_

Schuldenkrise: Griechenland plant „sanfte Restrukturierung“

Griechenland sucht ein Jahr nach der Beinahe-Pleite nach einem Halt im Schuldensumpf und plant laut Medienberichten eine freiwillige Restrukturierung. Die EZB glaubt, die Probleme des Landes seien so nicht zu lösen.

Die griechische Premierminister Georgios Papandreou kämpft gegen die Schuldenkrise seines Landes. Quelle: Reuters
Die griechische Premierminister Georgios Papandreou kämpft gegen die Schuldenkrise seines Landes. Quelle: Reuters

BerlinDie griechische Regierung erwägt großen griechischen Zeitungen zufolge eine „sanfte Restrukturierung“ der erdrückenden Staatsschulden. Die Europäische Zentralbank (EZB) warnte am Samstag dagegen vor der Illusion, mit einem Schuldenschnitt ließen sich die Probleme des Landes lösen. Der ehemalige Chefunterhändler Griechenlands bei der Euro-Einführung, Yannis Stournaras, forderte mehr Reformen - und warf der deutschen Regierung einen unklaren Kurs vor. 

Anzeige

Die Haushaltskrise des Landes hatte sich vor einem Jahr so sehr zugespitzt, dass die Regierung am 23. April ihre Euro-Partner um Finanzhilfen bitten musste. Ein eilig von den Euro-Ländern und dem IWF zusammengezimmertes Hilfspaket über 110 Milliarden Euro sichert den Griechen seitdem das finanzielle Überleben. Allerdings sind die Hilfsgelder im kommenden Jahr aufgebraucht. Das Land müsste sich dann wieder am Kapitalmarkt Geld borgen, was wegen noch immer horrender Zinsen derzeit bei Experten als unmöglich gilt: Für zehnjährige Papiere werden 15 Prozent fällig, für zweijährige Staatsanleihen sogar über 22 Prozent. 

An den Finanzmärkten wird deshalb seit Wochen mit einer Restrukturierung gerechnet, die den Schuldenberg von über 150 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung verkleinern helfen soll. 

Der deutsche Schuldenstand liegt nur etwas über 80 Prozent. 

Die auflagenstärkste Zeitung „Ta Nea“ berichtetet ohne Angaben von Quellen, die Regierung erwäge eine freiwillige Vereinbarung mit den privaten Gläubigern, die zu einer Streckung von Rückzahlungsfristen führen solle. Dies müsse vor 2012 geschehen, aber nicht vor Ende Oktober dieses Jahres, wenn EZB-Chef Jean-Claude Trichet aus dem Amt scheidet. Er ist ein entschiedener Gegner einer Schulden-Restrukturierung. Die Zeitung „Isotimia“ berichtete, die Rückzahlungsfristen für griechische Anleihen sollten um fünf Jahre verlängert werden. 

Die griechische Regierung hatte ähnliche Berichte bereits mehrfach zurückgewiesen und beteuert, die Gläubiger könnten mit einer fristgerechten Rückzahlung ihrer Ansprüche rechnen. 

  • 24.04.2011, 08:50 UhrAnonymer Benutzer: Bankster

    Es wird wieder beschwichtigt und gelogen bis zur letzten Minute.....
    Griechenland ist bankrott und andere EU Länder genauso.
    Dank den korrupten Bankstern und ihren Politikervasallen....

  • 24.04.2011, 07:47 UhrZeitzeuge

    Damit ist ja auch klar, daß dieses Gesindel keine Umschuldung Griechenalds unterstützt, wer weiß, was Trichet, Juncker u. a. aus der eigenen Schatulle in Griechen-Bonds investiert haben, die Schweizer haben neulich in einer 3sat-Reportage offengelegt, daß Crédit Agricole France umfassend in Griechenland fehlinvestiert ist und die Franzosen in Gestalt der guten Frau Lagarde eine(n) Dumme(n) gesucht und zwei Dumme gefunden haben, die ihr CAF-Risiko überwiegend mit tragen werden. Es handelt sich ganz klar um Vaterlandsverrat, wenn eine Regierung an der Mitgliedschaft in solchen "Bündnissen" erklärtermaßen festhält! Mindestens lebenslänglich + Sicherheitsverwahrung bei Vermögenseinzug für alle maßgeblich Mitwirkenden, die nichts taten, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden!

  • 24.04.2011, 07:45 Uhrpazi63

    Die Griechen haben - mit dem Wissen der Deutschen Regierung - Ihre Zahlen gefälscht um in die "Eurozone" zu kommen. Wer soll den Ernsthaft an die Worte dieser Despoten glauben?

  • Video

Politik Bundestag stärkt Organspende

Krankenversichterte ab 16 Jahren werden in Zukunft häufiger gefragt, ob sie Organspender werden wollen. Dieses Gesetz hat der Bundestag mit großer Mehrheit verabschiedet - und noch einige weitere Entscheidungen gefällt.

  • Die aktuellen Top-Themen
Die Linke: Ulrich Maurer greift Parteispitze an

Ulrich Maurer greift Parteispitze an

In der Linken mehrt sich der Protest gegen die Parteispitze und den Zustand der Partei. Fraktionsvize Ulrich Mauer fordert eine radikale Verjüngungskur - und mehr Frauen. Denn in diesem Punkt hapert es gewaltig.

Gastkommentar: Die CDU muss weiter nach links rücken

Die CDU muss weiter nach links rücken

Nach der NRW-Wahl muss die Union neue Prioritäten setzen: Sie muss auf die Sorgen der Menschen reagieren. Sonst verliert sie noch mehr Vertrauen - und ihren Status als Volkspartei.

Studie: Bei Übernahmeschlachten gewinnt der Verlierer

Bei Übernahmeschlachten gewinnt der Verlierer

Wenn zwei Unternehmen um ein anderes streiten, bedeutet das oft nicht Gutes für den Gewinner. Denn bei Übernahmen können die Sieger die Erwartungen oft nicht erfüllen. Profiteur ist - der Verlierer.

Handelsblog Feuert die Dicke Bertha in die falsche Richtung?

Ein Kernproblem im Euro-Raum ist, dass es in den Krisenstaaten einen gefährlichen Link gibt zwischen dem Bankensystem und den Staatsfinanzen dieser Länder. Geldinstitute in Griechenland, Spanien, Irland und anderen Ländern stehen mit dem... Von Olaf Storbeck. Mehr…

Handelsblog Das Versagen von Bayern München, ökonomisch erklärt

Der Ausgang des Champions-League-Finales ist nicht nur peinlich für die Bayern, sondern auch für mich persönlich. Ausgehend vom Marktwert der Spieler hatte ich prognostiziert, dass Bayern gewinnen wird - weil die Mannschaft rund 30% mehr... Von Olaf Storbeck. Mehr…

  • Konjunkturtermine
Konjunkturtermine: Wochenvorschau

Wochenvorschau

Die wichtigsten Ereignisse und Indikatoren in Europa und International