Schuldenkrise

IWF kritisiert Athens Reformtempo

Der Internationale Währungsfonds ist unzufrieden mit Griechenlands Kampf gegen die horrenden Staatsschulden. Das bisherige Reformtempo der Regierung reiche nicht aus, heißt es in einem Bericht der Behörde.
Update: 13.12.2011 - 20:25 Uhr 22 Kommentare
Die Behörde von Christine Lagarde sieht die Zukunft Griechenlands kritisch. Quelle: dapd

Die Behörde von Christine Lagarde sieht die Zukunft Griechenlands kritisch.

(Foto: dapd)

WashingtonGriechenland stemmt sich weiter mit Macht gegen die drohende Staatspleite. Während in Athen um den freiwilligen Schuldenschnitt der größten Gläubiger gerungen wird, sehen internationale Experten bei den bisherigen Reformfortschritte schwarz.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) kritisiert das langsame Reformtempo in Griechenland. Zwar habe das Land im Kampf gegen die Schulden erste Erfolge erzielt, doch angesichts schlechter Wachstumsprognosen gebe es nach wie vor erhebliche Risiken. Der IWF begrüßte die Bildung der neuen Regierung in Athen. Doch zugleich warnte er: Das Reformprogramm „ist klar in eine schwierige Phase eingetreten.“ Die Wachstumsaussichten hätten sich verschlechtert und erschwerten Reformen, meinte die Europaabteilung des IWF in ihrer neuen Einschätzung. Neusten Schätzungen zufolge schrumpfe die griechische Wirtschaft dieses Jahr um 5,5 bis sechs Prozent sowie zwischen 2,75 und drei Prozent im nächsten Jahr.

„Das Wachstum dürfte für einen längeren Zeitraum unter dem Durchschnitt der Zeit vor der Krise verharren“, heißt es in dem am Dienstag veröffentlichten Bericht. Der IWF, neben den Euro-Partnern bislang der wichtigste internationale Geldgeber des pleitebedrohten Landes, stößt damit ins gleiche Horn, wie die Industriestaaten-Organisation OECD.

Die hatte in der vorigen Woche ein vernichtendes Urteil über die Reformfähigkeit des griechischen Staatsapparates abgegeben. Die OECD hatte alle 14 Ministerien
untersucht. In einer Studie rügte sie dann, es gebe weder eine Vision über das Reformziel noch eine Kontrolle für die Umsetzung, kaum Kommunikation innerhalb der Behörden und ein kompliziertes administratives Beziehungsgeflecht ohne jegliche Koordination.

Mit deutlicher Skepsis beurteilt der IWF das Tempo der Reformen. Die Umsetzung der Reformen habe sich über den Sommer deutlich verlangsamt. Nicht zuletzt beim entscheidenden Kampf gegen Steuerhinterziehung gehe es weiterhin nur schleppend voran.

Zwar würden auch externe Probleme das Reformprogramm belasten, wie etwa die Zurückhaltung von Investoren nicht zuletzt angesichts der Krise auch in anderen Euro-Staaten. „Aber der entscheidende Faktor war das langsame Tempo der strukturellen Reformen in diesem Jahr.“ Zwar gebe es bereits Fortschritte, räumte der IWF ein, der ebenfalls im Kampf gegen die Euro-Krise beteiligt ist. So sei das Haushaltsdefizit trotz des Wachstumsrückgang um fünf Prozent gesenkt worden. Doch wenn es auf diesem Wege weitergehen soll, „wird ein stärkeres Management der weitreichenden und komplexen Reformen benötigt“.

Ausdrücklich betont der IWF die Notwendigkeit, dass Athen den Kampf gegen die grassierende Steuerhinterziehung entschlossen aufnimmt. Andernfalls werde es keine finanzielle Konsolidierung geben. Scharfe Einschnitte seien auch im staatlichen Sektor notwendig. Dazu gehöre die Schließung unproduktiver Staatsbetriebe, Verringerung der großen Zahl öffentlich Bediensteter sowie Anpassung großzügiger Staatsbezüge und staatlicher Renten.

Auch nach dem jüngsten EU-Gipfel zur Euro-Rettung halten die großen Banken und Versicherer derweil einem Handelsblatt-Bericht zufolge an dem freiwilligen 50-prozentigen Schuldenschnitt fest. Die Zeitung beruft sich auf eine Umfrage. Der Weltbankenverband IIF befinde sich derzeit in letzten Gesprächen, um die Details festzulegen, hieß es unter Berufung auf Finanzkreise weiter. Das solle bis Freitag dieser Woche geschehen. Beide Seiten haben sich aber noch nicht endgültig einigen können, wie es aus Kreisen des Finanzministeriums hieß.

10,5 Milliarden Euro der EU für Infrastruktur
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22 Kommentare zu "Schuldenkrise: IWF kritisiert Athens langsames Reformtempo "

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  • Das einzige was sich in Griechenland bewegt, das sind die Uhrzeiger. Aber die schaffen es bestimmt, auch für die einen langsamen Schongang einzulegen.

