Schuldenkrise
IWF will Italien auf die Sprünge helfen

Klares Signal vom IWF: Weil die Euro-Nachbarn Italien nicht disziplinieren können, will der Internationale Währungsfonds helfen, die Italiener auf Sparkurs zu bringen.
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Brüssel"Der IWF könnte dabei helfen, die Fiskalpolitik von Euro-Staaten wie Italien zu kontrollieren", sagte ein hochrangiger Diplomat dem Handelsblatt. Die Euro-Zone selbst habe offenkundig Probleme damit, große Länder wie Italien zu disziplinieren, sagte der Diplomat und verwies auf einen gescheiterten Versuch von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet.

Der Notenbank-Chef hatten Italiens Ministerpräsident Berlusconi bereits im Sommer einen Brief geschrieben und darin auf Strukturreformen gedrängt. Die italienische Regierung habe sich davon aber kaum beeindrucken lassen, hieß es in Brüssel. Am vergangenen Wochenende versuchten Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy erneut, Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi zu weiteren Sparmaßnahmen und Reformen zu bewegen.

Zuvor waren Mahnungen der EU-Kommission zum großen Teil wirkungslos geblieben. EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn räumte ein, dass es Zweifel am Reform- und Sparwillen Italiens gebe. Um diese Zweifel auszuräumen, müsse Berlusconi den anderen Euro-Regierungschefs "einen klaren Zeitplan für konkrete Entscheidungen" vorlegen, sagte Rehn dem Handelsblatt.

Zum einen müsse Italien einen ausgeglichenen Staatshaushalt ohne Neuverschuldung bis 2013 wie versprochen erreichen. Zum anderen müsse Berlusconi seine Partner davon überzeugen, dass er überfällige Wirtschaftsreformen nun endlich anpacken werde. Als Beispiel für überfällige Reformen nannte Rehn "die Öffnung staatlich geschützter Berufe, die Liberalisierung des Arbeitsmarktes und die Reform des Justizsystems."

Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.
Ruth Berschens
Handelsblatt / Büroleiterin Brüssel

Kommentare zu " Schuldenkrise: IWF will Italien auf die Sprünge helfen"

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  • Die Italiener werden sich über die Drohungen sicher freuen. So wächst ein Europa zusammen, wie es zusammengehört! Bald werden wohl die Linken in Regierungsverantwortung sparen müssen, nicht mehr Berlusconi. Das wird ein Spaß!

  • Nachdem Sarkozy und Merkel Berlusconi zu mehr Sparmaßnahmen und Reformen aufgefordert haben, sehen die Italiäner das als Gesichtsverlust an und verwahren sich gegen jegliche Kritik aus dem (befreundeten) Ausland.

  • weshalb sollten die Italiener sparen - schliesslich gibt es ja die Nordländer. Die sind so wild darauf ihr Geld zu verteilen, dass sie sogar parteiübergreifend dafür stimmen.
    Während die eigenen Leute, wenn es ums Geld geht entweder leer ausgehen oder gnädigerweise von einer Fraktion unterstützt werden.
    Also, noch einmal - warum sollen die Italiener sparen ??!!

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