Schuldenkrise
IWF fordert Finanzspritzen für Europas Banken

Das Finanzsystem ist instabil wie seit 2008 nicht mehr: Um 300 Milliarden Euro haben sich die Risiken der Banken wegen der Euro-Krise laut IWF erhöht. Die Institute brauchen frisches Geld - notfalls auch durch Zwang.
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WashingtonEuropas Schuldendrama reißt bei den Geldhäusern des Kontinents enorme Löcher: Die Schuldenkrise hat die Risiken in den Büchern europäischer Banken nach einem IWF-Bericht um schätzungsweise 300 Milliarden Euro erhöht. Daher sei eine Rekapitalisierung dringend erforderlich, um potenzielle Verluste ausgleichen zu können, heißt es im halbjährlichen Globalen Finanzstabilitätsbericht, den der Internationale Währungsfonds am Mittwoch veröffentlichte.

Das globale Finanzsystem sei so verwundbar wie seit 2008 nicht mehr, heißt es in dem Bericht. Die Risiken für die Finanzstabilität hätten sich „substanziell“ erhöht, schreiben die Experten des Fonds. Dies gelte nicht nur für Europa, der Schaden könne auch auf Institute in Schwellenländern übergreifen. Die Zahl von 300 Milliarden Euro beinhalte den Rückgang der Vermögenswerte und den Anstieg der Refinanzierungskosten. Der Kapitalbedarf europäischer Banken sei indes nicht ermittelt worden. Dies würde einen umfassenden eigenen Stresstest erfordern. Der Fonds unterstreicht damit, dass die genannten Summen nicht einen Kapitalbedarf der europäischen Banken darstellten, sondern lediglich ein Risiko.

200 Milliarden davon rührten direkt von Beständen an Anleihen von Schuldenstaaten her, heißt es in dem Bericht. Weitere etwa 100 Milliarden Euro kämen noch einmal durch Finanzverbindungen von Geldhäusern untereinander dazu. Einige Banken hätten bereits den Zugang zu privaten Kapitalquellen verloren, befindet der Bericht. Dadurch erhöhe sich das Risiko neuer Kreditengpässe und Gefahren für das Wirtschaftswachstum. Um gegenzusteuern, müsse die Politik „glaubhafte Strategien“ zum Schuldenabbau vorlegen und die Belastbarkeit der Banken erhöhen.  

Der IWF betrachtete für die Berechnung der direkten Belastungen der Banken durch die Schuldenkrise die Veränderungen bei Kreditausfallversicherungen (CDS) auf Staatsanleihen der ursprünglichen Problemländer Griechenland, Irland und Portugal, aber auch Belgien, Italien und Spanien seit 2010. Über diesen Weg kalkulierten die Fonds-Experten die Anleihewerte nach Marktpreisen.

In der Eurozone habe politischer Streit innerhalb von Ländern wie auch zwischen Staaten, die Hilfestellung leisten, eine dauerhafte Lösung behindert, kritisiert der Weltwährungsfonds weiter. In den USA wüchsen unterdessen die Zweifel, ob die Politik in Washington zu einer Einigung auf eine mittelfristige Haushaltskonsolidierung imstande sei - ein Schritt, der für die globale Stabilität von entscheidender Bedeutung sei. Dieses „schwache Politik- und Finanzmarktumfeld“ lasse die Sorge um Ausfallrisiken wachsen. „Die Risiken sind größer geworden, und die Zeit läuft ab, um Schwachpunkte anzugehen, die das globale Finanzsystem und die Konjunkturerholung gefährden.“  

Mit Blick auf die europäischen Banken hatte IWF-Chefökonom Olivier Blanchard erst am Dienstag die Haltung des Weltwährungsfonds bekräftigt, Banken notfalls auch zwangsweise mit öffentlichem Kapital zu versorgen. Es wäre immer der wünschenswertere Weg, wenn Geldhäuser frisches Kapital aus privaten Quellen erhielten, erklärte Blanchard in Washington. Komme es aber nicht dazu, „macht es Sinn, sie (die Banken) dazu zu zwingen, öffentliche Mittel zu akzeptieren“.

Der Vorschlag war in der Bankenwelt auf entschiedene Kritik gestoßen. EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia hatte am Dienstag in Brüssel erklärt, noch mehr europäische Banken benötigten frisches Geld. Die Lücke gehe über die neun Geldhäuser hinaus, die bei den europaweiten Stresstests im Juli durchgefallen waren und nun ihr Eigenkapital aufstocken müssten. An den Finanzmärkten kursieren schon länger Befürchtungen, dass eine Pleite des Schuldensünders Griechenland enorme Löcher in die Bilanzen europäischer Geldhäuser - vor allem in Frankreich und Italien - reißen könnte.

Agentur
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  • "Eine der schwierigsten Aufgaben sei, den notleidenden Finanzsektor wiederzubeleben, damit er der Wirtschaft wieder Kredite geben könne. "
    Heute zu lesen bei finanzen.net
    In Wirklichkeit sollen erst mal Banken gerettet werden, nicht nur gerettet, sondern bei ihrem perfiden Spiel unterstützt werden, dem Bürger alles zu nehmen, nicht nur in Griechenland, auch überall sonst in Europa, natürlich auch in Deutschland. Denn wer verkauft neue Kredite, staatlich abgesichert, zu hohen Zinsen? die Griechen ? Nein, die Banken.
    Die Griechen in zu Sklaven der Politik gemacht; nicht nur die Griechen, sondern alle Bürger der europäischen Staaten
    Der Euro ist nicht mehr zu retten, Gott sei Dank. Aber die Bürger und Demokraten, alle freiheitsliebenden Menschen sollten aufpassen, daß Merkel und Co mit Ihrem Spiel nicht durchkommen.
    "Unangenehme Wahrheiten werden zuerst ignoriert, dann bekämpft, schließlich irgendwann als selbstverständlich angesehen und angenommen," Das strammt von Arthur Schopenhauer. dparvus

  • Hier werden Schulden mit immer neuen Schulden gekittet. Das Finanzsystem ist am Ende, die Gier seiner Akteure hat diesen Vorgang in den letzten Jahren nur beschleunigt. Nun zieht man noch die Staaten und Druckerpressen bis zur Insvolvenz für die Zinseszins-Spielchen heran und am Ende werden immer mehr Menschen feststellen, dass all die bedruckten Anleihe- und Geldzettelchen nichts mehr wert sind. Ich freue mich schon auf den kollektiven Untergang.

  • Bitte ruhig bleiben und richtig lesen...

    Der Fonds unterstreicht damit, dass die genannten Summen nicht einen Kapitalbedarf der europäischen Banken darstellten, sondern lediglich ein Risiko.

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