_

Schuldenkrise: Jetzt auch noch Italien

Der Warnschuss von Standard & Poor's gegen Italien hat die Regierung in Rom alarmiert. Um eine schlechtere Note zu verhindern, soll nun drastisch gespart werden. Andere Ratingagenturen stehen zu Italien - noch.

Muss auch Italien bald unter den Euro-Rettungsschirm? Quelle: dapd
Muss auch Italien bald unter den Euro-Rettungsschirm? Quelle: dapd

Rom/BerlinIm Kampf gegen die Schuldenkrise plant Italien nach Angaben aus Regierungskreise Einsparungen von bis zu 40 Milliarden Euro. Nach dem Warnschuss der Rating-Agentur Standard & Poor's wolle das Kabinett die Sparpläne bereits im Juni bekanntgeben, um "ein Signal an die Märkte" zu senden, sagte ein ranghoher Regierungsvertreter am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. Mit den Sparmaßnahmen in einem Umfang von 35 Milliarden bis 40 Milliarden Euro solle sichergestellt werden, dass die Regierung bis 2014 einen ausgeglichenen Haushalt erreiche.

Anzeige

In der Euro-Schuldenkrise war Italien zuvor wieder in den Blick geraten: Standard & Poor's drohte dem Land am Samstag mit einer schlechteren Bonitätsnote. Die S&P-Analysten warnten, sollte das italienische Wirtschaftswachstum weiter schwach bleiben, werde die Regierung in Rom Probleme mit ihren Plänen zur Schuldensenkung bekommen. Die Risikoaufschläge für zehnjährige italienische Staatsanleihen stiegen deshalb am Montag im Vergleich zur deutschen Bundesanleihe auf den höchsten Stand seit Januar.

Die beiden Ratingagenturen Fitch und Moody's wollen im Unterschied zu ihrem Konkurrenten S & P den Ausblick für Italiens Kreditwürdigkeit nicht senken. "Es gibt derzeit keine Hinweise dafür, dass sich Italiens Haushaltsposition verschlechtert", sagte Fitch-Analyst David Riley. "Die Regierung ist auf dem weg, ihre Ziele für 2011 zu erreichen und hat sich 2010 etwas besser geschlagen als erwartet." Auch Moody's halte den Ausblick stabil, sagte Sprecher Franceso Meucci.

Griechenland

Die Furcht vieler Anleger vor einer Ansteckung Italiens mit dem Schuldenkrisen-Virus schickte derweil den deutschen Aktienmarkt zu Wochenbeginn auf Talfahrt. Der Dax rutschte zwei Prozent auf 7124 Punkte ab. "Nachdem die Berichtssaison weitgehend vorbei ist, vermissen Investoren einen positiven Antrieb, und Sorgen über die finanzielle Stabilität sind noch immer eine Belastung für den Aktienmarkt", hieß es in einem Marktkommentar von Close Brothers Seydler. Neben der angespannten Lage in Griechenland beunruhigte die S&P-Warnung vor einer Herabstufung Italiens. Der Mailänder Leitindex brach drei Prozent ein, wozu allerdings auch eine große Zahl von Dividendenzahlungen beitrug. Der Euro fiel auf ein Zwei-Monats-Tief von 1,3970 Dollar zurück.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hält die Angst vor einer Schieflage Italiens für unbegründet. „Italien wird kein zweites Griechenland“, sagte der DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner Handelsblatt Online. „Die italienische Wirtschaft steht strukturell wesentlich besser da als die griechische Volkswirtschaft mit ihrem aufgeblähten Staatssektor und erheblichen Wettbewerbsproblemen.“

  • 23.05.2011, 21:06 UhrAnonymer Benutzer: gerhard

    "Jetzt auch noch Italien-"

    Mit solchen oder ähnlichen Sätzen fingen die anderen Staaten vorm "Einkriechen" unter den Rettungsschirm auch an. Zunächst immer noch einmal versichern - unser Land ist sicher - (nur das Geld nicht). Letzteres aber nicht laut.

    Nicht wir schaffen den Euro - sondern der Euro schafft uns jetzt gnadenlos alle- ab.
    Gesternr hiess es einmal - feste anschaffen (es Lebe der Wohlstand ) heute heißt es bald
    - rette sich wer kann -wir schaffen uns sonst ab - ob nun mit oder ohne Wirtschaftsweisen -
    das ist nicht die Frage

