Schuldenkrise
Italienischer Senat stimmt radikalem Sparpaket zu

Mit einem harten Sparkurs stemmt sich Italien gegen den Staatsbankrott. Ministerpräsident Berlusconi hatte die heutige Abstimmung über das Sparpaket mit der Vertrauensfrage verknüpft.
  • 2

Rom/MailandAngesichts der akuten Ansteckungsgefahr in der Euro-Schuldenkrise peitscht Italien ein verschärftes Sparpaket durchs Parlament: Der Senat in Rom nahm das Programm am Donnerstag als erste der beiden Kammern an, nachdem Ministerpräsident Silvio Berlusconi die Abstimmung mit der Vertrauensfrage verknüpft hatte. Das Abgeordnetenhaus wird das Paket voraussichtlich am Freitagabend ebenfalls durchwinken. Italien will binnen vier Jahren knapp 48 Milliarden Euro einsparen und sich damit gegen ein Überschwappen der Schuldenprobleme von den Randstaaten der Euro-Zone wappnen.

Ursprünglich sollte sich die Rotstiftpolitik nur auf eine Summe von rund 40 Milliarden Euro erstrecken. Finanzminister Giulio Tremonti sattelte jedoch in letzter Minute weitere Milliarden drauf, um die Märkte mit seinen Sparplänen nachhaltig zu beeindrucken.

Italien steht bei seinen Sparanstrengungen unter Zugzwang, da die Investoren mittlerweile Rekordzinsen für langfristige Anleihen verlangen und der Schuldendienst somit immer teurer wird. „Die Refinanzierungskosten sind in jüngster Zeit in einem unhaltbaren Tempo gestiegen. Daher kommt es entscheidend darauf an, dass das Sparpaket durchkommt“, sagte Ökonom Orlando Green von Credit Agricole.

Kurz vor der Abstimmung hatte Italien Staatsanleihen im Wert 4,96 Milliarden Euro verkauft und musste dafür Rekordzinsen zahlen. Die Anleihen mit einer Laufzeit von 5 Jahren werden mit 5,9 Prozent verzinst, dem höchsten Satz seit Einführung des Euros. Bei der letzten Auktion dieser Papiere am 15. Juni lag der Zins noch bei 3,9 Prozent. Für Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 15 Jahren wird ein Zins von 4,93 Prozent gezahlt, das ist der höchste Satz seit Juni 2008.

Seite 1:

Italienischer Senat stimmt radikalem Sparpaket zu

Seite 2:

Tremontis "Goldene Regel"

Kommentare zu " Schuldenkrise: Italienischer Senat stimmt radikalem Sparpaket zu"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Deshalb werden die Sparpläne auch nicht greifen.

  • Das Traurige ist nur, daß die italienischen Sparpläne nicht aus eigener Einsicht erfolgen, sondern weil sie Italien mittlerweile von außen aufgezwungen werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%