Schuldenkrise
Irland saniert auf Kosten des Aufschwungs

Nach fünf Jahren Krise steht Irland aus Musterschüler da. Die Wirtschaft wächst und die Geldgeber sind überzeugt. Doch die Sanierung hat ihren Preis, den vor allem die Bevölkerung zahlen muss.
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DublinIrland gilt als leuchtendes Vorbild für die Krisenstaaten Europas: Die Wirtschaft wächst, die von den internationalen Geldgebern geforderten Reformen sind im Gange - und sogar irische Staatsanleihen verkauften sich jüngst wieder am Kapitalmarkt. Noch in diesem Jahr will das Land die Hilfen aus dem Euro-Rettungsfonds in Form von Krediten und Garantien nicht mehr in Anspruch nehmen. Doch dafür dringt Dublin in Europa auf Erleichterungen. Denn Schuldenlast und Reformen bleiben nicht ohne schmerzhafte Folgen in dem Land, das zum 1. Januar den halbjährigen Vorsitz der EU-Staaten übernommen hat.

Nicht alle Zahlen sind rosig. Zwar rechnet die irische Regierung mit 0,9 Prozent Wirtschaftswachstum für das vergangene Jahr. Doch die strenge Sparpolitik hat die Arbeitslosigkeit auf fast 15 Prozent getrieben, bei jungen Menschen ist die Quote fast doppelt so hoch. Viele Iren besinnen sich auf die Auswanderer-Tradition der grünen Insel. Der Aufschwung bleibt fragil, denn das Exportland Irland hängt am Tropf der Weltwirtschaft.

Bei der Sanierung der Staatsfinanzen macht die Regierung Fortschritte. So ist das Haushaltsdefizit - die Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben des Staates - im vergangenen Jahr auf rund acht Prozent der Wirtschaftsleistung geschrumpft. Damit liegt es jedoch nach wie vor weit über dem EU-weit vereinbarten Drei-Prozent-Ziel, das Irland 2015 wieder erreichen soll. Zudem steigt die Schuldenlast Dublins in diesem Jahr wohl auf 120 Prozent der Wirtschaftsleistung.

Einen Großteil dieser Schulden hat Irland im Zuge der Bankenrettung angehäuft, die die Regierung 2010 begann. Dabei floss neben Mitteln der Geldgeber der Eurostaaten und des Internationalen Währungsfonds (IWF) auch reichlich irisches Steuergeld. 85 Milliarden Euro schwer war das Rettungspaket für das Land insgesamt, 35 Milliarden Euro sollten dabei an die Banken gehen.

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„Irland wird lange anfällig bleiben“

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  • Ich nehme an das Sandwich ist Teil einer Absprache mit der IDA. Google zahlte ja nur 0.14% auf seine Gewinne in den letzten sieben Jahren in Irland. Das Dopplte Irland funktioniert ja nur in Anbsprache mit den Holländern im Sandwich. Die grossen Verlierer sind hier Deutschland, USA und die UK.

    Dafür stellt Google 2500 Leute in Dublin an als Gegenleistung sozusagen die schön Einkommensteuer in Irland abführen müssen. Das bringt nochmal 50 Millionen im Jahr. Natürlich ist das nichts im Vergleich zu den Milliarden die dem Fiskus in Deutschland, US und UK dabei Flöten gehen, nämlich ungefähr $10 Milliarden.

  • Mich wundert, dass das irische Volk es tatenlos hingenommen hat, dass Unternehmen nach wie vor nur minimal zur Finanzierung der Krise herangezogen wurden - die 12,5% Unternehmensteuer könnten locker auf 20% erhöht und diverse Steuerschlupflöcher wie das "dutch sandwich" geschlossen werden, ohne dass alle Firmen Irland verlassen

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