Schuldenkrise

Griechenlands Sparprogramm steht

Der Spardruck auf Griechenland wächst. Der neue Premierminister Antonis Samaras gibt dem Drängen nach und kürzt beim Militär. Auf dem diplomatischem Parkett überzeugt der Grieche.
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Der griechische Premierminister Antonis Samaras will sparen. Quelle: AFP

Der griechische Premierminister Antonis Samaras will sparen.

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Düsseldorf/AthenDas neue griechische Sparpaket ist nach Regierungsangaben fertig. „Das Sparprogramm steht. Wir haben uns geeinigt“, sagte der griechische Finanzminister Ioannis Stournaras nach einem Treffen mit dem griechischen Regierungschef Antonis Samaras am Dienstagabend im Fernsehen. Das Programm soll am Mittwoch den drei Parteivorsitzenden der griechischen Koalitionsregierung präsentiert werden. Details zum dem Vorhaben nannte Stournaras nicht.

Das Sparpaket muss allerdings noch von einer Gruppe internationaler Kontrolleure der Geldgeberstaaten genehmigt werden. Sie soll am 5. September ihre Arbeit in Athen aufnehmen. Es wird erwartet, dass die Kontrolleure noch viele Änderungen auch mehr Einsparungen verlangen werden.

Samaras will nach Informationen des Handelsblatts den Militäretat seine Landes noch einmal kräftig kürzen und so einen Teil der griechischen Haushaltslücke von mindestens 11,5 Milliarden Euro füllen. Das habe Samaras Luxemburgs Premierminister Jean-Claude Juncker bei dessen Besuch vergangene Woche in Athen angekündigt, hieß es in EU-Kreisen in Brüssel.

Der neue griechische Premier habe bei Juncker und anderen hochrangigen Gesprächspartnern verloren gegangenes Vertrauen zurückgewonnen. „Er macht einen ganz ausgezeichneten Eindruck“, sagte ein hochrangiger EU-Diplomat dem Handelsblatt. Die Wandlung des einstigen Blockierers Samaras in einen überzeugten Reformer sei „wirklich erstaunlich“.

Nach übereinstimmenden Informationen der griechischen Zeitungen sieht das Sparprogramm eine weitere Verschlankung des Staates und Kürzungen vor. Die Löhne der Staatsbediensteten sollen um eine Milliarde Euro gekürzt werden. Um eine Milliarde Euro sollen die Einkommen der Angestellten von Unternehmen gekürzt werden, die vom Staat kontrolliert werden, zum Beispiel die Elektrizitätsgesellschaft. Etwa 2,6 Milliarden Euro sollen durch die Kürzung von Renten und Pensionen hereinkommen.

Mit dpa

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49 Kommentare zu "Schuldenkrise: Griechenlands Sparprogramm steht"

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  • Gerade lese ich in den griechischen Nachrichten (newsit.gr), dass der holländische Minister f. Europäische Angelegenheiten Ben Knapen heute Abend (29.08.) den Griechen erklärt habe, ein Aufschub der Rückzahlungsverpflichtung um 2 Jahre käme nicht in Frage, weil hier alle Parlamente zustimmen müssten – wohl aber sei ein Vorschuss (frontloading) in Höhe von 6,5 Milliarden € drin. Dieser käme sofort – er müsse quasi nur abgerufen werden.

  • Pleite ist man erst dann, wenn man seine Zinsen nicht mehr bedienen kann. Ergo ist Deutschland (noch) nicht pleite.

  • @Rene
    Da haben Sie in allem Recht.
    Das größte Thema ist wohl die Entbürokratisierung. Solange weiter Geld aus der EU fließt, verstehen die Griechen nicht die Notwendigkeit zur Entbürokratisierung. Sie sehen die Zusammenhänge nicht. Das ist noch nicht einmal böse Absicht – es wird hier einfach nicht vermittelt, wie ein Staat funktioniert.
    Sie denken noch immer, in der EU stünde irgendwo ein Topf, aus dem Alle gerechte und gleich hohe Gehälter bekommen. Und nun hat die böse Merkel ihnen den Löffel weggenommen.
    Theoretisch müsste man alle Behörden komplett auflösen und danach eine Neuorganisation starten mit entsprechender Software, die auch eine Vernetzung der Behörden sichert. Dann käme man sicherlich mit 200.000 Beschäftigten aus – anstatt mit über 1 Million.
    WER aber soll das den Griechen sagen? Derjenige, der sich das traut, wird nie wieder gewählt. Denn die Griechen denken, dass sie das Problem los sind, wenn sie einfach nur jemand anderen wählen.
    Und da die politischen Ämter hier in GR mit großem Einfluss und vor allem mit enormen Verdienstmöglichkeiten (freundlich ausgedrückt) verbunden sind, wird es NIEMAND sagen.
    Als Fazit bleibt festzuhalten, dass in dieser Lage nur das Volk SELBST sich befreien kann, wenn es nicht ewig Sklave der einflussreichen Familien sein will.
    Aber um das zu erkennen, bedarf es bedauerlicherweise einer gewissen Not. Und die ist wohl noch nicht groß genug.