  • War denn etwas anderes zu erwarten? Nein! Kritiker haben schon von Anfang an über die zuerwartende Verschleppung von Reformen in Griechenland gewarnt.Wer das Land und die Mentalität der Griechen kennt, kann nicht überrascht sein.
    Und es wird auch weiterhin so bleiben.
    Die Notwendigkeit von Reformen ist weder bei allen Politikern geschweige denn den Menschen angekommen.Griechenland wird den Weg bis zum bitteren Ende gehen.Erst wenn keine Hilfe mehr von außen kommt, werden die Leute aufwachen.Leider.

  • aus der Frankfurter Rundschau kopiert:
    „Die Zahl der Suizide in Griechenland hat sich zumindest verdoppelt, wenn nicht verdreifacht“ seit Beginn der Schuldenkrise

  • Ein Volk wird versklavt!
    Die Exportgier der Industrieländer und deren Großkonzerne, durch Bestechung von korrupten Regierungen und Regierungsmitgliedern Griechenlands und mit der Mittäterschaft von deutschen und französischen Banken, hat zu dieser Überschuldung geführt.
    Jetzt wird ein ganzes Volk versklavt, während die Verantwortliche von Siemens, Mercedes, Krauss-Maffei, Dassault, die korrupte griechische Regierungsmitglieder und unsere Bankmanager, unbestraft, ein Leben in Luxus und Überfluss genießen können.
    Ergänzend aus der Frankfurter Rundschau:
    „Die Zahl der Suizide in Griechenland hat sich zumindest verdoppelt, wenn nicht verdreifacht“ seit Beginn der Schuldenkrise.
    Ihr Völker der Welt, ihr Völker in Amerika, in England, in Russland, in China, in Frankreich, in Italien und auch in der Türkei! Schaut auf dieses Volk und erkennt, daß ihr dieses Land und dieses Volk nicht preisgeben dürft und nicht preisgeben könnt!
    Es gibt nur eine Möglichkeit für uns alle: gemeinsam so lange zusammenzustehen, bis dieser Kampf gewonnen, bis dieser Kampf endlich durch den Sieg über die Feinde, durch den Sieg über die Macht der Finsternis besiegelt ist.

  • Also ich versteh dies alles nicht mit Griechenland. Merkosy haben doch letzte Woche die Vertraege geaendert und sich dafuer feiern lassen. Jetzt sollte doch alles mit der EU und dem Euro in Ordnung kommen - oder?

    Andererseits - mir kommt der Euro vor wie jemand der auf der Intensivstation liegt und mit allen Mittel am Leben erhalten werden soll. Ein langsames und teueres Sterben, mehr nicht. Beschlossen durch unsere Politiker und bezahlt durch die Buerger. Fuer ein anstandig organisiertes Begraebnis wird dann wenig Zeit und Geld sein.

  • http://www.youtube.com/watch?v=2IRnDOtu1z8

    Sie sind leider nicht auf der Höhe der Zeit. Ich helfe gerne aus.

  • http://www.youtube.com/watch?v=2IRnDOtu1z8

    Sie sind leider nicht auf der Höhe der Zeit. Ich helfe Ihnen aus.

  • Ihre Wut in allen Ehren. Aber wo bleibt der sachliche Kommentar?
    Sollen wir jetzt alle Briefmarken sammeln um der Krise zu entkommen?

  • @Pro-D: Es ist traurig, dass immernoch die tiefbraunen Parolen iSv "Deutschland ist kein souveräner Staat" von Ihnen propagiert werden...
    Deutschland ist ebenso souverän wie jeder andere "Staat" dieser Erde! Definition eines Staates frei nach Jellinek: Staatsgebiet, Staatsgewalt, Staatsvolk...und ich bitte von Argumentationen Abstand zu nehmen, die das deutsche Volk als "inhomogenes" Volk darstellen...schaut man sich die USA an, erkennt man, dass diese bei weitem inhomogener sind als das deutsche Volk, trotzdem würde sich niemand anmaßen zu behaupten, die USA wären kein souveräner Staat...

    Im Übrigen möchte ich mich insofern äussern:
    Auch ich gehe davon aus, dass in nächster Zeit große Verwerfungen, Umwälzungen und Paradigmenwechsel stattfinden werden...
    ...wie lange es dauert, bis die Masse merkt, dass sie von den Medien verblendet und den Politikern verarscht wurde wird sich zeigen und ich hoffe es dauert nich mehr allzulange...

  • Ihr Kommentar ist in vielen Punken richtig (und lustig)!
    Aber was machen wir mit den Politikern die mit der Abstimmung nichts zu tun hatten? Den Herrn zu Gutenberg im fernen Ammiland(Brüssel) mal ausgenommen? Sollen die auch am HUngertuch nagen? :-)

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