Schuldenkrise
In Griechenland setzt sich der Hunger fest

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„Kauen Sie ihr Essen möglichst lange“

„Die Rezepte des Hungers“ – so heißt ein Buch, das sich in Griechenland zum Bestseller zu entwickeln beginnt. Immer mehr Griechen zahlen bereitwillig 12,90 Euro für den Band – viele in der Hoffnung, mit der Lektüre Geld sparen zu können. Geschrieben hat das Buch die Historikerin Eleni Nikolaidou. „Die Idee kam mir, als ich zufällig in einer Zeitung aus den Kriegsjahren auf die Überschrift ‚So sammelt man Brotkrumen’ stieß“, erzählt die Autorin. 18 Monate lang sichtete Nikolaidou in den Archiven griechische Zeitungen aus den Jahren 1941–44, der Zeit der deutschen Besatzung. Sie sammelte Rezepte, mit denen man unter schwierigsten Bedingungen eine Familie einigermaßen satt bekommen kann. „Kauen Sie Ihr Essen möglichst lange, dann fühlt sich der Magen länger voll an“, lautet einer der Tipps.

Im Winter 1941/42 verhungerten und erfroren in Griechenland 300.000 Menschen, weil die deutschen Besatzer Brennstoffe und Nahrungsmittel beschlagnahmt hatten. So verzweifelt wie in jenen Jahren ist die Lage heute noch lange nicht. Aber erstmals seit Kriegsende sind jetzt mehr als ein Fünftel der Griechen arbeitslos. Unter den Jugendlichen ist sogar jeder Zweite ohne Job. Die ausgebrannten Ruinen und die rußgeschwärzten Fassaden, die in der Athener Innenstadt an die schweren Unruhen von vor zwei Wochen erinnern, lassen ahnen, welches Gewaltpotenzial sich in dieser Statistik verbirgt.

Neun von zehn Griechen, so das jüngste Politbarometer, sehen ihr Land auf dem falschen Weg. Griechenland geht ins fünfte Jahr der Rezession. Weil die Wirtschaftsleistung kontinuierlich zurückgeht, steigen die Defizit- und Schuldenquoten. Der Finanzminister erhöht deshalb wieder die Steuern und streicht den Haushalt weiter zusammen, um die Sparvorgaben der internationalen Gläubiger zu erreichen. Damit entzieht er dem Wirtschaftskreislauf noch mehr Geld und treibt das Land tiefer in die Rezession. In diesem Jahr wird das Bruttoinlandsprodukt voraussichtlich um fünf Prozent schrumpfen.

Die Rezession hinterlässt tiefe Spuren in den Unternehmensbilanzen. Die Nettogewinne der 50 größten griechischen Firmen brachen 2011 um 85 Prozent ein, nachdem sie bereits in den beiden Jahren davor kumulativ um 74 Prozent zurückgegangen waren. Besonders hart trifft die Krise die kleinen und mittelständischen Firmen, auf die in Griechenland rund 75 Prozent der Bruttowertschöpfung aller Unternehmen entfallen. Am schwierigsten ist die Situation in der Bauwirtschaft und im Einzelhandel. Der Verband der kleinen und mittelständischen Firmen erwartet für dieses Jahr 61.200 Geschäftsaufgaben und den Verlust von 240.000 Jobs.

Kommentare zu " Schuldenkrise: In Griechenland setzt sich der Hunger fest"

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  • @ Nike (III)

    Noch weniger wissen Sie in diesem Zusammenhang offensichtlich über die verschiedenen „Aggregatzustände“ des Kapitals: „Im Grunde ist das auf Bankkonten liegende Geld das Geld, das im System zu viel ist. Es wird nicht im Wirtschaftskreislauf gebraucht oder belastet sogar.“ Ja, wo kommen denn dann grundsätzlich die „Kredite“ für das „Realkapital“ her??? Und „glauben“ Sie wirklich, dass das Geld einfach so auf den Konten „herumliegt“???
    Selbst wenn es denn, wie z.B. bei der vielzitierten „Übernachteinlage“ der EZB, „herumliegt“ – sind das alle ganz, ganz böse Menschen, die der ja ach so „hochprofitablen“ „Realwirtschaft“ deren Profit nicht „gönnen“??? Könnte es sein, dass die „Realwirtschaft“ – vollkommen unbeeindruckt von Ihrer „Moralpredigt“ – schon längst „unrentabel“ ist??? Oder warum ist denn sonst schon seit Jahr und Tag von „Anlagenotstand“, „Investitionsblasen“ und „gewaltigen Überkapazitäten“ die Rede??? Gibt es in Ihrer „Wirtschaftswelt“ überhaupt so etwas wie die konkurrenzinduzierte Produktivkraftentwicklung und der damit einhergehenden verheerenden Auswirkungen auf sowohl den „Wert“ als auch den “Mehrwert“???
    Ganz offensichtlich ist Ihnen das alles nicht geläufig – und deshalb ist Ihre „Kritik“ der „Zirkulationssphäre“ einfach nur kläglich. Doch glücklicherweise kann mensch ja dazulernen:

