_

Schuldenkrise: Merkel will gegen Athen hart bleiben

Kanzlerin Angela Merkel empfängt heute den griechischen Regierungschef, um die Spannungen zwischen Athen und Berlin zu lockern und ihre Ablehnung zu erklären. Mitglieder der eigenen Koalition machten es der Kanzlerin im Vorfeld nicht einfach.

Kanzlerin Angela Merkel, hier beim Besuch des ägyptischen Präsidenten Mubarak am Donnerstag, will gegenüber Griechenland hart bleiben. Quelle: ap
Kanzlerin Angela Merkel, hier beim Besuch des ägyptischen Präsidenten Mubarak am Donnerstag, will gegenüber Griechenland hart bleiben. Quelle: ap

BERLIN/ATHEN. Die zunehmend schrille Tonlage zwischen Griechenland und Deutschland sowie die Spekulation der Finanzmärkte auf ein europäisches Rettungspaket überschatten den Besuch des griechischen Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou am heutigen Freitag in Berlin. Angela Merkel wird ihren Gast am späten Nachmittag empfangen, bevor dieser zu Gesprächen mit der französischen Regierung nach Paris reist.

Anzeige

Für weitere Verstimmung in Athen sorgten Forderungen aus der Koalition, Griechenland solle zur Bewältigung der Schuldenkrise Staatsfirmen oder auch unbewohnte Inseln verkaufen. „Ein Bankrotteur muss alles, was er hat, zu Geld machen“, forderte etwa der Vorsitzende der CDU-Mittelstandsvereinigung, Josef Schlarmann, in der „Bild-Zeitung“.

Medienberichte stoßen Athen auf

Diese Tonlage sowie kritische Medienberichte über Griechenlands Haushaltstricks und finanzielles Unvermögen werden in Athen als belehrend und anmaßend empfunden. Auch die strikte Weigerung der Kanzlerin, Griechenland finanzielle Hilfe in Aussicht zu stellen, habe für Verärgerung gesorgt, heißt es in der Umgebung Papandreous. Man fühle sich von den anderen EU-Staaten wesentlich besser verstanden als von den Deutschen. Dabei wird vor allem auf die entgegenkommende Haltung der französischen Regierung verwiesen.

Der stellvertretende Außenminister Dimitris Droutsas versicherte am Donnerstag, seine Regierung wolle aus eigener Kraft einen Ausweg finden, benötige aber auch die Unterstützung der EU-Partner. Das Gerücht, Athen werde den Internationalen Währungsfonds (IWF) um Hilfe bitten, wies Droutsas zurück. Das sei nicht nötig, sagte er dem Deutschlandfunk. Wichtiger sei, dass Deutschland und andere EU-Länder „ein klares Signal an die Finanzmärkte aussenden, dass Griechenland und seiner Regierung das volle Vertrauen“ ausgesprochen werde.

Merkel werde Papandreou heute keinerlei finanzielle Hilfen in Aussicht stellen, hieß es in Regierungskreisen in Berlin. Die Kanzlerin bleibe dabei, dass Griechenland durch striktes Sparen und Reformen selbst aus der Krise herausfinden müsse und nur so die Märkte wieder beruhigen könne.

  • 05.03.2010, 13:01 UhrAnonymer Benutzer: M.Kaiser

    ich verweiße wieder einmal auf das buch von Hans Martin Tillack "Die korrupte Republik"!

    Wenigstens haben sich die Nationalsozialistischen Töne auf den Kommentarseiten etwas reduziert. Da habe ich mich als Deutscher in Griechenland geschämt.

  • 05.03.2010, 11:59 UhrAnonymer Benutzer: Seilschaften und Sozialismus à la Merkel

    @ b. Riemke

    Genau das ist das Problen!

    Als die DDR "geöffnet" wurde, ... war Merkel schon 35!
    Sie hatte also sehr lange Zeit zu studieren, wie Seilschaften funktionieren. Das kann sie perfekt.