  • @ForzaEURO
    "Die Griechen brauchen eine ordentliche Staatsorganisation und das schaffen die."
    Ha! DER war gut!
    Kann ich Sie für meine nächste Gartenparty hier in GR buchen? Meine Nachbarn sollen auch endlich mal wieder etwas zum Lachen haben.

  • Die niedrigsten Renten belaufen sich auf etwa 600-700 € monatlich. Dafür muss man mindestens etwa 15 Jahre halbtags gearbeitet haben. Hier sollen ca. 30 ,-€ gekürzt werden.
    Die höheren Beamten-Renten ab ca. 2500,-€ (exkl. Zulagen und das Ganze 14 bzw. 16x jährlich) sollen um ca. 30% gekürzt werden. Leider hat man dies bisher den Betroffenen offiziell noch nicht mitgeteilt - aus Angst.
    Das Volk geht nämlich davon aus, dass man sich auch dieses Mal wieder irgendwie aus der prekären Situation heraus mogelt. Das Volk hat sich bereits an Hiobsbotschaften gewöhnt und daran, dass hinterher alles nur halb so schlimm ist, weil die Beschlüsse dann doch nicht umgesetzt werden.
    Nun zittern die Politiker, weil dieses Mal wirklich alles realisiert werden müsste.

  • NICHTS wird funktionieren. Denn die Gewerkschaft, die die DEKO-Beamten (das sind die Beamten aus Bus- und Bahn, Stromversorgung, Wasserwerke usw.) vertritt, droht mit ernsthaften Konsequenzen auf den Syntagmaplatz. In diesem Fall werden sie sicher das Parlament stürmen.
    Aber den Brüsselern und vor allem den DEUTSCHEN soll dieses angebliche Sparpaket als non plus ultra verkauft werden. Dabei konnte nicht einmal der nötige Gesamtumfang des Sparpakets richtig ermittelt werden, da sich schon wieder schwarze Löcher auftun.

    Es gibt hier keine Veränderung.
    Gekürzt wird nach wie vor nur bei denen, die sich nicht wehren können.
    Alle anderen fasst man nicht an.
    In den Politiker- und Journalistenrunden spricht man darüber, wie man es schaffen könnte, die Sparbeschlüsse nicht oder nicht vollständig umzusetzen.
    Alle Politiker versuchen nur, die eigene Haut und die eigenen Klientel zu retten, denn die nächste Wahl ist schon in Sichtweite.
    Seid vorsichtig, Ihr werdet schon wieder betrogen.

  • Wenn im Arbeitszeugnis steht: "Er bemühte sich, den Anforderungen gerecht zu werden." heißt das auf Deutsch: er war absolut unfähig und faul und hat absolut nichts erreicht.
    Und genau so ist es auch mit Griechenlands Spar-"Bemühungen".

  • Wieso "wäre"? Deutschland ist de facto pleite. Wie -bitteschön- sollen denn die Schulden von drei Jahreseinnahmen zurückgezahlt werden?
    Von den Haftungssummen aus der ewigen Euro-"Rettung" mit immer aberwitzigeren Summen will ich gar nicht reden. Die werden ja -lt. Schäuble- nie fällig und Deutschland verdient sogar noch daran. LOL

  • Ja..hahahaha, beim Militär kürzen. Was denn kürzen? Wenn man pleite ist, bekommt auch das Militär keine Kohle mehr, auch ohne die Ankündigung dort zu kürzen. Man kann dem Militär nicht Milliarden vorenthalten, die man gar nicht hat. Das ist keine Kürzung sondern eher die Ohnmacht, nicht zahlen zu können, was das Militär zum Leben braucht.
    Schildbürgerstreich vor den Augen der Troika? Je nachdem wie stark die Troika Merkel-geimpft ist, fällt sie drauf rein. Mann, Mann...wann kapiert Europa endlich das die Lösung in der Abschaffung des EURO liegt? Dann kann auch Griechenland in der Wirtschaftsunion verbleiben, da es dann keine hemmende Währungsunion mehr gibt.

  • ist eben nicht dasselbe, wir haben noch einen gutgehenden Export, deshalb geht das Schulden machen noch eine gewisse Zeit länger, bis dann alles Staaten einsehen, das sie eine Währungsreform und Neuanfang brauchen.

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