    http://www.exit-online.org/textanz1.php?tabelle=autoren&index=21&posnr=83&backtext1=text1.php


    http://www.math.uni-hamburg.de/home/ortlieb/WiderspruchStoffFormPreprint.pdf


  • @ Nike (II)

    Eine gar noch widerlichere Wandlung machen Sie dann durch, wenn Sie in bester - und natürlich unheimlich „demokratischer“ - „Finanzmarktmanier“ das gute alte „Risiko“ auf eben die „Allgemeinheit“ abwälzen: „Wer dann fürs Sparen belohnt werden will, muss das Geld anderen zur Verfügung stellen und bekommt es zum vereinbarten Zeitpunkt zurück (mit Risiko, wie heute auch).“.
    Summa summarum ist Ihre „Kritik“ nichts als schäbiges Nörgeln darüber, wer welchen Teil des abgepressten Kuchens bekommt – der pure Neid.

    Erschreckend jedoch ist Ihre abgrundtiefe Unwissenheit über ökonomische Zusammenhänge im Allgemeinen – und den kapitalistischen Reproduktionsprozess im Besonderen.
    Da mutiert „Geld“ zu einem „einfach herzustellenden“ „Ding“ – beliebig „produzierbar“ wie Tische. Ja, Sie behaupten allen Ernstes, dass „Geld“ „sich aus sich selbst vermehren“ würde - und haben somit die Alchemie neu erfunden. Applaus! Dummerweise wusste schon 1682 ein gewisser William Petty: "Wenn sich der Reichtum einer Nation durch eine Verordnung verzehnfachen ließe(wozu nun mal auch das „Herstellen“ von „Geld“ gehört), wäre es eigenartig, dass unsere Regierungen derartige Verordnungen nicht schon längst erlassen haben."

  • @ Nike (I)

    Was Sie schreiben ist wirklich starker Tobak. Sie bringen aber auch so ziemlich alles, was mensch durcheinanderbringen kann, durcheinander. So will ich denn versuchen, diesen Gordischen Knoten zu lösen.
    Zunächst einmal bleibt festzuhalten, dass auch Sie einer verkürzten Kapitalkritik anhängen, also „Schaffendes versus Raffendes Kapital“ propagieren. Zwar hat selbst Marx dereinst geschrieben: "Das Kreditsystem, das seinen Mittelpunkt hat in den angeblichen Nationalbanken und den großen Geldverleihern und Wucherern um sie herum, ist eine enorme Zentralisation und gibt dieser Parasitenklasse eine fabelhafte Macht, nicht nur die industriellen Kapitalisten periodisch zu dezimieren, sondern auf die gefährlichste Weise in die wirkliche Produktion einzugreifen - und diese Bande weiß nichts von der Produktion und hat nichts mit ihr zu tun.“, also auch die private Verfügungsmacht über gesellschaftliche Mittel angeprangert, dennoch hört bei Marx die Kapitalkritik, im Gegensatz zu Ihnen, dort nicht auf, denn schließlich steht ja auch das Realkapital unter privater Verfügungsmacht. Und deshalb eben bleibt es – bei aller Berechtigung - verkürzte Kapitalkritik.
    Ja, Sie selbst mutieren in der Folge zu dem „Undemokraten“, den Sie selbst anprangern – und da wird es dann hochgradig heuchlerisch, aber auch erschreckend begriffsstutzig. Denn Ihrer ach so „demokratischen“ „Meinung“ nach „steht“ nur dem so genannten „Realkapital“ „Verwertung“ „zu“. Sie „stellen“ gar „demokratisch“ „fest“, dass der Sparer „gar kein Interesse an Verzinsung“ hat. Und überhaupt ist das einseitige Einstreichen des Profits durch das Realkapital die „Demokratie“ per se (bestimmt wurde in den „Betrieben“ darüber „demokratisch abgestimmt“).

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