Schuldenkrise
Katalonien erwägt Finanzhilfe

Verwirrung in Barcelona: Kurz nachdem ein Beauftragter Kataloniens ankündigte, die Region werde Finanzhilfen beantragen, hat eine Regierungssprecherin dies dementiert. Es sei nur „eine Möglichkeit, die geprüft wird“.
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London/Madrid/FrankfurtEine Sprecherin der Regierung Kataloniens hat die Aussagen des zuständigen Wirtschaftsbeauftragten relativiert, wonach die Region Finanzhilfe in Madrid beantragen wird. Katalonien habe dies noch nicht entschieden, doch sei dies "eine Möglichkeit, die geprüft wird", sagte die Sprecherin am Dienstag. Sie räumte ein, dass Katalonien seit einem Jahr erhebliche Finanzierungsengpässe habe.

Zuvor hatte der Beauftragte der zweitstärksten Wirtschaftsregion Spaniens, Andreu Mas-Colell, dem britischen Sender BBC gesagt, Katalonien verfüge über keine andere Bank als die spanische Regierung und werde Finanzhilfen beantragen.

"Jeder weiß, wie es auf den Märkten aussieht", sagte Mas-Colell. Es sei "normal", dass sich Katalonien an die "Bankendienste" der Zentralregierung wende. Die Region Katalonien legt traditionell auf eine große Unabhängigkeit von der Zentralregierung Wert. Die aktuelle Regionalregierung wird von katalanischen Nationalisten beherrscht.

Laut der Webseite El Confidencial beläuft sich der Schuldenstand Kataloniens insgesamt auf rund 48 Milliarden Euro. Davon müssen im Laufe des Jahres 2012 laut El Confidencial fast 13,5 Milliarden Euro refinanziert werden.

Valencia und Murcia haben bereits angekündigt, Geld aus einem kurzfristig eingerichteten nationalen Rettungsfonds zu benötigen. Am Freitag folgte dann die offizielle Anfrage Valencias bei der Regierung, bei der Region Murcia steht dieser Schritt noch aus. Katalonien gilt als wichtiger Dominostein für das Land und hat sich bereits im Mai als Rettungskandidat ins Gespräch gebracht.

Spanische Medien berichten über insgesamt sieben Regionen, die sich in akuten Finanznöten befinden und Hilfsanträge stellen könnten: Neben Valencia, Murcia und Katalonien soll es sich um Kastilien La Mancha sowie die Balearen, die Kanaren und Andalusien handeln.

Für Spaniens rezessionsgeplagten Staatshaushalt wäre das zwar ein weiterer Kraftakt. Allerdings soll es zunächst um Größenordnungen gehen, die sich gegenüber den immensen Hilfsgeldern für die Banken vergleichsweise bescheiden ausnehmen. Valencia soll über zwei Milliarden Euro erhalten, Murcia muss in der zweiten Hälfte des Jahres 433 Millionen Euro an auslaufenden Schulden tilgen und bei Katalonien soll es dem Zeitungsbericht nach um eine Finanzlücke von 3,5 Milliarden Euro gehen.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Schuldenkrise: Katalonien erwägt Finanzhilfe"

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  • Schade, keine Land da, was man ausplündern kann?

    Hat man doch über Jahrhunderte seien Kolonieren ausgeraubt und die Bevölkerung mit Massaker gefügig gemacht. Und nun auf einmal soll das nicht mehr gehen.

    Der Löwe frisst doch auch das Lamm.
    (...)
    +++ Beitrag von der Redaktion editiert +++

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