Schuldenkrise

Griechisches Parlament billigt neues Sparpaket

Während sich vor der Tür Demonstranten und Polizei heftige Kämpfe liefern, hat das griechische Parlament das unbeliebte Sparpaket beschlossen. Der Weg für die nächste Hilfstranche ist damit frei.
Update: 20.10.2011 - 21:14 Uhr 10 Kommentare
Demonstranten vor dem griechischen Parlament in Athen. Quelle: dpa

Demonstranten vor dem griechischen Parlament in Athen.

(Foto: dpa)

AthenDie schweren Krawalle in Athen haben ein erstes Todesopfer gefordert. Während erneut Zehntausende gegen ein neues hartes Sparprogramm friedlich demonstrierten, kam es am Rande der Proteste zu Zusammenstößen zwischen Vermummten und kommunistischen Gewerkschaftsmitgliedern. Dabei erlitt ein 53-jähriger Mann einen Herzinfarkt. Mindestens 40 Menschen wurden verletzt. Die Polizei schoss Tränengas in die Menge. Am Abend stimmte das Parlament dem Spargesetz zu.

Für das sogenannte „Multi-Spargesetz“ stimmten 153 Abgeordnete der regierenden Sozialisten und eine unabhängige Abgeordnete, dagegen votierten 144 Abgeordnete. Eine sozialistische Abgeordnete wich von der Parteilinie ab und votierte gegen einen Artikel des neuen Gesetzes, der die Arbeitsverträge in Griechenland betrifft.

Griechen billigen neues Sparpaket

Ministerpräsident Giorgos Papandreou schloss die Abgeordnete aus der Parlamentsgruppe der regierenden Sozialisten aus. Sie wurde damit unabhängig. Damit schrumpfte die Mehrheit der regierenden Sozialisten um einen Sitz auf 153 Abgeordnete im 300-Köpfigen Parlament.

Mit dem neuen Spargesetz wird die Entlassung von Staatsbediensteten ermöglicht. Zudem werden die Löhne von Staatsbediensteten und viele Renten um rund 20 Prozent gekürzt. Dieses Gesetz war eine der Voraussetzungen, damit die Geldgeber Griechenlands grünes Licht für die nächste Tranche der Finanzhilfe für das vom Bankrott gefährdete Land geben.

Finanzminister Evangelos Venizelos hatte seine Landsleute und mögliche Abweichler unter den Abgeordneten zuvor gewarnt: Sollte das neue Spargesetz nicht gebilligt werden, werde es für Griechenland „keinen neuen Tag, sondern nur noch Dunkelheit geben“. Demonstranten skandierten „Diebe“ in Richtung des Parlaments.

Rund 500 Krawallmacher griffen die friedliche Demonstration auf dem Platz vor dem Parlament an und lösten Panik aus. Sie warfen mehrere Brandsätze in Richtung der Teilnehmer. Die Polizei antwortete mit Tränengas, um die Menschenmenge aufzulösen. Tausende flohen in Panik. Die Zusammenstöße flammten immer wieder auf.

Wie es in einer Erklärung des Krankenhauses hieß, wurde der 53-jährige, der schließlich starb, ohne sichtbare Verletzungen eingeliefert. Wie der Arzt des Krankenhauses, Ilias Sioras, im Rundfunk sagte, habe der Mann sich „unwohl gefühlt“ nachdem er Tränengas einatmete. Er fiel in der Nähe des Parlamentes in Ohnmacht. Die Ärzte konnten, „obwohl sie 50 Minuten lang um sein Leben kämpften“, nichts tun, hieß es.

Demonstrationen gab es auch in der Hafenstadt Thessaloniki im Norden des Landes, in der westgriechischen Hafenstadt Patras und auf Kreta in der Hafenstadt Heraklion sowie in der Stadt Ioannina im Nordwesten des Landes, berichtete das griechische Fernsehen.

Aus Protest gegen die Sparprogramme ließen Mitarbeiter von Ministerien, Fährbetrieben und der Bahn die Arbeit ruhen. Ihnen schlossen sich Taxi-Fahrer und Angestellte öffentlicher Verkehrsbetriebe an.

