IST PLEITE!

    Der Ursprung zur Aufnahme Griechenlands in den Euro entspringt bekanntermaßen dem gesamten kriminellen und korrupten Konstrukt dieses Landes. Die Schilderung eines Einzelschicksals als vorweggenommene Begründung für den 4., 5., ff. Rettungsschirm hilft da nicht weiter.
    Das Bild der Bundesregierung von heute zur Flüchtlingsfrage wird sich wiederholen. Auch zur Frage des Austritts Griechenlands aus dem Euro.
    Man wird zu anstehenden Landes- und Bundestagswahlen der Bevölkerung nicht vermittelen können, dass EU-Zahlungen an Griechenland so etwas darstellen wie "Ewigkeitslasten des Bergbaus". Warum auch?
    Trotzdem finde ich den Artikel hilfreich. Insofern, als er ja eindeutig mehrfach andeutet, dass Bürger des Landes Lasten tragen könnten, aber es nicht wollen. Fakelaki-Land eben.
    Dem Wahlbürger hierzulande ist zu empfehlen bei künftigen Wahlen vermehrt die ALTERNATIVE FÜR DEUTSCHLAND ZU WÄHLEN, schon allein um den politischen Druck hierzulande zu erhöhen.
    Ein Land, in dem 2,7 Mio. Arbeitnehmer für 2,7 Mio. Rentner ohne jegliche Steuermoral aufkommen könnten ist irreal. Ein drückendes Heer von 1,5 Mio. Arbeitslosen besiegelt das Schicksal dieses Landes. Und 700000 Staatsangestellte nebst 140000 des Militärs tun das Übrige hinzu.
    Für Deutschlands Bürger ist es deshalb existentiell durch sein Wahlverhalten bei künftigen Wahlen die eigene VERSAGER-Regierung durch Abwahl zu Fall zu bringen.

    PAPPERLAPAPP - GRIECHENLAND BLEIBT PLEITE!

  • Ist den der "Petros, Verkäufer eines Autohauses", eines "Händler" des Autohauses wie in dem Artikel beschrieben. Und 24.000 Euro, was meint ihr wie hoch der Sozialhilfesatz in Deutschland ist, von dem der größte Teil der illegalen Asylanten profitieren wird.

  • auch wenn es fast alle vergessen haben, aber das GR Problem wird bald wieder sehr aktuell werden.

    Auch wenn die allwissenden Gutmenschen den bequemen Griechen hier alle wunderbaren menschlichen Eigenschaften andichten wollen, aber sdie GR wolle haben udn wollen haben. Insofern ähneln sie den Flüchtlingen, die hier mit einem anspruchsdenken kommen (wann bekomme ich mein Haus, wann bekomme ich mein Auto, freies WLAN und Handy).

    Europa wird langsam ein Hexenkessel. Leid tun mir nur unsere armen Sicherheitskräfte (Polizei, Bundeswehr,...), die immer häufige von den Flüchtlingen angegriffen werden. Und abld auch vom Volk, was sich gegen das schleimige Diktat der Gutmenschen wehren wird.

  • http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/terminkalender-veroeffentlicht-ezb-direktoren-trafen-banker-vor-wichtigen-entscheidungen/12535856.html

    Das Geld wird einfach "ungerecht" verteilt. An der Börse hilft es jedenfalls um
    die Milliadäre noch etwas zu "untersützen"

  • Der gute Wolfgang Herles hat es mal wieder schön auf den Punkt gebracht:

    Die Politik Merkels und der großen Koalition spaltet das ganze Land. Sie stärkt ungewollt die Ränder. Weil sie die ausgrenzt, die ihr nicht folgen wollen. Weil sie moralisiert statt wirksam zu handeln. Europa wird als Zukunftsprojekt abgeschafft. Das Spiel ist aus. Wer beendet es?

    Was Merkel geschafft hat, hat noch niemand geschafft. Sie wird in die Geschichtsbücher eingehen. Ihr Tun und Nichttun wird lange nachwirken. Denn sie hat alle geschafft. Erst ihre Partei. Dann ihr Land. Und auch noch Europa.

    Die CDU ist geschafft. Sie ist weder tot noch lebendig. Eine Untote. Ein Zombie. Blutleer und ausgelaugt. Der liebevoll-spöttische Ehrenname „Mutti“ für ihre Führerin ist verkehrt, das Gegenteil richtig. Merkel nährt nicht, sondern saugt. Sie hat aus der CDU jede Weltanschauung heraus gezutzelt. Übrig geblieben ist nichts als ein gefallsüchtiger Populismus der Mitte. Es gibt die CDU noch als Merkel-Fanclub, aber nicht mehr als lebendige demokratische Kraft.

    Der ganze Beitrag: http://www.rolandtichy.de/kolumnen/herles-faellt-auf/fluechtlingskrise-angela-merkel-und-der-tanz-der-vampire/

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