  • 23.05.2011, 19:51 Uhrmargrit117888

    Ich wehre mich ein bißchen gegen das Amerika-bashing.
    Das hündische Kriechen vor den USA hat Merkel begonnen, von sich aus, von ganz alleine
    Aber dieser Satz von Martina stimmt:
    Übrigens haben die Grünen in ihrer Regierungszeit genau diese "Rahmenbedingungen" mit geschaffen. Rot/Grün hat die Büchse der Pandora geöffnet.
    Und klar, bereichern sich die Banken und Reichen, aber dies geht doch nur, weil man sie läßt.
    Was hat Merkel in der ersten Krise denn getan? Den Banken das Geld vor die Tür gekarrt ohne Verträge zu machen. Das Resultat kennen wir doch alle: Die Banker haben sich vom Steuergeld ihre Boni und Millionen-Abfindugnen genehmigt.
    Menschen machen immer das, was legal ist und was keiner verbietet.
    Und seit Merkel den EU-Vetrag mal einfach so ausgehebelt hat und den Rettungsscirm zusammen mit Sarkozy eröffnet hat, ist der Geist aus der Flasche und den werden wir auch nicht wieder rein bekommen.
    Sarkozy halte ich übrigens für einen hochgefährlichen Brandstifter
    Und nun das Geschimpfe auf die Südstaaten von Merkel wird eines zur Folge haben: neuen Unfrieden in Europa und neuen Hass auf die Deutschen.
    Und dazu brauchte man eine stramme DDR-Sozialistin, die unser Land völlig zerstört und niemand hindert sie, das ist das Schlimmste
    Wir haben 40 Jahre lang in Frieden mit unseren Nachbarn gelebt und es ging uns gut.
    Und weil die Politik weiß, dass hier evtl. auch bald Randale sein wird, wollen sie die BW im Innern. Aber dazu mußte erst einmal die Wehrpflicht-Armee, der Bürger in Uniform abgeschafft werden, denn unsere Jungs von der BW schießen nicht auf ihre Mütter.
    Aber ein Söldnerheer, was jetzt errichtet wird, wird auf alles schießen
    Wie konnte es nur so weit kommen?
    Anschließend werden wieder alle sagen "das hben wir nicht gewußt"
    Aus der Geschichte nichts gelernt

  • 23.05.2011, 17:28 UhrAS1

    Die Büchse der Pandora haben die Amerikaner, allen voran die FED geöffnet. Und zwar schon seit der Subprime-Krise! Und Schwarz/Gelb hat für Europa (Griechenland, Portugal und Irland) den Geldhahn aufgedreht, obwohl bekannt war, das das Geld nicht mehr zurück kommt. Das Ergebnis kennen wir: die höchste Staatsverschuldung seit Bestehen der Bundesrepublik und ein Ende ist nicht in Sicht. Und die Gewinner sind: Die Ackermänner und deren Gefolgsleute. Und zu allem Überfluss taucht der Name Ackermann noch als IWF-Chef-Vorschlag auf. Lobbyismus pur!

  • Video

Politik Bundestag stärkt Organspende

Krankenversichterte ab 16 Jahren werden in Zukunft häufiger gefragt, ob sie Organspender werden wollen. Dieses Gesetz hat der Bundestag mit großer Mehrheit verabschiedet - und noch einige weitere Entscheidungen gefällt.

  • Die aktuellen Top-Themen
Kontrolle weiter abgelehnt: Iran plant Bau eines neuen Atomkraftwerks

Iran plant Bau eines neuen Atomkraftwerks

Der Iran bleibt beim Atomprogramm stur: Kontrolleuren wird nach wie vor der Zugang zu den Anlagen verweigert - gleichzeitig kündigte die Regierung nun den Bau eines neuen Kernkraftwerks an. Streit ist vorprogrammiert.

Umfragewerte: Union sinkt in der Wählergunst auf 32 Prozent

Union sinkt in der Wählergunst auf 32 Prozent

Ganze drei Prozent verliert die Union in einer aktuellen Umfrage. Mit nur 32 Prozent Zustimmung muss Merkels Partei sogar aufpassen, nicht von der SPD eingeholt zu werden. Doch aus der Partei kommen optimistische Töne.

Wird Strom teurer?: Koalition sorgt sich um Kosten der Energiewende

Koalition sorgt sich um Kosten der Energiewende

Der neue Bundesumweltminister Peter Altmaier will mehr Tempo bei der Energiewende. Es ist eine Herkulesaufgabe. Nun drohen auch noch die Kosten auszuufern. Ein Zurück zur Atomkraft soll es aber nicht geben.

Global Reporting Krieg gegen Krankenhäuser

An einem Sonntagmorgen im Sommer 2011 wollte der 21-jährige Syrer Khaled al-Hamedh Medikamente für seinen kleinen Bruder besorgen. Khaled machte sich auf den Weg zu einem Krankenhaus in seiner Heimatstadt Hama. Die Apotheken in Hama waren... Von Jan Dirk Herbermann. Mehr…

Handelsblog Feuert die Dicke Bertha in die falsche Richtung?

Ein Kernproblem im Euro-Raum ist, dass es in den Krisenstaaten einen gefährlichen Link gibt zwischen dem Bankensystem und den Staatsfinanzen dieser Länder. Geldinstitute in Griechenland, Spanien, Irland und anderen Ländern stehen mit dem... Von Olaf Storbeck. Mehr…

  • Konjunkturtermine
Konjunkturtermine: Wochenvorschau

Wochenvorschau

Die wichtigsten Ereignisse und Indikatoren in Europa und International