Kommunistische Demonstranten forderten den Austritt Griechenlands aus der Eurozone und der Europäischen Union. Die Ultrakonservative Partei LAOS verlangte den Rücktritt der Regierung und Neuwahlen.

  • rtr
  • dpa
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10 Kommentare zu "Schuldenkrise: Griechisches Parlament billigt neues Sparpaket"

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  • Wie berichtet, hat Griechenland gerade zwei neue Fregatten für 1,2 Milliarden Euro gekauft! Wirklich eine "lebenswichtige" Anschaffung bei dem Schuldendebakel!

  • @gast
    Es ist nicht Unfähigkeit - es ist Kriminalität. Wenn Sie recherchieren werden Sie mir glauben.

  • ...habe mir die Bilder angesehen! Der Gleiche Mob wie bei uns. Chaotisch und ganz weit links ohne Hirn und Schale. Die eigentlichen Chaoten sitzen bei und wie bei den Griechen im volksfernen Parlament, der völkischen Chaotenzentrale.

  • Nun mal her mit der Kohle! Wir wissen schon wo wir sie hin verschachern. In die Schweiz, nach Luxemburg und Lichtenstein zur Rettung unserer Pensionskassen. Das Volk kann sich unterdessen die Köpfe einschlagen. Ein Schelm der dabei schlechtes denkt.

  • Es hat hier niemand geschummelt. Die Lage Griechenlands war zu jedem Zeitpunkt jedem klar.
    Uns sollte klar sein, dass die mitlerweile blutigen und tödlichen Auseinandersetzungen von Volk und Regierung in Griechenland auch hier stattfinden werden spätestens dann, wenn wir Billionen bereitstellen sollen, die wir nicht haben.
    Ich liebe Europa und ich möchte in ihm leben. Wir müssen einfach ein paar Spinner da mal wieder runter holen auf den Boden der Tatsachen. Eine Physikerin scheint mir da einfach nicht geeignet. Sie weiß, warum ein Stein nicht nach oben fällt aber das genügt nicht. Und leider ist weit und breit kein einziger Politiker in Sicht, der durch ein "Bankrott ist bankrott" eine Normalität herstellen wollte.(Herrn Schäffler nehme ich hier aus)
    Wir sind echt blöd dran im Momment, dabei sind alle, die dort oben hilflos agieren, nur durch Steuergelder dahin gekommen. Wir bezahlen sie, für den Unfug, in dem sie sich üben.

  • Motto: Grieche knüppelt nicht Grieche ... Dann, allerdings, kann es für manchen recht ungemütlich werden.

  • Natürlich billigt das griechische Parlament dieses Sparpaket. Die Politiker müssen ja auch nicht darunter leiden. Man kann leichtfertig andere Existenzen zerstören, wenn man im sicheren weichen Parlamentssessel sitzt. Die Polizisten werden in die Straßenschlacht geschickt und dabei sind sie selber Beamte und müssen demnächst wahrscheinlich Gehaltseinbußen oder Jobkürzungen hinnehmen. Anstatt, dass sich die Polizisten mal darüber klar werden und sich mit den Demonstranten verbünden und das Parlament in Brand stecken. Die Demonstranten kämpfen doch auch für die Interessen dieser Polizisten. Die wahren Schuldigen sitzen im Parlament und entscheiden über das Schicksal der Bevölkerung. Nur weil sie sich in den Euro geschummelt haben, muss die Bevölkerung die Sache ausbaden. Was für eine kranke Welt.

  • Kürzungen um lediglich 20% reichen bei weitem nicht aus. Man hätte mindestens um 50% kürzen müssen. Ein Beamter in der Slowakei verdient lediglich 1/6 des Gehaltes eines griechischen Kollegen bei sogar noch etwas höheren Lebenshaltungskosten.

  • Ich versteh nicht, warum die nicht begreifen das es höchste Zeit ist die Ärmel hochzukrempeln ! Bei den ganzen
    Streiks wird sich doch kein Unternehmer trauen dort zu investieren.

  • "Friedliche Demonstranten" mit roten Fahnen? Ich weiß nicht. Fotos gibt es hier:

    http://tinyurl.com/423ha47

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