    Als die DDR "geöffnet" wurde, ... war Merkel schon 35!
    Das bedeutet aber auch, daß sie zu diesem Zeitpunkt zum ersten Mal mit Markt und Wirtschaft konfrontiert wurde. Und davon hat sie bis heute keinen blassen Schimmer!

    Zur Wahl aufgestellt wurde sie nicht vom Volk, sondern von CDU/ CSU Politikern! Und warum?
    WEGEN DER WÄHLERSTiMMEN. Eine FRAU aus dem OSTEN versprach die meisten Chancen. An die Folgen dachten diese idioten damals nicht. Nicht 2005 und nicht 2009.

    Gewählt wurde sie auch nicht vom Volk. Auch das waren Politiker, nämlich "Abgeordnete" (das Wort ist eigentlich zum totlachen) aus dem bundestag. Und weil es GANZ ViELER ("Überzeugungs")-Posten bedurfte, um die Pute durchzusetzen, machte man einfach eine GROSSE Koalition.

    WANN bEKOMMEN WiR ENDLiCH WiEDER EiNE DEMOKRATiE?

  • 05.03.2010, 11:19 UhrAnonymer Benutzer: Micha

    Klar, daß die anderen Länder Europas Griechenland besser verstehen und die Weigerung von Zahlungen Deutschlands nicht nachvollziehen können. Die anderen Länder müssen auch nicht zahlen sondern erwarten in Zukunft Zahlungen! Das Frankreich an Deutschlands Zahlungen interessiert ist. dürfte auch klar sein: Griechenland hat jüngst ein paar Kriegsschiffe bei Frankreich bestellt und die müssen bezahlt werden!

  • Video

Politik Bundestag stärkt Organspende

Krankenversichterte ab 16 Jahren werden in Zukunft häufiger gefragt, ob sie Organspender werden wollen. Dieses Gesetz hat der Bundestag mit großer Mehrheit verabschiedet - und noch einige weitere Entscheidungen gefällt.

  • Die aktuellen Top-Themen
Kontrolle weiter abgelehnt: Iran plant Bau eines neuen Atomkraftwerks

Iran plant Bau eines neuen Atomkraftwerks

Der Iran bleibt beim Atomprogramm stur: Kontrolleuren wird nach wie vor der Zugang zu den Anlagen verweigert - gleichzeitig kündigte die Regierung nun den Bau eines neuen Kernkraftwerks an. Streit ist vorprogrammiert.

Wird Strom teurer?: Koalition sorgt sich um Kosten der Energiewende

Koalition sorgt sich um Kosten der Energiewende

Der neue Bundesumweltminister Peter Altmaier will mehr Tempo bei der Energiewende. Es ist eine Herkulesaufgabe. Nun drohen auch noch die Kosten auszuufern. Ein Zurück zur Atomkraft soll es aber nicht geben.

Über 90 Tote: Entsetzen über Massaker in Syrien

Entsetzen über Massaker in Syrien

Bei einem Massaker sind in Syrien mehr als 90 Zivilisten ums Leben gekommen, darunter auch viele Kinder. Die entsetzte internationale Gemeinschaft fordert erneut ein Ende der Gewalt - doch das Blutvergießen geht weiter.

Global Reporting Krieg gegen Krankenhäuser

An einem Sonntagmorgen im Sommer 2011 wollte der 21-jährige Syrer Khaled al-Hamedh Medikamente für seinen kleinen Bruder besorgen. Khaled machte sich auf den Weg zu einem Krankenhaus in seiner Heimatstadt Hama. Die Apotheken in Hama waren... Von Jan Dirk Herbermann. Mehr…

Handelsblog Feuert die Dicke Bertha in die falsche Richtung?

Ein Kernproblem im Euro-Raum ist, dass es in den Krisenstaaten einen gefährlichen Link gibt zwischen dem Bankensystem und den Staatsfinanzen dieser Länder. Geldinstitute in Griechenland, Spanien, Irland und anderen Ländern stehen mit dem... Von Olaf Storbeck. Mehr…

  • Konjunkturtermine
Konjunkturtermine: Wochenvorschau

Wochenvorschau

Die wichtigsten Ereignisse und Indikatoren in Europa und International